Unabhängigkeitstag: 250 Jahre USA: Was aus dem amerikanischen Traum geworden ist
Vom Tellerwäscher zu Millionär, gleiche Rechte und Chancen für alle? 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung scheinen vielen die einstigen Versprechen der USA unerreichbar.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Amerikanischer Traum: Was bedeutet das überhaupt? Und wie ist es um diese Vision bestellt? Fragt man US-Amerikanerinnen und -Amerikaner danach, fallen ihre Antworten sehr unterschiedlich aus – selbst im begrenzten Radius eines kleinen Parks in Philadelphia.
Nur wenige Meter von der Grünanlage entfernt geschah vor 250 Jahren Historisches: Abgesandte der 13 amerikanischen Kolonien nahmen am 4. Juli 1776 offiziell eine Erklärung an, mit der sie sich als Vereinigte Staaten von Amerika von Großbritannien lösten. Es war die Geburtsstunde der USA.
"Der konstante Glaube an Hoffnung" versus "Albtraum"
250 Jahre später bringt Aaron aus Philadelphia den Traum, den er mit seinem Land verbindet, auf eine schlichte Formel: "der konstante Glaube an Hoffnung". "Der Traum mag nicht für jeden derselbe sein, aber jeden Tag wachst du mit der Chance auf, daran zu arbeiten, dass er wahr wird."
Ein paar Parkbänke weiter sind Adriana und ihr Kumpel Richard deutlich weniger zuversichtlich. Gleicher Zugang zu Möglichkeiten für wirtschaftlichen Erfolg, für die Deckung von Grundbedürfnissen wie medizinischer Versorgung? Für sie ist das eine "Lüge", die ihnen Lehrkräfte, Politiker und Medien vermittelt hätten. In der Realität gelte das nur für Weiße aus der Mittelschicht, sagt Richard. "Ich glaube, der amerikanische Traum ist komplett zu einem amerikanischen Albtraum geworden."
Umfrage zeigt pessimistischen Blick vieler in den USA
Tatsächlich zeigen sich fast 60 Prozent der US-Bürger davon überzeugt, dass die besten Jahre ihrer Nation in der Vergangenheit liegen, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Pew Research Center hervorgeht.
Mehr als die Hälfte der erwachsenen Amerikaner geht laut einer weiteren Erhebung des Pew Research Centers davon aus, dass bis zum Jahr 2050 die Wirtschaft abkühlen, das eigene Land in der Welt an Bedeutung verlieren und die USA politisch stärker gespalten sein werden. Dabei zeigen sich vor allem jüngere Erwachsene pessimistischer als ältere Generationen.
Vom Tellerwäscher zum Millionär?
Ein Grund für die Skepsis dürften die trüben Zukunftsaussichten sein. Die Vision, dass jedem hart schuftenden Menschen der sozialökonomische Aufstieg gelingen kann, bekommt angesichts von Inflation und struktureller Ungleichheit Risse. Steigende Kosten für Wohnraum, Lebenshaltung, Gesundheitsfürsorge und Hochschulbildung lassen viele Amerikanerinnen und Amerikaner straucheln, während die Lohnentwicklung nicht Schritt hält.
Zwar gibt es sie vereinzelt, die Menschen, die es derzeit etwa aufgrund des KI-Booms ganz weit nach oben auf der Karriereleiter schaffen. Viele andere kämpfen allerdings damit, überhaupt über die Runden zu kommen. Amerikanischer Traum bedeute für sie "leben, Essen kaufen, seine Rechnungen bezahlen können", sagt die 51-jährige Janis aus Philadelphia. "Das ist heutzutage so schwer."
Chancen für alle, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe?
Hohe Verbraucherpreise sind Ökonomen zufolge auch auf rückläufige Migrationszahlen zurückzuführen. Menschen aus dem Ausland, die willig sind, für weniger Geld zu arbeiten als viele Amerikaner, bilden einen bedeutenden Teil der Arbeiterbasis in den USA. Angesichts der restriktiven Migrationspolitik von Präsident Donald Trump machen solche Arbeitskräfte aber mittlerweile verstärkt einen Bogen um die USA. Da Firmen, Farmer und Restaurants für Personal höhere Löhne zahlen müssen, verteuern sich Produkte und Dienstleistungen weiter. Mehr Ausgaben erschweren wiederum Rücklagen.
Da hilft es nicht, dass Trump das in der US-Verfassung verankerte Geburtsrecht drastisch einschränken will. Wer in den USA geboren wird, soll nach seiner Vorstellung nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft zugesprochen bekommen, sondern nur noch unter bestimmten Konditionen. Ob Trump das umsetzen darf, beschäftigt aktuell das oberste US-Gericht. Eine Entscheidung zu seinen Gunsten dürfte die Migration weiter bremsen.
Bürgerrechtler warnen zudem vor der Schaffung einer dauerhaft benachteiligten Gruppe von in den USA Geborenen ohne gesicherten Status. Die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung könnte so bis 2045 um 2,7 Millionen und bis 2075 um 5,4 Millionen steigen, wie aus Prognosen des Migration Policy Institute und der Penn State University hervorgeht. Das könne den sozialen Zusammenhalt in den kommenden Jahrzehnten massiv beschädigen.
Dabei mahnte bereits vor gut 60 Jahren der US-Bürgerrechtler Martin Luther King die Gleichberechtigung aller Amerikaner an: "Ich habe den Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Land leben werden, in dem sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden", sagte er 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington.
Mit seiner Vision der Gleichheit von Schwarzen und Weißen schrieb King Geschichte und traf den wunden Punkt. Damals war das Land durch staatlich verordnete Trennung, tief sitzenden Rassismus und die systematische Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung gespalten.
Zwar folgten historische Errungenschaften wie der Voting Rights Act von 1965 zur Absicherung des Wahlrechts für Minderheiten. Mit seinem jüngsten Urteil zur Neuzeichnung von Wahlkreisen hat der Supreme Court den Schutz von Minderheiten bei der Wahlkreisgestaltung allerdings wieder geschwächt.
Amerikanischer Traum als "erstrebenswertes Ideal"
Im Jubiläumsjahr 2026 hat der Optimismus in den USA tiefe Risse. Weniger als die Hälfte der befragten Amerikaner (46 Prozent) glaubt überhaupt noch an eine Chancengleichheit für alle im Land, wie eine repräsentative Umfrage des Milken Center for Advancing the American Dream zeigt.
Zugleich sind 58 Prozent der Meinung, der amerikanische Traum sei 250 Jahre nach der Unabhängigkeit der USA noch nicht vollendet. 78 Prozent halten es weiter für wichtig, nach ihm zu streben. Die Autoren der Milken-Studie folgern aus den Daten, viele Menschen in den USA glaubten weiterhin an den amerikanischen Traum – als "erstrebenswertes Ideal". Ob er sich aber heute für den Einzelnen noch verwirklichen lässt, diese Zuversicht hat nachgelassen.
"Man muss heute so hart arbeiten. Manchmal muss man sogar zwei Jobs haben", sagt Janis aus Philadelphia. Alles sei teurer geworden, bemängelt sie. "Das ist schrecklich."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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