Leben im Iran: Bangen und Hoffen unter Beschuss: Eine Woche Krieg im Iran
Wenn nachts Explosionen zu hören sind, bleiben viele Menschen in Teheran wach. Eine Woche nach Kriegsbeginn leben viele Iraner zwischen Angst und der vorsichtigen Hoffnung, dass sich etwas ändert.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Wenn es nachts in Teheran laut wird, bleiben Mohammed und Mariam wach. Die meisten Explosionen höre man zwischen ein und fünf Uhr morgens, sagen sie. Dann sitzen sie mit Freunden zusammen, trinken Tee und warten darauf, dass es wieder still wird. Eine Woche ist es her, dass die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran begonnen haben. Seitdem leben viele Menschen im Land zwischen Hoffnung und Angst, versuchen aber trotzdem, ihren Alltag fortzusetzen.
Eigentlich ist Anfang März eine der schönsten Zeiten im Iran. Die Städte werden grün, die Sonne kommt zurück, der Frühling beginnt. Auf den Märkten herrscht normalerweise geschäftiges Treiben. In gut zwei Wochen beginnt das persische Neujahrsfest Nowruz. Doch in diesem Jahr wirkt vieles wie angehalten. Mit Einbruch der Dunkelheit erlöschen in manchen Vierteln die Lichter, Straßen liegen leer, hier und da bedeckt von Staub und Trümmern. An den Zufahrtsstraßen nach Teheran kontrollieren Sicherheitskräfte die Autos.
"Nachts sind die Explosionen besonders beängstigend"
"Nachts sind die Explosionen besonders beängstigend", sagt Mohammed. In den vergangenen Tagen hätten die Angriffe zugenommen. Vor kurzem rief ein Kollege an: Das Pharmaunternehmen, in dem er arbeitet, wurde von einer Rakete getroffen. Wie schwer die Schäden sind, weiß er nicht. "Meine Kollegen und ich sind jetzt auch besorgt über unsere berufliche Zukunft", sagt er. Die Manager hätten kaum Informationen gegeben. "Sie hoffen nur, dass wir nach Nowruz wieder arbeiten können."
Der Krieg hat das Land in wenigen Tagen verändert. Das Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei ist tot, ebenso mehrere führende Offiziere. Militärische Einrichtungen wurden im ganzen Land bombardiert, auch Wohnviertel zerstört oder beschädigt. Während weiterhin Raketen einschlagen, versucht sich der Machtapparat neu zu ordnen. Zugleich hat der Sicherheitsapparat das Land weitgehend vom weltweiten Internet abgeschnitten, Nachrichten dringen nur langsam durch. Viele Menschen verfolgen die Entwicklung mit widersprüchlichen Gefühlen. Die Sorge vor weiterer Zerstörung ist groß, zugleich wächst bei manchen die Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte.
"Ich hoffe, dass der Krieg so schnell wie möglich aufhört", sagt Mohammed. Er glaubt, dass Israel und die USA ihre Angriffe fortsetzen werden, bis die Staatsführung gestürzt ist. Gleichzeitig hört er von möglichen Vorstößen separatistischer Gruppen im Westen des Landes, ein Szenario, das auch US-Präsident Donald Trump ins Spiel gebracht hat. "An diesen Tagen mache ich mir Sorgen über einen Bürgerkrieg", sagt der 34 Jahre alte Pharmazeut.
Kriegsangst auch am Persischen Golf
Mehr als eintausend Kilometer südlich von Teheran liegt Buschehr am Persischen Golf. Die Hafenstadt ist sonst geprägt vom Rhythmus der Fischerboote und vom Wind, der vom Meer herüberweht. Seit Beginn der Angriffe hat sich auch hier die Stimmung verändert. Die Region gehört zu den strategisch sensibelsten Gegenden des Landes. In der Nähe befinden sich militärische Anlagen und Irans einziges Atomkraftwerk. Jede neue Meldung über Angriffe lässt die Menschen aufhorchen.
Dort lebt und studiert auch Mehran, 22 Jahre alt. Am ersten Kriegstag erfuhr er durch einen Anruf seiner Schwester aus Teheran von den Angriffen. "Mit den Erinnerungen an den Krieg im letzten Jahr dachte ich zunächst, dass hier nichts Besonderes passieren würde", berichtet er am Telefon. Also machte er sich auf den Weg zur Universität. Doch am Nachmittag erschütterten plötzlich heftige Explosionen die Hafenstadt. Die Straßen waren verstopft. Es dauerte drei Stunden, bis er aus der Stadt herauskam. Mitte der Woche kehrte er zurück. Buschehr wirkte wie eine Geisterstadt.
Bewohner flüchten aus den Städten, Preise explodieren
"Rund um die Stadt haben Menschen Zelte aufgeschlagen, weil sie keine Unterkunft mehr finden konnten", erzählt der Student. Lebensmittel zu kaufen, sei inzwischen schwierig. Die Dörfer der Umgebung sind auf die Flüchtlingsströme nicht vorbereitet. Auch die Preise sind stark gestiegen. "Ich bin sehr besorgt über die Zukunft. Ich habe das Gefühl, dass dieser Krieg zu einem Abnutzungskrieg wird", sagt Mehran. "Ich wünschte, wir hätten vor dem Krieg mit den USA eine Einigung erzielen können."
Sorgen über die unvorhersehbaren Folgen des Kriegs bestimmen den Alltag. Doch neben der Unruhe zeigt sich in diesen Tagen noch ein anderes Gefühl. Eine leise, schwer greifbare Hoffnung.
Said, 34, Fitnesstrainer in Teheran, erzählt von chaotischen Tagen und von Fahrten quer durch die Stadt, von Freunden, die versuchen, sich in sicherere Viertel zu bringen. Trotz der Anspannung denkt er auch darüber nach, was danach kommen könnte. "Krieg hat immer schwere Folgen, selbst wenn er zum Sturz des Regimes führt", sagt er. Und: "Auf lange Sicht kann man auf eine bessere Zukunft hoffen."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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