Temelin: Tschechien startet Probebohrungen für Atommüll-Endlager

Bohrungen bei Temelin: Wie sicher ist ein Atommülllager so nah an der bayerischen Grenze? Die endgültige Standort-Entscheidung soll spätestens im Jahr 2030 fallen.

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Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein künftiges Atommüllendlager haben in Tschechien erste Probebohrungen begonnen. Die Untersuchungen starteten am "Janoch" genannten Standort bei der Gemeinde Temelin, rund 60 Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt. Dort soll rund 100 Meter tief in den Boden gebohrt werden, was rund zwei Wochen in Anspruch nehmen dürfte. Das teilte die Endlagerbehörde SURAO mit.

Blick unter die Erde

Die Untersuchungen sollen unter anderem Aufschluss über die Grundwasserverteilung und die Bodenbeschaffenheit geben. SURAO-Direktor Lukas Vondrovic sprach von einem "wichtigen Meilenstein": "Erstmals schauen wir mit Hilfe von Bohrungen direkt unter die Erde und präzisieren unsere Erkenntnisse, die wir von der Oberfläche aus gewonnen haben", sagte der Geologe.

In Temelin befindet sich auch eines der beiden Atomkraftwerke Tschechiens. Für das geplante Endlager sind drei weitere Standorte in der engeren Auswahl: Brezovy potok in den Ausläufern des Böhmerwalds, Horka bei der Gemeinde Budisov und Hradek im Bezirk Jihlava. Auch dort sind jeweils Bohrungen bis in eine Tiefe von 100 Metern geplant.

Entscheidung in wenigen Jahren

An die betroffenen Gemeinden werden jährlich insgesamt rund vier Millionen Euro als Entschädigung verteilt. Die Kommunen sind wegen des Auswahlverfahrens vor Gericht gezogen - bisher aber vergeblich. Die endgültige Entscheidung für einen der Standorte soll im Jahr 2030 erfolgen. In dem geplanten Endlager sollen hoch radioaktive Abfälle tief unter der Erde aufbewahrt werden.

Tschechien setzt anders als Deutschland weiter auf die Kernenergie. Der Anteil der Atomkraft an der Stromproduktion lag im vorigen Jahr bei mehr als 40 Prozent. Der südkoreanische Konzern KHNP erhielt den Zuschlag, am Standort Dukovany künftig für umgerechnet mehr als 16 Milliarden Euro zwei neue Reaktorblöcke zu bauen. Die Inbetriebnahme ist ab 2036 geplant.

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