Dresden: Kommunen wollen fit für Klimawandel sein - Modellprojekte

"Blau-grüne Infrastruktur" soll Städte in Zeiten des Klimawandels vor Überhitzung und Folgen von Starkregen schützen. Dabei werden Wasser- und Grünflächen sinnvoll miteinander verknüpft.

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Vier sächsische Städte sollen in einem Modellprojekt Lösungen zum Umgang mit Extremwetter entwickeln. Der Freistaat Sachsen fordert die Vorhaben in Dresden, Leipzig, Nossen und Ottendorf-Okrilla mit insgesamt knapp 950.000 Euro, teilte das Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung mit. Die Projekte sollen beispielhaft zeigen, wie Kommunen auf klimatische Herausforderungen wie Hitze und Starkregen reagieren können. Ziel sind Lösungen, die die Wohn- und Lebensqualität verbessern und Innenstädte sowie Ortsteile lebenswert halten.

Programm stieß auf große Resonanz - mehr Nachfrage als Angebot

Im September 2025 hatte das Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung Städte und Gemeinden eingeladen, Projektideen für klimaangepasste Stadtentwicklung einzureichen. Gefragt waren Vorhaben, die möglichst einfach auf andere Kommunen übertragbar sind und zugleich eine breite Wirkung entfalten. Insgesamt gingen 24 Projektskizzen mit einem beantragten Fördervolumen von rund 4,6 Millionen Euro ein. Damit war das Programm rund vierfach überzeichnet. Ein Expertenkreis wählte anhand fachlicher Kriterien vier Modellprojekte aus.

Städte brauchen konkrete Beispiele, keine abstrakten Konzepte

"Die große Resonanz bei den gestellten Anträgen zeigt: Viele Kommunen – ob Kleinstadt oder Großstadt – wollen ihre Stadt- und Ortskerne besser auf Hitze, Starkregen und Trockenheit vorbereiten. Und was besonders erfreulich ist: Sie sehen ihre Konzepte auch als eine Art "Blaupause" für umsetzbare Beispiele für andere Städte an", erklärte Infrastrukturministerin Regina Kraushaar. Auf der Straße, dem Schulhof, in der Ortsmitte und auf dem Stadtplatz solle das Klima besser werden. Die Konzepte zeigten, wie gute Planung und deren Umsetzung konkrete Verbesserungen für Menschen vor Ort schafft.

Leipzig will "wassersensible" Straße bauen

Im Fall von Leipzig geht es um das Thema Niederschläge. Im Zuge des Fernwärmeausbaus soll ein Abschnitt der Steinstraße in der Südvorstadt West umgestaltet werden. Geplant ist ein "wassersensibler" Straßenraum, in dem Niederschlagswasser direkt vor Ort versickern kann. Dabei werden Bausteine erprobt, die auch bei weiteren Straßen- und Leitungsbauprojekten eingesetzt werden können. Der Freistaat fördert das Vorhaben mit 250.000 Euro.

Schulhof in Nossen wird "blau-grün" umgestaltet

In Nossen soll der nahezu vollständig versiegelte Schulhof der Dr.-Eberle-Oberschule wieder begrünt und mit "blau-grüner" Infrastruktur umgestaltet werden. Die sogenannte blau-grüne Infrastruktur verbindet Wasser- und Grünflächen in Städten und Gemeinden. Im Fall der Schulen soll beispielsweise Verschattung durch Bäume und Sonnensegel erfolgen. Die Schüler sollen in die Planung einbezogen werden. Auch dafür gibt das Land 250.000 Euro.

Ottendorf-Okrilla setzt Konzept der Schwammstadt um

Die gleiche Summe steht Ottendorf-Okrilla für sein Konzept einer Schwammstadt zur Verfügung. Dahinter verbirgt sich die Idee, Regenwasser vor Ort aufzunehmen und zu speichern, anstatt es ungenutzt über die Kanalisation abzuleiten. Durch Verdunstung wirkt das Wasser wie eine natürliche Klimaanlage. Zugleich schützt der "Schwamm" bei Starkregen vor Überschwemmung.

Platz vor dem Dresdner Kulturpalast soll grüner werden

In Dresden soll der Vorplatz des Kulturpalastes begrünt und temporär verschattet werden - unter einer intelligenten Nutzung der Brunnen. Zugleich soll ein elektrisch betriebener Bio-Luftfilter zum Einsatz kommen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und durch verschiedene Bildungs- und Beteiligungsformate ergänzt. Sachsen gibt dafür 198.000 Euro.

Am 25. Juni werden die Modellvorhaben während der erstmals ausgetragenen "Woche der Baukultur" bei einer Fachveranstaltung in Oschatz präsentiert.

Städte brauchen Schutz vor Hitze, Trockenheit und Starkregen

Bei "blau-grüner Infrastruktur" geht es darum, Quartiere besser vor Überhitzung, Trockenheit und Starkregen zu schützen. Dazu gehören etwa entsiegelte Flächen, neue Grünräume, begrünte Dächer und Fassaden, renaturierte Bäche, Rückhalteflächen oder Anlagen, die Regenwasser speichern und verzögert abgeben.

Eine wichtige Rolle spielt der Umgang mit Niederschlag. Regen soll möglichst nicht sofort in die Kanalisation fließen, sondern dortbleiben, wo er fällt. So kann Wasser versickern, gespeichert werden und über Pflanzen zur Kühlung beitragen. Das verbessert das Stadtklima und kann zugleich Kanalisation und Gewässer bei Starkregen entlasten.

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