Berlin: Kipppunkte einer Demokratie: Hitler-Akten online
Wann ist es zu spät für eine Demokratie? Antworten liefern online zugängliche Akten aus der NS-Zeit. Die Dokumente zeigen, wie parlamentarische Strukturen demontiert und Verfolgung organisiert wurde.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Wann und wie kann eine Demokratie in Deutschland kippen? Antworten aus der Vergangenheit geben nun auch online Akten aus der Zeit der Regierung unter Adolf Hitler von 1933 bis 1939. Zu den Beständen der Reichskanzlei gehörten Dokumente, die den Verlust einer parlamentarischen Demokratie widerspiegelten, teilten das Bundesarchiv und die Berlin-Brandenburgische und Bayerische Akademie der Wissenschaften mit. Die damaligen Ereignisse seien wieder beklemmend aktuell.
"Gerade in unserer heutigen Zeit ist es wichtig, sich mit den Mechanismen der Macht der menschenverachtenden Nazi-Diktatur auseinanderzusetzen", sagte Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann. "Wenn in der Welt
auf dem Vormarsch sind und frühere Diktaturen verharmlost oder gar schöngeredet werden, ist es spätestens an der Zeit sich anzuschauen, was wirklich geschehen ist."
Zu lesen ist so, wie im Jahr 1932 aus der Reichskanzlei heraus die demokratisch gewählte preußische Landesregierung zugunsten einer autoritären Struktur beseitigt wurde. Aus dem Jahr 1938 stammen die "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben" und das "Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich". In vielen Dokumenten trete die bürokratische Dimension der "Führerherrschaft" erschreckend deutlich hervor, sagte Hans Günter Hockerts von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Hohe Zugriffszahlen
Mit der erweiterten Online-Edition, die bisher bereits Akten aus der Zeit der Weimarer Republik umfasst, hat eine breite Öffentlichkeit vom Computer aus nun auch Zugriff auf die ersten Jahre der Nazi-Herrschaft. Der Server war am Donnerstagmittag nicht zu erreichen. "Wir vermuten, dass das an hohen Zugriffszahlen liegt", sagte Ann-Christin Bolay, Sprecherin des Präsidialbüros der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Mitte März ermöglichten die USA einen Zugang zu einer vollständigen digitalen Kopie der mikroverfilmten NSDAP-Zentralkartei sowie NSDAP-Ortsgruppenkartei. Über das US-Nationalarchiv kann nun jede und jeder schauen, ob zum Beispiel die Großeltern Nazis waren. Das Interesse war sehr groß, der Server war ebenfalls länger nicht erreichbar.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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