Frauen-Generalstreik am 09.03.2025: "Ohne uns steht alles still!" Juristen warnen vor Frauenstreik
Am Montag (09.03.2026) wollen Frauen streiken. Doch wer in Deutschland einfach nicht zur Arbeit erscheint, riskiert Abmahnung oder Kündigung. Der Auslöser für den Protest in Deutschland: eine Bemerkung von Friedrich Merz über "Töchter".
Von news.de Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Streikaufruf: Aktivistinnen mobilisieren für einen Frauenstreik am 9. März.
- Auslöser: Eine umstrittene Aussage von CDU-Chef Friedrich Merz.
- Rechtliches Risiko: Politische Streiks sind in Deutschland grundsätzlich unzulässig.
Sowohl die Initiative "Enough!" als auch das "Töchterkollektiv" mobilisieren unabhängig voneinander zum Frauenstreik. Auslöser für den Protest: Eine Bemerkung von Friedrich Merz. Als der CDU-Politiker im Oktober 2025 seine umstrittene Aussage über "Probleme im Stadtbild" erläutern sollte, forderte er sein Publikum auf: "Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte." Diese Worte entwickelten sich zum Katalysator einer Protestbewegung.
Frauenstreik am 09.03.2026: Initiativen rufen zum Protest auf
Die Wahl des Datums folgt einem strategischen Kalkül. Da der Internationale Frauentag 2026 auf einen Sonntag fällt, wäre eine Arbeitsniederlegung an diesem Tag wirkungslos. Der Montag (09.03.2026) danach ermöglicht hingegen einen Streik, der auch das Erwerbsleben betrifft. Die Organisatorinnen sprechen von einem "intersektional-feministischen Frauenstreik".
Die Themen der Initiatorinnen umfassen ein breites Spektrum gesellschaftlicher Missstände. Im Zentrum stehen Gewalt gegen Frauen, unbezahlte Sorgearbeit, wirtschaftliche Abhängigkeit und ein wahrgenommener politischer Rechtsruck. "Und weil Veränderung nicht passiert, wenn wir weitermachen, sondern wenn wir sagen: Jetzt reicht's", erklärt Jennifer Follmann vom "Töchterkollektiv" auf Instagram. Die Chemnitzerin zählt zu den zentralen Figuren hinter dem Projekt. Die Initiative "Enough!" formuliert es drastischer und ruft sogar zu einem Generalstreik auf: Man sei einem "Generalangriff auf unsere Körper, unsere Seelen und unseren Geist ausgesetzt". Die Organisatorinnen verweisen auf überlastete Pflegestrukturen und die mangelnde Anerkennung von Sorgearbeit.
Politischer Streik ohne rechtlichen Schutz: Das sollten Teilnehmerinnen beachten
Doch Obacht: Wer am Montag einfach nicht zur Arbeit erscheint, geht ein erhebliches Risiko ein. Das deutsche Arbeitsrecht schützt ausschließlich gewerkschaftlich organisierte Arbeitskämpfe, die tarifliche Ziele verfolgen. Politisch motivierte Arbeitsniederlegungen fallen nicht darunter. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages stellte bereits 2023 klar: "Politische Streiks sind in Deutschland unzulässig. Damit sind auch Generalstreiks zur Durchsetzung politischer Forderungen grundsätzlich rechtswidrig." Arbeitgeber dürfen den Lohn für versäumte Stunden einbehalten, Abmahnungen aussprechen oder im Wiederholungsfall sogar kündigen. Zwar bewerten Arbeitsgerichte einmalige politische Aktionen häufig als unverhältnismäßigen Kündigungsgrund. Das finanzielle und berufliche Risiko trägt jedoch jede Frau selbst.
"Wir haben uns dann sehr tief ins Arbeitsrecht eingegraben und festgestellt, dass fünf Minuten Nichtstun aus politischen Gründen keine Arbeitsverweigerung ist", sagt Follmann vom "Töchterkollektiv". Jede könnte daher zumindest ein stilles Zeichen setzen: Ein Lila oder orangefarbenes Streikbändchen tragen, Careabeit niederlegen, Abwesenheit auf Arbeit zeigen (Urlaub, nur das Nötigste machen, etc.).
Wie Frauen ohne Risiko teilnehmen können
Wer rechtlich auf der sicheren Seite bleiben will, hat mehrere Optionen: Urlaub beantragen, Überstunden abbauen, Gleitzeitguthaben nutzen oder eine Freistellung mit dem Arbeitgeber vereinbaren. Auch unbezahlte Arbeit lässt sich niederlegen – ohne juristische Folgen. Kein Kochen, kein Putzen, keine Kinderbetreuung, kein Einkauf. Die Organisatorinnen betonen: Jede nach ihren Möglichkeiten. Protest in der Mittagspause oder nach Feierabend ist ohnehin unproblematisch. Für den Abend sind Demonstrationen und Kundgebungen geplant. Auch Fensterbilder, Flyer oder Social-Media-Aktionen unter dem Hashtag #ohneunsstehtallesstill zählen als Beteiligung. Marie-Florence Mahwera vom Landesfrauenrat Berlin fasst es gegenüber dem "Tagesspiegel" zusammen: "Jede Frau könne diesen Tag nach ihren Möglichkeiten gestalten."
Island 1975: Als 90 Prozent der Frauen die Arbeit niederlegten
Der geplante Streik hat ein historisches Vorbild. Am 24. Oktober 1975 legten 90 Prozent der Frauen in Island ihre Arbeit nieder– sowohl im Beruf als auch zu Hause. Schulen, Geschäfte und Büros blieben geschlossen. Väter mussten ihre Kinder mit ins Büro nehmen. Die Organisatorinnen vermieden damals bewusst das Wort "Streik", um auch konservative Frauen einzubinden. Stattdessen sprachen sie vom "Freien Tag für Frauen". Die Wirkung war dennoch enorm: Das Land stand still. "Männer mussten erkennen, dass unsere Arbeit unverzichtbar war", erinnerte sich die damalige Organisatorin Guðrún Ágústsdóttir gegenüber dem "Tagesspiegel". "Frauen erkannten endlich ihre Macht." Die Folgen reichten weit. 1980 wählte Island mit Vigdís Finnbogadóttir die weltweit erste demokratisch gewählte Präsidentin. Heute führt das Land seit 15 Jahren das Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums an.
Von New York bis Buenos Aires: Weltweite Aktionen geplant
Der Streik am Montag soll weit über Deutschland hinausreichen. Laut den Organisatorinnen beteiligen sich Frauen unter anderem in New York und Buenos Aires an den Protesten. Die Initiative "Enough!" zählt bereits über 65 regionale Gruppen weltweit und mehr als 120 geplante Aktionen. "Bei der Organisation des 9. März gab es ein Gefühl großer Stärke und Dynamik. Man ist schon davon getragen, dass man an diesem Tag sozusagen global vereint ist", berichtet Marie-Florence Mahwera dem "Tagesspiegel". Einen Überblick über Protestaktionen vom "Töchterkollektiv"sowie von "Enough" finden Sie hier.
Als Erfolgsbeispiel gilt Spanien 2018: Dort gingen nach Gewerkschaftsangaben über fünf Millionen Frauen auf die Straße. Zehn Gewerkschaften unterstützten den Aufruf, prominente Politikerinnen schlossen sich an. Ob der Streik am Montag ähnliche Wirkung entfalten kann, bleibt offen. "Wir werden sehen, welche Wirkungskraft dieser Aufruf hat", sagt Mahwera.
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