Zeitumstellung am 25.10.2026: Überraschende Wende bei den Deutschen

Die Zeitumstellung bleibt umstritten, doch der Widerstand dagegen nimmt ab. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage sprechen sich 71 Prozent der Deutschen für eine Abschaffung aus – so wenige wie seit 2016 nicht mehr. Gleichzeitig spricht sich eine wissenschaftliche Analyse gegen eine dauerhafte Sommerzeit aus.

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Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die sogenannte Winterzeit. (Foto) Suche
Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die sogenannte Winterzeit. Bild: Sina Schuldt/dpa/dpa
  • 71 Prozent der Deutschen wollen die Zeitumstellung abschaffen – der niedrigste Wert seit 2016
  • Besonders junge Erwachsene arrangieren sich zunehmend mit der halbjährlichen Uhrumstellung
  • Wissenschaftler sehen gesundheitliche Vorteile bei einer dauerhaften Winterzeit

Die Zeitumstellung sorgt seit Jahren für Diskussionen, doch der Widerstand dagegen lässt nach. Zwar wünschen sich weiterhin gut sieben von zehn Deutschen ein Ende des halbjährlichen Uhrendrehens, der Anteil der Gegner ist jedoch so niedrig wie seit 2016 nicht mehr. Gleichzeitig liefert eine neue wissenschaftliche Analyse Argumente gegen die dauerhafte Sommerzeit.

Zeitumstellung 2026: Wann werden die Uhren zurückgestellt?

Am letzten Sonntag im Oktober ist es wieder so weit: In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2026 werden die Uhren um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Damit endet die Sommerzeit, und die mitteleuropäische Normalzeit – umgangssprachlich Winterzeit genannt – beginnt.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit sprechen sich 71 Prozent der Deutschen für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2016. Den bisherigen Höchststand erreichte die Ablehnung 2018: Damals forderten 80 Prozent der Befragten ein Ende des halbjährlichen Uhrendrehens. Gleichzeitig zeigt sich ein überraschender Trend bei den jüngeren Generationen. Vor allem junge Erwachsene scheinen sich zunehmend mit dem bestehenden System arrangiert zu haben.

Junge Erwachsene haben weniger Probleme mit der Zeitumstellung

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den 18- bis 29-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe sank der Anteil derjenigen, die die Zeitumstellung abschaffen möchten, von 66 auf 50 Prozent. Zugleich befürworten 39 Prozent der jungen Erwachsenen den halbjährlichen Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ausdrücklich. Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 28. und 30. September 2026 insgesamt 1.009 Personen in Deutschland. Auftraggeber war die DAK-Gesundheit, die nach eigenen Angaben rund 5,4 Millionen Versicherte hat. Ob die sinkende Ablehnung tatsächlich bedeutet, dass sich die Menschen an den Wechsel gewöhnt haben, lässt die Umfrage offen.

Zeitumstellung: Frauen berichten häufiger von gesundheitlichen Beschwerden

Trotz des nachlassenden Widerstands leiden weiterhin viele Menschen unter den Folgen des Uhrenwechsels. Laut der DAK-Erhebung gaben 29 Prozent der Befragten an, schon mindestens einmal gesundheitliche oder psychische Probleme im Zusammenhang mit der Zeitumstellung erlebt zu haben. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: 36 Prozent der Frauen berichteten von Beschwerden, bei den Männern waren es 22 Prozent. Besonders häufig betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen. Zu den häufigsten Problemen zählen Müdigkeit und Schlappheit, die 80 Prozent der Betroffenen nannten. 63 Prozent berichteten von Einschlafproblemen und Schlafstörungen. Konzentrationsschwierigkeiten nannten 41 Prozent, Gereiztheit 37 Prozent. Etwa jeder Fünfte brachte zudem depressive Verstimmungen mit der Zeitumstellung in Verbindung.

Dauerhafte Sommerzeit: Warum Forscher davon abraten

Doch welche Alternative wäre sinnvoller, wenn die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft würde? Viele Menschen wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit, weil sie sich dadurch längere helle Abende versprechen. Eine im Oktober 2026 im "Canadian Medical Association Journal" veröffentlichte wissenschaftliche Analyse kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis: Aus gesundheitlicher Sicht sprechen die vorliegenden Erkenntnisse eher für eine dauerhafte Normalzeit, also die sogenannte Winterzeit.

