Pete Hegseth: "Toxischen Müll" beseitigen – Trump-Kriegsminister überprüft Frauen

Die Trump-Regierung greift hart durch: Frauen im Kampfeinsatz sollen neu überprüft werden. Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigt einen radikalen Kurswechsel an – und sorgt mit drastischen Aussagen für Empörung. Frauenorganisationen fordern seinen Rücktritt.

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Pete Hegseth lässt Frauen in der US-Armee überprüfen. (Foto) Suche
Pete Hegseth lässt Frauen in der US-Armee überprüfen. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
  • Pentagon lässt Rolle von Frauen im Kampfeinsatz neu untersuchen
  • Pete Hegseth fordert "elitär, einheitlich und geschlechtsneutral" Standards
  • Frauenorganisationen sprechen von neuem Tiefpunkt – Rücktrittsforderung

Das US-Verteidigungsministerium hat eine umfassende Untersuchung zur Rolle von Frauen bei Kampfeinsätzen angekündigt. Das nichtstaatliche Institut für Verteidigungsanalysen (IDA) soll über einen Zeitraum von sechs Monaten entsprechende Daten erheben und auswerten.

Trump-Regierung lässt Frauen in US-Armee überprüfen

Pentagon-Sprecherin Kingsley Wilson erklärte am Dienstag, die Maßnahme solle gewährleisten, "dass das Niveau eingehalten wird und die Vereinigten Staaten über die schlagkräftigste Armee verfügen". Die Anforderungen bei bewaffneten Einsätzen würden künftig "elitär, einheitlich und geschlechtsneutral" sein. Wilson begründete dies damit, dass "das Gewicht eines Rucksacks oder eines Menschen für Männer und Frauen gleich" sei.

Führungskräfte von Armee und Marine-Corps wurden laut "NPR" bereits angewiesen, dem IDA Informationen zu Einsatzbereitschaft, Ausbildung und Leistungsfähigkeit ihrer Einheiten bereitzustellen.

Pete Hegseth: "Mit politischer Korrektheit ist es jetzt vorbei"

Verteidigungsminister Pete Hegseth, der früher als TV-Moderator arbeitete, hat das Pentagon grundlegend umgestaltet. Durch einen Erlass von US-Präsident Donald Trump trägt das Ministerium nun offiziell den Namen "Kriegsministerium".

Bereits Ende September 2025 hatte Hegseth vor den höchsten Militärführern des Landes einen fundamentalen Kurswechsel verkündet. Die "Ära der Rücksichtnahme auf jedermanns Gefühle" sei beendet, erklärte er damals. Frühere Regierungen hätten das Ministerium durch "dümmliche Führung" vom Kurs abgebracht. Nun müsse man die "Trümmer ausmisten" und den "toxischen Müll" beseitigen, der unter der vorherigen Administration entstanden sei.

Zu den Gleichstellungsprogrammen der Armee äußerte sich Hegseth unmissverständlich: "Wir haben genug von dem Scheiß." Gendern, Quotenregelungen und Klimaschutzmaßnahmen gehörten der Vergangenheit an.

Nur noch Soldaten, die "höchsten Anforderungen für Männer genügen"

Das Pentagon hat inzwischen Richtlinien erlassen, die eine Rückkehr zu früheren Leistungsstandards vorsehen. Hegseth formulierte das Ziel klar: "Wir wollen nur noch solche Soldaten, die den höchsten Anforderungen für Männer genügen." Wer diese Vorgaben nicht erreiche, müsse gehen.

Für weibliche Armeeangehörige bedeutet das konkret: "Wenn Frauen es schaffen, ist das großartig. Wenn nicht, ist es eben so", so der Minister. Sollten sich dadurch keine Frauen mehr für bestimmte Kampfaufgaben qualifizieren, nehme er das in Kauf.

Hegseth verwies dabei auf seinen 15-jährigen Sohn, der später ebenfalls zur Armee gehen wolle. Dieser solle nicht fürchten müssen, wegen Kameraden zu sterben, die grundlegende Standards nicht erfüllten.

Frauenorganisation fordert Hegseths Rücktritt

Die nationale Frauenorganisation der USA (NOW) reagierte mit scharfer Kritik auf die Ankündigungen. Eine Sprecherin bezeichnete den Verteidigungsminister als "frauenfeindlich, machthungrig und dysfunktional". Mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber Soldatinnen habe Hegseth "einen neuen Tiefpunkt erreicht". Die Organisation verlangt seinen Rücktritt.

Auch aus den eigenen Reihen kommt Widerspruch. Kris Fuhr, Gleichstellungsbeauftragte der US-Armee, nannte die geplante Untersuchung eine "Lösung für ein Problem, das es gar nicht gibt".

Hegseth selbst hat bereits mehrere Skandale überstanden. Seine Ernennung zum Verteidigungsminister zählte zu den umstrittensten Personalentscheidungen in Trumps zweiter Amtszeit. Ihm wurden unter anderem toxisches Verhalten gegenüber Frauen in einer Veteranenorganisation sowie ein Vorfall sexueller Belästigung bei einer Republikaner-Veranstaltung 2017 vorgeworfen.

Frühere Studie belegt gute Leistungen von Soldatinnen

Eine vom US-Militär selbst beauftragte Untersuchung aus den Jahren 2018 bis 2023 kam zu anderen Ergebnissen als von Hegseth suggeriert. Laut Gleichstellungsbeauftragter Fuhr zeigten Frauen in Bodenkampfeinheiten durchweg gute Leistungen. In manchen Bereichen übertrafen sie sogar ihre männlichen Kameraden.

Dennoch gibt es innerhalb der Streitkräfte Vorbehalte gegen Soldatinnen im Gefecht. Besonders in Eliteeinheiten wie den US-Marines herrscht Unmut. Dort wird behauptet, Frauen seien im Einsatz langsamer und weniger effektiv beim Töten. Zudem bestehe bei ihnen ein höheres Risiko, selbst verwundet zu werden. Vor seinem Amtsantritt hatte sich Hegseth öffentlich gegen Frauen in Kampfeinsätzen ausgesprochen, diese Aussagen später jedoch relativiert.

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