Nahost: Israel beginnt mit Abschiebung Hunderter Gaza-Aktivisten

Die Behandlung der Gaza-Aktivisten in Israel ist international auf scharfe Kritik gestoßen – auch aus den USA und der EU. Nun werden die ersten von ihnen in ihre Heimatländer zurückgebracht.

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Israel hat mit der Abschiebung Hunderter Gaza-Aktivisten begonnen. Die Menschenrechtsorganisation Adalah teilte mit, alle Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte seien aus dem Gefängnis entlassen worden und nun auf dem Weg zur Abschiebung aus Israel. Die meisten von ihnen sollten demnach vom Ramon-Flughafen im Süden Israels aus ausfliegen. Adalah warf Israel Folter, Demütigung und unrechtmäßige Haft friedlicher Aktivisten vor. Das israelische Nachrichtenportal "ynet" berichtete unter Berufung auf Adalah, vier Aktivisten seien bereits über den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ausgeflogen.

Internationale Empörung über Ben-Gvir-Video

Ein Video des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir, das die Gaza-Aktivisten nach ihrer Festnahme in demütigender Weise zeigte, hatte zuvor international Empörung ausgelöst. Es zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod.

Kritik auch aus Polen und der EU

Auch der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski schrieb auf der Plattform X, Polen verurteile aufs Schärfste "das Vorgehen der israelischen Behörden gegenüber den von der israelischen Armee festgenommenen Aktivisten der "Global Sumud Flotilla", unter denen sich auch polnische Staatsbürger befinden". Er habe den israelischen Geschäftsträger in Warschau einbestellt. "Wir verlangen die sofortige Freilassung der polnischen Staatsbürger und eine Behandlung, die den internationalen Standards entspricht."

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die Behandlung der Aktivisten sei "völlig inakzeptabel". Er forderte israelische Regierung auf, "den Schutz und die würdige Behandlung dieser Aktivisten, darunter mehrere EU-Bürger, sicherzustellen" sowie eine schnelle Freilassung aller Inhaftierten.

Ungewöhnlich scharfe Kritik des US-Botschafters

Auch der für gewöhnlich sehr israelfreundliche US-Botschafter Mike Huckabee verurteilte Ben-Gvirs Verhalten als "verabscheuungswürdig". Die "Global Sumud Flotilla" sei eine "dumme Aktion" gewesen, Ben-Gvir habe aber "die Würde seiner Nation verraten".

Führende israelische Politiker verurteilten zwar Ben-Gvirs Verhalten, über mögliche Konsequenzen für den Minister ist aber nichts bekannt. Innerhalb der Armee herrscht laut einem Bericht von "ynet" Wut auf den Polizeiminister. Ein namentlich nicht genannter Militär habe von einem "strategischen Anschlag" und "unverantwortlichem Handeln" Ben-Gvirs gesprochen. Die Armee habe sich bemüht, bei dem Stopp der Hilfsflotte auf "saubere Weise" zu handeln, um internationale Schlagzeilen zu verhindern.

Israel hatte die aus mehr als 50 Booten bestehende Gaza-Hilfsflotte Anfang der Woche in internationalen Gewässern bei Zypern gestoppt. Rund 430 Aktivisten wollten die von Ägypten mitgetragene Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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