Weltberühmte Girlgroup: 25 Jahre "Trennung": Wie die Spice Girls noch heute bewegen
"Friendship never ends"? Als "Ginger Spice" 1998 die Spice Girls verließ, geriet die Erfolgsgeschichte der Girlgroup ins Wanken. Was von ihrem Einfluss und dem Gefühl der "Girl Power" geblieben ist.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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In ihren weltberühmten Hits hatten sie Freundschaft und Zusammenhalt zu ihrem Markenzeichen gemacht. Doch am 22. Oktober 2001 schlägt ein Bericht der britischen Boulevardzeitung "The Sun" ein wie eine Bombe: Die Spice Girls, von denen noch vier übrig waren, sprechen nicht mehr miteinander, hieß es. Eine offizielle Erklärung zum Ende der Girlgroup gab es nie - angeblich, weil sich die Sängerinnen nicht einmal mehr darauf einigen konnten.
Mit einer der bekanntesten Pop-Hymnen der Geschichte, "Wannabe", wurden die Spice Girls im Jahr 1996 weltbekannt. Geschaffen als Gegenstück zu den vielen damaligen Boybands, legten "Sporty Spice" (Mel C), "Scary Spice" (Mel B), "Baby Spice" (Emma Bunton), "Ginger Spice" (Geri Halliwell) und "Posh Spice" (Victoria Beckham) eine beachtliche Karriere hin. Bis heute beliebt sind neben "Wannabe" Songs wie "Spice Up Your Life" und "Viva Forever".
Entsprechend schockiert fielen die Reaktionen aus, als "Ginger Spice" 1998 die Gruppe verließ und die Auflösung der Band ins Rollen gebracht wurde. Seither gehen die fünf Frauen bis auf wenige gemeinsame Auftritte durchaus erfolgreich ihrer eigenen Wege. Wie viel "Spice" ist heute also noch übrig?
Bis heute in den Charts
Begonnen hatte alles mit einer Anzeige für ein Vorsingen in den Londoner Danceworks-Studios. Am 4. März 1994 waren dieser Hunderte junge Frauen gefolgt. Drei der Musikerinnen wurden damals schon für die Band ausgesucht - Victoria, Mel B und Geri. Mel C und Emma kamen über Umwege dazu.
Es folgte eine steile Karriere, in deren Verlauf die Girlgroup mit ihren unterschiedlichen Charakteren, schrillen Outfits und Ohrwurm-Hits die Popkultur der späten 90er-Jahre prägte. Spürbar ist das bis heute: Zum 30-jährigen Jubiläum der Gründung der Band druckte die britische Post 2024 Sonderbriefmarken. Als "Wannabe" zuletzt 30 Jahre alt wurde, schaffte es der Hit wieder in die Top 10 der britischen Single-Verkaufscharts.
Aus Sicht des Popmusikkultur- und Medienforschers Christoph Jacke von der Universität Paderborn fand der Einfluss der Spice Girls auf die Popkultur jedoch weniger in musikalischer Form statt. Vielmehr seien sie "auf der performativen Ebene sehr, sehr wichtig" gewesen, sagte Jacke der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Demnach wussten sie, wie sie sich als Gruppe zu vermarkten hatten. Stets legten sie eine hochprofessionelle und unterhaltsame Performance hin, sowohl live als auch in den für die 1990er-Jahre typischen Musiksendungen. "Dieses Schauspiel mit den verschiedenen Charakteren, diesen Personas auf der Bühne, das ist schon sehr beeindruckend gewesen." Ein Erfolg, der sich bis heute halte: "Ob Comeback oder nicht - da ist etwas hängen geblieben."
Expertin: Spice Girls verkörpern Gefühl weiblicher Gemeinschaft
Doch die Spice Girls stehen nicht nur für den Mainstream-Pop der 90er. Mit ihrer "Girl Power"-Mentalität wird ihnen auch ein damals neues weibliches Selbstbewusstsein zugeschrieben. Die Musikwissenschaftlerin Nicola Dibben sieht die Bedeutung der Gruppe in ihrem frechen, unerschrockenen Auftreten und dem Gefühl weiblicher Gemeinschaft, das bis heute ein wichtiger Teil ihres Beitrags zur Popkultur sei.
"Sie legitimierten eine bestimmte Form kollektiver weiblicher Freiheit, auf eine von jungen Frauen selbst bestimmte Weise zu handeln und zu denken", sagte Dibben der dpa. Da junge Frauen als gesellschaftliche Gruppe historisch marginalisiert und abgewertet worden seien, sei es damals wie heute von großer Bedeutung, sie als Gruppe sichtbar und hörbar zu machen - oder zumindest ein Symbol dafür zu schaffen.
Nach Jackes Einschätzung hatten die Spice Girls durchaus eine ermächtigende Wirkung auf ihr damals vorwiegend junges Publikum - trotz ihrer Zugehörigkeit zum Kommerz. Zwar sei die Band anders als etwa die zeitgleich auftretende feministische Punkbewegung der Riot Grrrls nicht ausdrücklich politisch gewesen, feministische Aspekte ließen sich aber durchaus erkennen. "Es ist so ein bisschen versteckter, ein bisschen spielerischer", so der Experte.
Inzwischen sei die Präsenz weiblicher Musikerinnen deutlich selbstverständlicher geworden, meint Jacke. Eine Sensation, wie sie die Spice Girls und andere Girlgroups der 90er-Jahre für den Mainstream darstellten, sei heute angesichts von bereits etablierten weiblichen Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Charli XCX demnach auf eine positive Art eher unwahrscheinlich.
Kommt es noch zu einem echten Comeback?
Eine kleine Sensation wäre jedoch ein echtes Comeback der Spice Girls. Bereits 2007 und 2019 fanden sie sich für Reunion-Tourneen wieder zusammen - zuletzt allerdings ohne Victoria Beckham. An Streitigkeiten dürfte eine Wiedervereinigung zumindest nicht scheitern. "Wir kommen prächtig miteinander aus", sagte Mel C im Mai dem "Playboy".
Dass die Nostalgie der 90er-Jahre noch immer Massen begeistert, zeigen andere Bands: Take That, die Backstreet Boys und Oasis locken wieder Fans zu ihren oft ausverkauften Konzerten. Eine vielversprechende Ankündigung der Spice Girls ließ zuletzt die Gerüchteküche brodeln, die Hoffnungen auf ein Comeback erfüllten sich allerdings nicht. Aus Jackes Sicht würde ein Comeback aufmerksamkeitsökonomisch "genauso funktionieren wie bei den Backstreet Boys oder Oasis, so unterschiedlich die sind."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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