Wladimir Solowjow: Können "auf sie draufhauen" - Putin-Vertrauter fantasiert von Atomwaffen-Angriff
In russischen Staatsmedien ist erneut eine gefährliche Eskalationsstufe erreicht worden. Kreml-Propagandist Wladimir Solowjow fantasiert offen über Militärschläge gegen Polen und verspottet die Nato gleich mit.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Wladimir Solowjow fordert in seiner Sendung Angriffe auf Litauen und Polen
- Der russische Moderator erklärt die Nato für schwach und handlungsunfähig
- Zugleich rechnet er scharf mit russischen Beamten und der Wirtschaftspolitik ab
Im russischen Staatsfunk ist die nächste verbale Eskalation erreicht. Moderator Wladimir Solowjow, einer der aggressivsten Stimmen der Kreml-Propaganda, hat in seiner Sendung "Full Contact" offen zu militärischen Angriffen auf die Nato-Staaten Litauen und Polen aufgerufen. Damit nicht genug: Solowjow erklärte das westliche Verteidigungsbündnis praktisch für machtlos und teilte nebenbei auch noch heftig gegen Teile der eigenen russischen Führung aus.
Solowjow konstruiert Drohnen-Vorfall als Vorwand für mögliche Militärschläge
Solowjow konstruiert in seiner Sendung sogar eine Art Rechtfertigung für Angriffe auf litauisches Gebiet. Ausgangspunkt dafür, wäre laut seiner Darstellung ein Drohnenvorfall in der Region Leningrad. Der Moderator stellte die Frage, woher die Fluggeräte gestartet sein könnten und leitete daraus ein Eskalationsszenario ab. Seine Logik: Falls Drohnen den litauischen Luftraum genutzt hätten, könne Russland sie dort abschießen. Noch weiter ging er mit Blick auf mögliche Startpunkte: "Wenn sie vom Territorium Litauens starten, sind wir verpflichtet, die Abschussorte zu zerstören." Aus dieser Behauptung leitete Solowjow dann direkt den nächsten Schritt ab: Litauen sei in diesem Fall Konfliktpartei und Russland habe damit das Recht, "alle Kräfte und Mittel" einzusetzen. Seine eigene Schlussfolgerung nannte er: "absolut vernünftig und begründet".
Offene Drohung gegen Nato-Staaten: Solowjow erklärt das Bündnis für schwach
Der Moderator beließ es nicht bei Litauen. In seiner Tirade nahm er das gesamte westliche Bündnis ins Visier und sprach der Nato faktisch jede Abschreckungsfähigkeit ab. Die Nato-Staaten seien laut Solowjow "„nichtig" und würden "von deutschen Frauen regiert, die sie in absolute Unzucht treiben". Dann folgte die nächste Provokation: Der Iran habe seiner Ansicht nach gezeigt, wie schwach diese Staaten in Wahrheit seien. Auf die Frage nach einer möglichen Reaktion des Westens höhnte er: "Sie werden mit was antworten? Mit nichts. Sie können nicht einmal etwas schicken, sie haben nichts. Keine Armee." Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Russische Staatspropaganda testet öffentlich, wie weit man mit offener Drohrhetorik gegen Nato-Staaten gehen kann.
Solowjow fantasiert über Nuklear-Angriff auf Polen
Noch alarmierender wurden seine Aussagen mit Blick auf Polen. Solowjow räumte zwar ein, dass Warschau versuche, militärisch aufzurüsten – doch genau das nutzte er für die nächste Eskalation. Provokant fragte er: "Haben sie schon gelernt, einen Angriff mit taktischen Atomwaffen zu überleben?" Dann legte er noch einmal nach. Die Polen seien schließlich "keine Brüder". Deshalb hoffe er, Russland könne "auf sie draufhauen". Spätestens an dieser Stelle ist klar: Hier geht es längst nicht mehr nur um plumpe Propaganda. Hier werden in einem Staatsmedium offen militärische Drohkulissen gegen Nato-Mitglieder aufgebaut. Doch Solowjow schießt nicht nur gegen den Westen,sondern auch gegen Russlands eigene Elite.
Er warf russischen Funktionären vor, die Lage nicht ernst genug zu nehmen und sich hinter bequemen Strukturen zu verschanzen. Wer in Machtpositionen sitze, müsse endlich begreifen, dass Anordnungen des Oberbefehlshabers nicht diskutiert, sondern umgesetzt würden. Wer dazu nicht in der Lage sei, solle den Mut haben und zurücktreten. Damit richtete sich seine Wut nicht nur gegen den Westen, sondern auch gegen jene Kreise in Russland, die seiner Ansicht nach zu bequem, zu langsam oder zu selbstzufrieden agieren.
Besonders drastisch wurde Solowjow, als er die Lebensrealität russischer Beamter attackierte. Sie sollten ihre "luxuriösen Büros" und "glänzend polierten Autos" verlassen und endlich begreifen, in welcher Lage sich das Land befinde. Sein Vorwurf: Während draußen Krieg herrsche, hätten sich viele Funktionäre eine "gemütliche Atmosphäre" geschaffen – weit weg von den Konsequenzen der eigenen Politik. Dann folgte eine fast drohend klingende Warnung an die eigene Elite: "Der Krieg kann in jedes Haus kommen, egal wie sehr ihr versucht, euch vor ihm zu verstecken." Das ist bemerkenswert, weil Solowjow damit nicht nur den Feind nach außen beschwört, sondern auch inneren Druck auf das eigene System erzeugt.
Neben Militär und Verwaltung nahm Solowjow schließlich auch noch die Wirtschaftspolitik ins Visier. Sein Vorwurf: Russland beschäftige sich zu sehr mit der Bekämpfung der Inflation, statt entschlossener auf Expansion zu setzen. Damit bedient er ein bekanntes Muster der russischen Kriegspropaganda: Wirtschaftliche Probleme werden nicht als Warnsignal gesehen, sondern als Hindernis für noch mehr Eskalation.
Fazit: Solowjow liefert keine Analyse – sondern Eskalation in Reinform
Was in dieser Sendung zu sehen war, ist mehr als nur die übliche aggressive Rhetorik aus dem russischen Staatsfernsehen. Solowjow macht drei Dinge gleichzeitig: Er droht offen Nato-Staaten. Er verharmlost eine mögliche militärische Eskalation und er peitscht die eigene Führung weiter in Richtung Härte. Gerade deshalb sind solche Aussagen politisch brisant. Denn auch wenn Solowjow nicht selbst über Raketen oder Truppen verfügt, erfüllt er eine wichtige Funktion: Er verschiebt im russischen Staatsdiskurs immer wieder die Grenze des Sagbaren – und macht selbst extreme Szenarien öffentlich anschlussfähig.
Auf YouTube hat Kremlkritikerin Julia Davis einen mit englischen Untertiteln versehenen Mitschnitt der Sendung veröffentlicht.
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bua/gom/news.de
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