AfD-Parteitag: AfD bestätigt Spitzenduo – Chrupalla verliert an Rückhalt
Die AfD hat ihr Spitzenduo wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue, jüngere Gesichter. Vom Protest der AfD-Gegner sehen die Delegierten wenig.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Alice Weidel und Tino Chrupalla dürfen als Co-Vorsitzende der AfD weiter machen. Bei einem von lautstarken Straßenprotesten begleiteten Bundesparteitag in Erfurt bestätigten die Delegierten das Spitzenduo ohne Gegenkandidaten für weitere zwei Jahre im Amt. Weidel erhielt 81,3 Prozent und konnte sich damit minimal verbessern im Vergleich zur Wahl von 2024. Chrupalla schnitt mit rund 70 Prozent schwächer ab damals, als er 83 Prozent Zustimmung erhielt. Hinterher sagte er, immerhin hätten ihm mehr als zwei Drittel der Delegierten ihre Stimme gegeben.
Größtenteils friedlicher Protest
Zehntausende AfD-Gegner beteiligten sich am Samstag an Protesten in Erfurt. Nach Angaben der Polizei kamen rund 31.000 Menschen zu Demonstrationszügen, Kundgebungen und Sitzblockaden. Die Bündnisse "Zusammenstehen" und "Widersetzen" sprachen von 50.000 Demonstranten. Der Parteitag begann trotz aller Proteste pünktlich, da die Delegierten teils in einem Hotel neben der Messe schliefen, teils schon früh am Morgen mit von der Polizei eskortierten Reisebussen zum Parteitagsgelände fuhren.
Journalisten attackiert
Bei den Protesten kam es zu Angriffen auf Medienschaffende, die Polizei nimmt Ermittlungen auf. "Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten werden von uns konsequent verfolgt", teilte die Polizei mit. Es sei während des Einsatzes zu Übergriffen gekommen, "insbesondere auf Livestreamer." Zwei Streamer seien aus einer Gruppe von Demonstranten heraus verfolgt und angegriffen worden, ein Dritter sei bei der Kundgebung vor dem Tagungsort der AfD bedrängt, aber nicht verletzt worden, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion. Für welches Medium die Betroffenen im Einsatz waren, sagte die Polizei mit Hinweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht.
Das Portal "Apollo News" berichtete, eines seiner Reporterteams sei von Demonstranten attackiert worden. Der Chefredakteur schreibt auf der Plattform X, einem seiner Mitarbeiter sei gegen den Hinterkopf getreten worden. Die Polizei berichtet von einem Fall, bei dem zwei Journalisten durch Flaschenwürfe aus einer Versammlung heraus verletzt worden seien. Ein Journalist wurde demnach mit einem Krankenwagen zur weiteren Behandlung weggebracht. Ob es sich bei den Vorfällen um dasselbe Ereignis handelt, wurde auch am Sonntag zunächst nicht bestätigt.
Am Sonntag, während die AfD-Delegierten Rechnungsprüfer wählen und Satzungsfragen diskutieren, ist es in Thüringens Landeshauptstadt ruhig. Immer noch sind viele Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, auch von der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern.
Die Polizei spricht von weitgehend friedlichen Protesten - 48 Straftaten wurden am Samstag gezählt. Laut Polizei gab es kleinere Scharmützel an einigen Absperrungen, teilweise wurde Pfefferspray eingesetzt. An einer Sitzblockade auf der Autobahn 71 sowie Zufahrtsstraßen nach Erfurt beteiligten sich zeitweise mehrere Tausend Menschen.
Kaum inhaltlicher Streit
Größere Kontroversen blieben auf dem Parteitag aus - womöglich auch um den Wahlkämpfern in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht zu schaden. Ein womöglich auch für die juristische Auseinandersetzung mit dem Verfassungsschutz relevanter Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste der AfD wurde inhaltlich nicht diskutiert. Die Co-Vorsitzende Weidel schlug stattdessen vor, der neue Parteivorstand solle die Liste überarbeiten. Die verhindert bislang, dass ehemalige Mitglieder extremistischer Gruppierungen in die AfD aufgenommen werden. "Der Bundesvorstand hätte das schon längst machen müssen", sagt Weidel. Daraufhin zogen Delegierte, zu denen der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke zählt, den Antrag zurück.
Immer wieder brandet Applaus auf, wenn die Spitzenkandidaten genannt werden, die für die AfD im September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin antreten. In Sachsen-Anhalt steht die AfD in Umfragen auf Platz eins und rückt mit Werten jenseits der 40-Prozent-Marke an die Möglichkeit heran, eine absolute Mehrheit zu erreichen.
Höcke bietet Therapie an
Höcke sagte, die AfD müsse heilen. "Wir müssen einen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren. Es geht darum, Deutschland wieder mit sich selbst zu befreunden. Wir müssen unsere Identität wieder gewinnen."
Drei neue Vize
Die zweite Reihe des Bundesvorstandes wurde von den rund 600 Delegierten komplett ausgetauscht.
Mit Stefan Möller wurde ein Vertrauter von Höcke zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit 76,54 Prozent gewählt. Der Thüringer AfD-Co-Chef Möller nennt Höcke einen Weggefährten und Freund, weist aber Darstellungen zurück, er sei von ihm ferngesteuert.
Neu als Vize ist zudem Katrin Ebner-Steiner. Die Co-Vorsitzende der bayerischen AfD-Landtagsfraktion sagte, man wolle Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "aus der Staatskanzlei jagen". Sie trat ohne Gegenkandidaten an und erhielt knapp 56 Prozent.
Auf den dritten Vize-Posten wählten die Delegierten Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen, der die AfD "an der Schwelle zur Macht" sieht. Er erhielt 50,7 Prozent und setzte sich gegen Kay Gottschalk durch. Der Bundestagsabgeordnete versuchte vergeblich, mit Parolen wie "Remigration löst viele Probleme" zu punkten.
Neuer Bundesschatzmeister der AfD ist Hannes Gnauck. Der frühere Chef der inzwischen aufgelösten Jungen Alternative setzte sich gegen den langjährigen Schatzmeister Carsten Hütter durch.
Weniger Veränderung in der dritten Reihe
Die restlichen Posten im Bundesvorstand wurden teils mit bekannten, teils mit neuen Gesichtern besetzt. Zu denen, die im Amt bestätigt wurden, zählt Dennis Hohloch aus Brandenburg. Unter den Neuen ist der Chef der neuen AfD-Nachwuchsorganisation, Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm. Er sagte, ihm sei wichtig, "dass unsere Kinder und Kindeskinder wieder in Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben können, als Deutsche in Deutschland unter Deutschen, darunter machen wir es nicht".
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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