Brigitte Macron: Digitale Hetze endet mit peinlichem Gerichtsurteil

Zehn Menschen wurden wegen Cybermobbing gegen Brigitte Macron verurteilt. Der Fall zeigt, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, Trolle oft Fakten ignorieren und Konsequenzen nötig sind. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Brigitte Macron: Sieg vor Gericht gegen Cyber-Trolle. (Foto) Suche
Brigitte Macron: Sieg vor Gericht gegen Cyber-Trolle. Bild: picture alliance/dpa/PA Wire | Carlos Jasso
  • Angeklagte verbreiteten falsche, absurde Behauptungen über Brigitte Macron
  • Urteil: Bewährung, Haft und Anti-Hass-Kurse als Reaktion auf Cybermobbing
  • Kommentar mahnt: Dummheit und Hass im Netz haben Grenzen, Opfer sollten Hilfe suchen

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Es ist eine Nachricht, die man sich eigentlich einrahmen möchte. Ein Pariser Gericht hat laut "tagesschau" zehn Menschen verurteilt, weil sie Brigitte Macron mit haltlosen Behauptungen und üblem Online-Gift überzogen haben. Bewährungsstrafen, Haft, Anti-Hass-Kurse und plötzlich wird aus dem vermeintlich anonymen Troll ein ganz realer Angeklagter. Überraschung.

Wenn Fantasie auf Biologie trifft und verliert

Besonders bizarr wurde es bei der Behauptung, die Frau von Emmanuel Macron sei eine Transfrau. Eine These, die weniger auf Indizien als auf kollektiver Ahnungslosigkeit fußt. Hier reicht kein Faktencheck, hier würde bereits der Stoff der siebten Klasse genügen. Ein kurzer Blick in ein Schulbuch zur menschlichen Biologie hätte klären können, dass die verbreiteten Unterstellungen schlicht nicht funktionieren können. Aber dafür müsste man lesen, verstehen und Zusammenhänge herstellen.

An dieser Stelle lohnt es sich, die Dinge einmal nüchtern und ohne Kindergarten-Niveau zu erklären. Wenn ein Mensch, der biologisch als Mann geboren wurde, eine geschlechtsangleichende Operation durchführt, ändert das nichts an grundlegenden biologischen Voraussetzungen. Es entsteht dabei keine Gebärmutter, keine Eierstöcke und keine Möglichkeit, selbst Kinder auszutragen. Das ist keine Meinung, sondern medizinischer Grundkonsens. Die Unterstellung gegenüber Brigitte Macron scheitert also bereits an einfachster Logik. Sie hat Kinder. Diese Tatsache ist öffentlich bekannt. Damit müssten, folgt man der absurden Troll-Theorie, diese Kinder zwangsläufig vor einer angeblichen Transition mit einer anderen Frau gezeugt worden sein. Genau das ist jedoch nicht der Fall. Brigitte Macron war mit einem Mann verheiratet und hat ihre Kinder in dieser Ehe zur Welt gebracht. Punkt.
Dass solche biologischen Grundlagen ignoriert werden, zeigt, wie wenig es hier um Wahrheit geht. Es geht nicht um Fakten, sondern um maximale Provokation. Wer ernsthaft glaubt, medizinische Realität lasse sich durch Internetparolen außer Kraft setzen, offenbart weniger ein kritisches Denken als ein massives Bildungsdefizit.

Muss man diesen Trollen also die menschliche Biologie noch einmal erklären? Offenbar ja. Denn selbst nach einer geschlechtsangleichenden Operation bleibt ein transidenter Mensch biologisch ohne die Organe, die für eine Zeugung oder Schwangerschaft notwendig wären. Das ist weder abwertend noch politisch, sondern schlicht Realität. Und genau diese Realität hätte gereicht, um die gesamte Hetzkampagne im Keim zu ersticken.

Altersunterschied gleich Skandal? Willkommen im Mittelalter

Auch der Altersunterschied des Präsidentenpaares wurde bemüht, um absurde Vorwürfe zu konstruieren. Als hätten wir plötzlich das Jahr 1450 und nicht das 21. Jahrhundert. Die Gleichung "Altersunterschied gleich Verbrechen" ist intellektuell ungefähr so belastbar wie eine Twitter-Umfrage um drei Uhr morgens nach drei Gläsern Wein.

Trolle hassen Konsequenzen

Das eigentlich Erfreuliche an diesem Urteil ist weniger die Strafe selbst, sondern die Botschaft dahinter. Das Internet ist kein Ort, an dem man folgenlos Menschen diffamieren darf. Auch nicht, wenn man sich hinter Profilbildern, Emojis und Fantasienamen versteckt. Dass einige Angeklagte wohl erstmals erfahren haben, dass Kommentare reale Folgen haben, dürfte also ein bisschen schmerzen.

Bewährung für Trolle von Brigitte Macron – schade eigentlich

Ja, man hätte sich härtere Strafen wünschen können. Bewährung wirkt auf manche Täter eher wie ein mildes Schulterklopfen. Aber vielleicht reicht schon der Gang vor Gericht, um beim nächsten Post kurz innezuhalten. Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, selbst im Kommentarbereich.

Cybermobbing ist kein Spaß, sondern gefährlich

Bei allem satirischen Unterton bleibt ein ernster Kern. Cybermobbing zerstört Leben, Karrieren und Selbstbilder. Es endet nicht selten in Isolation, Depression oder schlimmer. Mit Künstlicher Intelligenz werden Fakes, manipulierte Bilder und Stimmen immer leichter erzeugt. Die Hemmschwelle sinkt und der Schaden wächst.

Ein Appell zum Schluss

Wer betroffen ist, sollte sich Hilfe holen, laut werden und sich nicht einschüchtern lassen. Und wer mobbt, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, warum er seine Zeit damit verbringt.
Mitleid kann man dafür empfinden, ja. Denn wer so agiert, führt offenbar keinen besonders erfüllten inneren Dialog. Aber Mitleid allein reicht nicht. Gerade weil diese Menschen nicht bereit oder fähig sind, Fakten von Fantasie zu unterscheiden, braucht es klare Grenzen. Juristische Konsequenzen sind kein Angriff auf Meinungsfreiheit, sondern eine notwendige Erinnerung daran, dass Dummheit, gepaart mit Hass, bestraft werden.

Hilfe bei Cybermobbing finden Sie beim "Bündnis gegen Cybermobbing".

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