AfD-Knall: Machtkampf in Sachsen-Anhalt eskaliert – AfD wirft Abgeordneten raus
Fast einstimmig, sofort und ohne Details: Die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt wirft einen ihrer Abgeordneten raus. Hinter verschlossenen Türen tobt ein Machtkampf – und das ausgerechnet im Wahljahr.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Fraktionsrauswurf: AfD schließt Matthias Lieschke aus
- Brisanter Vorwurf: Mutmaßlicher heimlicher Mitschnitt einer Videokonferenz
- Ungünstiger Zeitpunkt: Parteikrach kurz vor der Landtagswahl 2026
Seit Wochen brodelt es in der AfD in Sachsen-Anhalt. Nun kam es zum Knall: Die AfD-Landtagsfraktion hat den Abgeordneten Matthias Lieschke mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen. Bei der Abstimmung votierten 20 von 21 teilnehmenden Fraktionsmitgliedern für den Rauswurf des 55-Jährigen. Lediglich eine Gegenstimme wurde gezählt – vermutlich seine eigene.
AfD schmeißt Abgeordneten raus
Dem bisherigen Schatzmeister des Landesverbandes und Vorsitzenden des Kreisverbandes Wittenberg wird "schweres partei- und fraktionsschädigendes Verhalten" zur Last gelegt. Wie die Fraktion mitteilte, habe Lieschke die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in einer ausführlichen Aussprache nicht entkräften können. Bereits kurz vor Weihnachten hatte der Landesvorstand ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet.
Die genauen Hintergründe des Ausschlusses hält die AfD-Fraktion unter Verschluss. Nach Informationen der "Bild" soll Lieschke während einer Videokonferenz der Kreisvorsitzenden ohne Wissen der anderen Teilnehmer eine Tonaufnahme erstellt haben. Bei dem Treffen ging es um das geplante Ausschlussverfahren gegen den früheren Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt. Derartige heimliche Mitschnitte können in Deutschland strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Lieschke selbst hat sich zu den Anschuldigungen bisher nicht öffentlich geäußert.
Machtkampf in der Sachsen-Anhalt-AfD eskaliert
Der Konflikt innerhalb des Landesverbandes geht weit über den Fall Lieschke hinaus. Auch gegen den Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt läuft ein Parteiausschlussverfahren. Dieser kündigte vor den Feiertagen an, belastendes Material gegen führende Funktionäre zu veröffentlichen.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei Reisekostenabrechnungen sowie die Anstellung von Ehepartnern, Kindern und Geschwistern. Der Landesvorstand gestand in einem Rundschreiben vor Weihnachten ein, dass Beschäftigungsverhältnisse "bei den allermeisten unserer Abgeordneten" korrekt seien – eine Formulierung, die Ausnahmen impliziert.
Wahljahr beginnt mit internem Zerwürfnis
Trotz des Rauswurfs bleibt unklar, ob in der Sachsen-Anhalt-AfD nun Ruhe einkehrt. Lieschke steht weiterhin auf Platz 20 der Landesliste für die Landtagswahl am 6. September. Die Partei führt in aktuellen Umfragen mit Werten von bis zu 40 Prozent und gilt damit als stärkste Kraft im Bundesland.
Der interne Machtkampf dürfte die AfD jedoch noch länger beschäftigen. Die angekündigten Enthüllungen von Jan Wenzel Schmidt stehen weiterhin im Raum, während parallel zwei Parteiausschlussverfahren laufen. Das Wahljahr 2026 beginnt für den Landesverband damit unter denkbar ungünstigen Vorzeichen.
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