Buchpreis: Hermeskeil ist stolz auf Buchpreisträgerin Bazyar

Der Deutsche Buchpreis würdigt den Roman einer Autorin aus dem Hunsrück. Vorbild für den Ort in "Die Lücken" ist ihr Geburtsort Hermeskeil. Wie wird das in der Stadt aufgenommen?

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Shida Bazyars als "Roman gegen Gleichgültigkeit" ausgezeichnetes Buch erfüllt in ihrem Geburtsort im Hunsrück viele mit Stolz. "Es bedeutet mir viel und ich bin unglaublich stolz darauf, dass Shida den Deutschen Buchpreis gewonnen hat - wir haben mitgefiebert", sagt der Bürgermeister von Hermeskeil, Christoph König, am Morgen nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2026.

Bazyar kam 1988 in der rund 7.000 Einwohner großen Stadt in Rheinland-Pfalz zur Welt und machte sie zum Vorbild des fiktiven Orts Heimesbach in ihrem Roman. Ihre Eltern waren politische Aktivisten im Iran und flohen 1987 nach Deutschland. Sie sei "dankbar", dass ihre Eltern Asyl bekamen und sie "an einem geschützten Ort aufwachsen konnte", sagte die Preisträgerin, die vom Hunsrück erst nach Hildesheim und später nach Berlin zog.

"Die Lücken" befasst sich mit schwierigen Kapiteln der Geschichte

Ihr Roman "Die Lücken" reflektiert anhand einzelner Figurenschicksale fast hundert Jahre ambivalenten deutschen Lebens, heißt es in der Begründung der Jury für den Buchpreis. Erzählt wird von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz und Zuflucht suchen. Es werden verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache gebracht. So dreht sich der rund 500 Seiten lange Roman um Lügen, Rassismus und Verdrängung. Nie habe jemand zugegeben, "noch immer das Bild des Führers in seiner Schublade liegen zu haben", heißt es etwa.

"Mich beeindruckt besonders, wie sie das schwierige Kapitel in dem Roman aufgreift und in Literatur aufgearbeitet hat", sagt Bürgermeister König von der Wählergruppe Bürger für Bürger. Der Deutsche Buchpreis habe nicht nur eine kulturelle Bedeutung. "Er ist eine wertvolle Chance, dass wir uns selbstbewusst und offen mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen können."

Die Hunsrücker gehen auf Bazyar zu

"Ich stelle mir Heimesbach schon wie Hermeskeil vor", sagte Bazyar im TV-Beitrag, der bei der Preisverleihung eingespielt wurde. Die Figuren seien aber erfunden. Sie sei froh, dass der Roman "auch bei anderen was auslöst", sagte sie. "Froh, dass es so viel Interesse und Offenheit in Hermeskeil gibt."

"Man kennt Shida im Ort. Die Leute gehen auf sie zu, sie ist hier noch verwurzelt", heißt es in der Stadt. Ihre im Oktober geplante Lesung in Hermeskeil sei schon vor der Preisverleihung ausverkauft gewesen. Bazyar sei immer mal wieder im Hunsrück, habe auch noch Familie dort, und sei erst vor rund einem Monat bei der Verlegung von elf Stolpersteinen für zwei jüdische Familien dabei gewesen, berichtet Ricarda Ahmetovic vom Tourismusbüro.

Bürgermeister sieht wertvolle Chance zur Auseinandersetzung

Er wohne selbst in einem Haus, das einem jüdischen Tierarzt gehört habe, und er erkläre am Beispiel der Stolpersteine vor seiner Haustüre den Besuchern immer "diesen wichtigen Teil unserer Geschichte", sagte der Bürgermeister. "Wir werden das Thema weiter aufarbeiten und aufgreifen", kündigte König an und nannte das derzeit geschlossene Heimatmuseum als einen geeigneten Ort dafür.

Historischer Rundgang und Gedenkort zur NS-Diktatur

Einen historischen Rundgang zur Erinnerung an die NS-Vergangenheit im sogenannten Gaumusterdorf mit 14 Stationen gibt es bereits. Und das ehemalige SS-Sonderlager/KZ-Hinzert - eine von zwei Gedenkstätten zur Erinnerung an die Nazi-Verbrechen in Rheinland-Pfalz - gehöre zur Verbandsgemeinde, sagte Ahmetovic vom Tourismusbüro. An dem Gedenkort werde Bazyar voraussichtlich am 19. März 2027 auch aus ihrem Roman lesen.

Die meisten Touristen kämen wegen der Ruhe und der Natur in den Hunsrückort, sagt Ahmetovic. Der Saar-Hunsrück-Steig und die Traumschleifen lockten zum Wandern und Radfahren - und zwar das ganze Jahr. "Es gibt keine Saison mehr." Die historischen Stätten zögen aber auch Besucher an. Die meisten lebten im Umkreis von 100 Kilometern oder stammten aus dem Hunsrückort. Künftig könnten auch Lesebegeisterte aus der ganzen Republik auf Spurensuche kommen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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