Nina Warkens Sparpläne: Millionen Arzttermine könnten wegfallen - Kassenärzte-Chef warnt vor Folgen

Kurz vor der Vorstellung neuer Sparpläne warnt Kassenärzte-Chef Gassen vor den Konsequenzen bei der Patientenversorgung. 40 Millionen Arzttermine pro Jahr bleiben schon jetzt unbezahlt – und könnten künftig wegfallen.

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Ärzteverbände warnen vor wegfallenden Arztterminen aufgrund von Kürzungen. (Foto) Suche
Ärzteverbände warnen vor wegfallenden Arztterminen aufgrund von Kürzungen. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
  • Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will Sparpläne vorstellen
  • Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung warnt vor Kürzungen: Patientenversorgung bedroht
  • Viele Arzttermine schon heute nicht vergütet
  • Verbände und Hausarzt wegen Folgen der möglichen Sparmaßnahmen besorgt

Kurz vor der Präsentation ihrer Sparpläne am kommenden Montag (30. März) gerät Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) massiv unter Druck der Ärzteverbände. Die Mediziner warnen eindringlich vor den Folgen möglicher Kürzungen für die Patientenversorgung.

Finanzloch der Krankenkassen: Bundesregierung auf Sparkurs

Hintergrund der geplanten Sparmaßnahmen ist ein drohendes Finanzloch bei den gesetzlichen Krankenkassen. Für das Jahr 2027 rechnet Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit einem Defizit von rund zwölf bis 14 Milliarden Euro. Eine eingesetzte Kommission mit zehn Professorinnen und Professoren hatte im September ihre Arbeit aufgenommen. Nach Angaben von Warken hat sie den Auftrag, ein Sparpotenzial von rund 25 Milliarden Euro vorzuschlagen.

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen zwar einen Überschuss verbucht. Allerdings waren auch ihre Ausgaben stark gestiegen, wie das Bundesgesundheitsministerium kürzlich mitteilte. Nach Angaben von Ministerin Warken steigen die Ausgaben seit 2024 wesentlich stärker als die Einnahmen. Kostentreiber sind demnach Klinikbehandlungen, Ausgaben für Arzneimittel und Praxisbehandlungen.

Kassenärzte-Chef warnt vor Folgen für Patientenversorgung

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, macht deutlich, dass bereits jetzt ein erheblicher Teil der ärztlichen Arbeit nicht vergütet wird. "Fachärzte bekommen aktuell schon 15 Prozent der durchgeführten Termine nicht bezahlt", erklärte er gegenüber der "Bild"-Zeitung. Das entspreche jährlich 40 Millionen kostenlosen Behandlungen.

Bei zusätzlichen Honorarkürzungen würden noch mehr Angebote wegfallen, warnt Gassen. Seine Botschaft an die Politik ist unmissverständlich: "Weniger Geld heißt weniger Leistung." Wer Einschnitte bei der Vergütung ohne Auswirkungen auf die Versorgung verspreche, "hat entweder keine Ahnung oder sagt bewusst die Unwahrheit".

Hausärzte besorgt über Praxissterben

Auch der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, schlägt Alarm. Sollten die Sparmaßnahmen auch die Hausärzte treffen, hätte das "ganz konkrete Folgen", warnt er. Besonders in strukturschwachen Regionen würden viele Mediziner ihre Praxen schließen, wenn sich der Betrieb nicht mehr rechne. Für Patienten bedeute das längere Anfahrtswege und eine aufwendigere Suche nach einem Arzt. "Die Konsequenz wäre, dass mehr Menschen keine Hausarztpraxis mehr finden würden, die sie versorgen kann", so Blumenthal-Beier. Sein Fazit: "Wer bei den Hausarztpraxen spart, schießt sich selbst ins Knie."

So funktioniert das Vergütungssystem bei Ärzten

In deutschen Arztpraxen finden jährlich knapp 580 Millionen Behandlungen statt. Die Bezahlung für Kassenpatienten folgt dabei festen Regeln. Fachärzte wie Dermatologen oder HNO-Mediziner arbeiten mit einem festgelegten Budget. Sobald dieses ausgeschöpft ist, erhalten sie für weitere Behandlungen kein Geld mehr. Dennoch vergeben viele Fachärzte auch nach Erreichen der Budgetgrenze weiterhin Termine und behandeln Patienten ohne Vergütung. Für Hausärzte existiert derzeit noch kein solcher Kostendeckel. Ob sich das mit den geplanten Sparmaßnahmen ändert, bleibt bis zur Vorstellung der Pläne am Montag offen.

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