Duma-Wahl: Russland: Kremlpartei baut Zweidrittelmehrheit aus
Die Kremlpartei Geeintes Russland soll inmitten einer beispiellosen Krise im Land die Parlamentswahl haushoch gewonnen haben. Kritiker sprechen von einer Farce.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Die für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine maßgebliche Kremlpartei Geeintes Russland baut bei der Parlamentswahl ihre bisherige Zweidrittelmehrheit in der Staatsduma massiv aus. Laut Daten der zentralen Wahlkommission in Moskau kommt die seit mehr als 20 Jahren regierende Partei wohl auf mindestens 338 Mandate - gut ein Dutzend Sitze mehr als bisher, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete.
Am Morgen waren mehr als 90 Prozent der Wahlzettel, darunter auch elektronische Stimmabgaben, ausgezählt. Wahlleiterin Ella Pamfilowa will am Vormittag das vorläufige Endergebnis verkünden. Nach bisherigem Stand sind in der Duma nur noch vier - und nicht mehr fünf Parteien vertreten.
Wohl nur noch vier Parteien in der Staatsduma
Geeintes Russland kam nach Auszählung fast aller Wahlzettel auf 57,86 Prozent der Stimmen, wie Interfax unter Berufung auf die Wahlleitung meldete. Prognosen hatten die Regierungspartei bei unter 50 Prozent gesehen.
Die Kommunistische Partei landete auf Platz zwei mit 13,84 Prozent der Stimmen; die ultranationalistische Partei LDPR kam auf 8,9 Prozent; die bei liberalen Großstädtern populäre Partei Nowyje Ljudi (auf Deutsch: Neue Leute) erreichte demnach 7,94 Prozent. Die Partei Gerechtes Russland scheiterte laut den nicht endgültigen Ergebnissen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, nachdem sie am Abend und in der Nacht noch darüber gelegen hatte (4,95 Prozent). Bisher gehörte sie zu den fünf Parteien in der Duma.
Russische Wahlen stehen wegen des Ausschlusses einer echten Opposition und wegen fehlender Presse- und Meinungsfreiheit als unfair und nicht demokratisch in der Kritik. Unabhängige Experten und die Opposition im Exil warfen der Wahlleitung vor, die Ergebnisse zu fälschen. Kremlgegner sprachen von einer Farce.
Alle Parteien unterstützen Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine
Alle Parteien sind linientreu und unterstützen den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine. Für die Regierungspartei ziehen nun auch Kriegsveteranen in das Parlament ein. Bei einer massiven Wirtschaftskrise, Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit der Menschen mit der Lage im Land erreichte die Wahlbeteiligung den höchsten Wert seit 15 Jahren - mit mehr als 56 Prozent. Für Putin gilt die Wahl als klares Signal für die Fortsetzung der Vollinvasion in der Ukraine.
Aufgerufen waren von Freitag bis Sonntag mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen zur Wahl der Abgeordneten für die neue Staatsduma in Moskau. Die Anti-Kriegspartei Jabloko und andere Oppositionskräfte waren nicht zugelassen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Politik":
- Berlin News: Krach: Ermittlungen waren sicher "kein Vorteil"
- Landtagswahl: CDU-Politiker Rehberg: "Ursache ist die Berliner Politik"
- Friedrich Merz: Brantner: Regierung Merz kann nicht einfach so weitermachen
- Landtagswahl: Holm: Sieht nicht nach Regierungsbeteiligung für AfD aus
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.