Wladimir Putin: Nach Paraden-Desaster - Putin droht mit Ukraine-Untergang
Aus Angst vor ukrainischen Drohnen hat Wladimir Putin erneut Russlands wichtigste Marine-Parade abgesagt. Statt Stärke zu demonstrieren, gerät der Kremlchef innen- und außenpolitisch immer stärker unter Druck.
Erstellt von Sarah Baumann-Rüster - Uhr
Suche
- Wladimir Putin sagt die Marine-Parade in St. Petersburg erneut wegen der Drohnengefahr ab
- Putin droht der Ukraine mit Untergang
- Drohnenangriffe, Kritik im Inland und Distanz von Verbündeten setzen den Kremlchef zunehmend unter Druck
Es sollte eine eindrucksvolle Machtdemonstration werden – doch stattdessen musste der Kreml erneut zurückrudern. Wie "The Kyiv Independent" berichtet, hat Wladimir Putin zum zweiten Mal in Folge seine traditionelle Marine-Parade zum Tag der Flotte in St. Petersburg abgesagt. Ausgerechnet die Angst vor ukrainischen Langstreckendrohnen verhindert damit eines der wichtigsten militärischen Prestigeereignisse des Landes. Während Wladimir Putin stattdessen vor Marinesoldaten im Hauptquartier der Marine sprach, mehren sich die Anzeichen, dass der Krieg zunehmend bis ins russische Kernland ausstrahlt.
Weitere Nachrichten zu Wladimir Putin finden Sie am Ende des Artikels.
Wladimir Putin sagt Marine-Parade erneut ab: Ukraine-Drohnen setzen Kremlchef immer stärker unter Druck
Eigentlich sollten am Sonntag rund 200 Kriegsschiffe auf der Newa aufziehen. Stattdessen trat Putin im Admiralitätsgebäude, dem Hauptquartier der russischen Marine, vor Soldaten auf.
Der Grund für die Absage ist derselbe wie bereits im vergangenen Jahr: die wachsende Bedrohung durch ukrainische Langstreckendrohnen. Ein Sprecher der Marine erklärte gegenüber dem St. Petersburger Nachrichtenportal "Fontanka" lediglich: "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt". Bereits am 15. Juli hatten Quellen aus dem Verteidigungsministerium dem Portal mitgeteilt, dass keinerlei Befehle zur Organisation der Parade ergangen seien.
Zeitgleich mit Putins Besuch berichteten Bewohner St. Petersburgs über großflächige Internetausfälle. Diese gelten als weiteres Indiz dafür, wie ernst die russischen Behörden die Gefahr möglicher Drohnenangriffe inzwischen selbst in der zweitgrößten Stadt des Landes nehmen.
Putin prophezeit Untergang der Ukraine – und bremst sich selbst
In seiner Ansprache vor den Matrosen ließ der 73-jährige Kremlchef seiner Wut freien Lauf. Er prophezeite den Untergang der Ukraine und behauptete, Russland sei stets der einzige "Garant" für die "territoriale Integrität" des Nachbarlandes gewesen. Die westlichen Landesteile der Ukraine bezeichnete er als "Geschenk Stalins" – sie würden "früher oder später" an Ungarn, Rumänien und Polen zurückfallen.
Doch der martialischen Rhetorik folgte ein auffällig kleinlauter Nachsatz: Ein solcher Prozess werde nicht sofort geschehen, räumte Putin ein. Es könne "ein Jahr, oder zwei, oder vielleicht sogar zehn oder fünfzehn" dauern, bis sich alles "historisch an seinen Platz füge". Laut "The Daily Beast" wirkten einige der anwesenden Marinesoldaten wenig überzeugt von seinen Ausführungen.
Drohnenangriffe treffen St. Petersburg und sorgen für wachsenden Unmut
Wie real die Bedrohung inzwischen geworden ist, zeigte sich wenige Tage zuvor. Am 24. Juli trafen ukrainische Drohnenangriffe zwei Lagerhäuser des Online-Händlers Wildberries, der als russisches Pendant zu Amazon gilt, in St. Petersburg. Über der Stadt stiegen dichte Rauchwolken auf, der Flughafen Pulkowo musste seinen Betrieb vorübergehend einstellen.
Die Attacken auf Wildberries-Standorte im ganzen Land haben bei Kleinunternehmern massive Verluste verursacht und für offenen Unmut gesorgt. Kosmetikmarken-Gründerin Swetlana Dodo beklagte in einem Instagram-Video den Verlust von rund einer Million Rubel – umgerechnet etwa 12.800 Dollar. "Wir werden ohnehin schon von allen Seiten über den Tisch gezogen", schimpfte sie.
Selbst Kreml-Chefpropagandist Wladimir Solowjow eröffnete seine Sendung vergangenen Sonntag mit dem Eingeständnis, dass "die Dinge schwierig sind". Putin konterte den wachsenden Online-Protest auf seine Weise: Es sei "gefährlich", sich auf Informationen aus "Online-Communities" zu verlassen, dort gebe es zu viel "Durcheinander".
Putin gerät auch international zunehmend unter Druck
Putins Autoritätsverlust zeigt sich nicht nur im Inland. Erst wenige Tage vor der abgesagten Parade nutzte Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew ein eigentlich als Freundschaftsgeste geplantes Treffen, um den Kremlchef vor laufenden Kameras bloßzustellen. Er habe Signale aus Europa und den USA zum Krieg erhalten und diese bereits mit Putin besprochen, erklärte Tokajew – und fügte hinzu, "die Natur dieses Konflikts ist nicht ganz klar". Putin wirkte sichtlich unwohl.
Parallel dazu behauptete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Ansprache am Donnerstag, Personen aus Putins engem Umfeld hätten Kontakt zu Kiew aufgenommen. Diese hätten dem russischen Präsidenten persönlich die Schuld am Krieg und an den schweren Verlusten Russlands gegeben. Das sorgfältig inszenierte Bild des starken Mannes im Kreml bekommt immer tiefere Risse.
Auch diese Putin-News sind einen Blick wert:
- Keine Region mehr sicher - Ukraine-Wunderwaffe bringt Kreml in Bedrängnis
- Putin-Krise spitzt sich zu - Front blutet aus, im Hinterland wächst der Widerstand
- Putin niedergeschlagen im Bunker - neue Fotos werfen Fragen auf
- "Das ist kein Bluff" - Ex-Kommandeur droht mit Rebellion gegen den Kreml
- Millionen-Verluste für Putin - neue Kreml-Zahlen sorgen für Entsetzen
sba/fka/news.de/stg
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.