Die Autoren um Raymond Lam von der University of British Columbia erklären das vor allem mit der Bedeutung des Tageslichts am Morgen. Es hilft dabei, die innere Uhr des Menschen mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus abzustimmen. Licht am späten Abend kann den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus dagegen nach hinten verschieben.

"Diesen Vorteilen am Abend stehen jedoch Erkenntnisse gegenüber, die eine spätere Sonnenzeit mit weniger Schlaf, geringerer Produktivität und schlechteren schulischen Leistungen in Verbindung bringen", erklärte Mitautor Patrick Baylis.

Besonders problematisch könnte eine dauerhafte Sommerzeit im Winter sein. Die Sonne würde morgens eine Stunde später aufgehen, wodurch mehr Menschen im Dunkeln zur Arbeit oder zur Schule unterwegs wären. Die Forscher verweisen zudem auf mögliche Auswirkungen auf Schlaf, Stimmung und psychische Gesundheit. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Analyse vorhandener Erkenntnisse, nicht um eine Studie, die diese Folgen in einem neuen Experiment direkt nachgewiesen hat.

Dauerhafte Sommerzeit: Diese Länder machten einen Rückzieher

Dass eine ganzjährige Sommerzeit praktische Probleme mit sich bringen kann, zeigt ein Blick auf frühere Versuche. Mehrere Länder führten sie zeitweise ein und kehrten später wieder zur Normalzeit zurück. In den USA wurde während der Energiekrise 1974 eine ganzjährige Sommerzeit eingeführt. Die Regelung wurde noch im selben Jahr wieder beendet. Zu den Kritikpunkten gehörten die dunklen Wintermorgen und die Sorge um Kinder, die vor Sonnenaufgang zur Schule unterwegs waren. Auch Russland stellte 2011 dauerhaft auf Sommerzeit um. Drei Jahre später kehrte das Land zur Normalzeit zurück. Chile führte 2015 ebenfalls eine dauerhafte Sommerzeit ein, revidierte die Regelung aber später. Mitautorin Alexandra Choi von der Gesundheitsbehörde Vancouver Coastal Health warnte vor den möglichen Folgen einer solchen Entscheidung. "Regierungen müssen die Konsequenzen bereits vor dem ersten Winter einplanen", mahnte sie. Dazu gehörten sichere Schulwege und eine Überwachung der psychischen Gesundheit.

Zeitumstellung abschaffen: EU-Staaten finden keine gemeinsame Lösung

Auch in Europa wird seit Jahren über ein Ende der Zeitumstellung diskutiert. 2018 sprachen sich in einer Online-Befragung der Europäischen Kommission rund 80 Prozent der Teilnehmer für eine Abschaffung aus. Von den etwa 4,6 Millionen eingegangenen Antworten stammten rund drei Millionen aus Deutschland. Allerdings handelte es sich um eine öffentliche Online-Konsultation und nicht um eine repräsentative Umfrage unter allen EU-Bürgern. Die Ergebnisse allein bildeten deshalb nicht zwingend die Meinung der gesamten europäischen Bevölkerung ab. Eine gemeinsame Regelung ist bislang nicht zustande gekommen. Die EU-Mitgliedstaaten konnten sich bisher nicht darauf einigen, ob künftig dauerhaft Sommerzeit oder Normalzeit gelten sollte.

Forscher schlagen Kompromiss bei Zeitumstellung vor

Neben einer vollständigen Abschaffung gibt es weitere Vorschläge. Die spanischen Wissenschaftler Jorge Mira und José María Martín-Olalla haben angeregt, die Termine für den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit zu verschieben. Demnach könnte die Umstellung auf Sommerzeit im Frühjahr am ersten April-Wochenende erfolgen. Im Herbst wäre eine Rückkehr zur Normalzeit bereits Anfang Oktober denkbar. Die Überlegung dahinter: Die veränderten Termine könnten günstigere Lichtverhältnisse am Morgen ermöglichen. Ob sich ein solcher Kompromiss politisch durchsetzen lässt, ist allerdings offen. Bis zu einer europäischen Einigung bleibt es vorerst beim halbjährlichen Uhrenwechsel.

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/news.de/dpa/stg

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