Online-Kriminalität: Studie: Rechtsextreme "Terrorgram"-Szene wächst rasant
Staatsschützer warnen vor der Radikalisierung sehr junger Menschen im Netz. Für besonders gefährlich halten sie Chatgruppen der "Terrorgram"-Szene, die rechtsextremistische Attentäter verherrlicht.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Sie werden immer jünger, immer radikaler und immer brutaler: Vor allem Rechtsextremisten verbreiten in einem losen Netzwerk aus Chatgruppen und Messenger-Kanälen Anschlagsfantasien, Propaganda und Gewaltaufrufe. Einer neuen Studie zufolge sind Hunderte junger Deutscher in dieser sogenannten "Terrorgram"-Szene online miteinander vernetzt, etwa über den Dienst Telegram.
"Es handelt sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene", teilten das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg sowie die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München nach der Auswertung von mehr als drei Dutzend Fällen auch aus anderen Teilen Deutschlands mit. Die gewaltverherrlichende Online-Struktur wachse seit Jahren dynamisch.
Chaos als Ziel
Ihr Ziel: Sie will mit Gewalt Chaos auslösen und die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz bringen, heißt es in der Untersuchung. Die ausschließlich männliche und sehr junge Szene radikalisiere sich rasch und sei "äußerst gewalt- und terrorbereit".
Die Anhänger seien im Schnitt knapp über 16, einige sogar unter 14 Jahre alt – eine Altersgruppe, die noch keine festen Wertvorstellungen habe und daher besonders anfällig für extremistische Propaganda sei. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach von "Blitzradikalisierungen", die in jedem zweiten Fall weniger als ein Jahr dauerten.
Psychische Auffälligkeiten häufig
Fast alle untersuchten Anhänger der Szene hätten laut Studie "diagnostizierte psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten". Daher komme dem sozialen Umfeld eine zentrale Funktion als Frühwarnsystem zu. "Die allermeisten Personen sind familiär vernachlässigt und sozial desintegriert", erklärten LKA und Generalstaatsanwaltschaften. Sie setzten darauf, dass niemand genauer hinschaue.
Für die Studie wurden 37 Fälle ausgewertet. Das Dunkelfeld schätzen die Experten auf einen sehr hohen dreistelligen Bereich. Strobl sprach von der weltweit ersten kriminologischen Untersuchung zur "Terrorgram"-Szene.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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