Mainz: Mehr Fälle über Diskriminierung von Sinti und Roma gemeldet
Die erfassten Fälle steigen. Es gibt aber eine hohe Dunkelziffer, viele Vorkommnisse werden von den Betroffenen gar nicht gemeldet.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Deutlich mehr Fälle von Diskriminierung, Herabwürdigung, Beleidigung und Gewalt gegen Sinti und Roma sind bei der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) in Rheinland-Pfalz registriert worden. Die Zahl sei um 41 auf 100 Vorfälle im vergangenen Jahr gestiegen. Es gebe aber eine hohe Dunkelziffer, sagte MIA-Vorstand Christian Kling in Mainz.
Viele Betroffene hätten Angst vor negativen Konsequenzen und misstrauten auch den öffentlichen Stellen. Deshalb würden auch strafrechtlich relevante Vorkommnisse oft nicht angezeigt. Kling sprach von einer zunehmend feindseligen Stimmung in der Gesellschaft, in der Spaltung allgegenwärtig sei. Es sei zu erwarten, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle auch im laufenden Jahr steigen wird.
Viel Unwissen über Minderheiten
Der rheinland-pfälzische Antiziganismusbeauftragte Michael Hartmann betonte das Ziel, Minderheiten mehr Sichtbarkeit zu geben. Dazu gehöre auch, dass in den Lehrplänen der Schulen das Thema Antiziganismus sowohl mit der Verfolgung, aber auch der Kultur der Sinti und Roma präsenter werde. Lehrkräfte sollten bereits in der Ausbildung, aber auch über Fort- und Weiterbildungen sensibilisiert werden. "Es gibt zu viel Unwissen über die Minderheiten."
Die Meldestelle gibt es seit 2022 in Rheinland-Pfalz. Sie arbeitet unabhängig, Meldungen können telefonisch, online oder im persönlichen Gespräch erfolgen. MIA anonymisiert die Meldungen. Die Finanzierung erfolgt hälftig über das Land und den Bund, erklärte Hartmann. Sechs regionale MIA-Stellen seien mittlerweile neben Rheinland-Pfalz in Bayern, Berlin, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen aufgebaut worden.
Betroffene brauchen Vertrauen bei Anlaufstellen
Bundesweit wurden 1.678 Vorfälle im Jahr 2024 gemeldet. Die Angaben für das vergangene Jahr sollen in Kürze veröffentlicht werden, sagte der Geschäftsführer der MIA-Bundesgeschäftsstelle Guillermo Ruiz. Es liefen auch Gespräche, dass in weiteren Bundesländern Melde- und Informationsstelle Antiziganismus aufgebaut werden. Wichtig sei dabei, dass in Meldestellen auch Angehörige der Minderheiten die Ansprechpersonen seien, um das nötige Vertrauen zu schaffen.
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