Hachenburg: Warum ein Paar nach Jahrzehnten einfach heiratet

Etwas hat all die Jahre gefehlt: Christiane Müller-Fuhrländer und ihr Mann erfüllen sich einen lang ersehnten Wunsch und treten vor den Altar – damit möchten sie auch Mut machen.

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Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / natali_mis

Wer spontan heiraten will, denkt vielleicht an Las Vegas. Für Christiane Müller-Fuhrländer (63) und Christoph Friedrich (70) führt der Weg stattdessen nach Hachenburg im Westerwald. Bei der Aktion "Einfach heiraten" erfüllen sich die beiden einen Wunsch, den sie jahrzehntelang im Herzen getragen hatten: eine kirchliche Trauung.

"Das ist die Gelegenheit"

"Als wir von "Einfach heiraten" gehört haben, war für uns sofort klar: Das ist die Gelegenheit, den kirchlichen Segen zu bekommen, der uns all die Jahre noch gefehlt hat", sagt Müller-Fuhrländer. Also buchten sie sich kurzerhand einen Zeitslot für eine 30-minütige Trauung.

Bei der bundesweiten Aktion "Einfach heiraten" bieten viele evangelische Gemeinden unkompliziert und kostenfrei Segnungen und kirchliche Trauungen an. Für die kirchliche Trauung gibt es zwei Voraussetzungen: Das Paar ist bereits standesamtlich verheiratet und mindestens eine Person evangelisch. Die Aktion findet in diesem Jahr am beliebten Hochzeitswochenende vom 26. Juni 2026 statt.

Vor der Schlosskirche in Hachenburg zeigt sich daher auch ein eher seltenes Bild: Mehrere Brautpaare gratulieren sich gegenseitig zur Hochzeit; wenn die Kirchentür alle halbe Stunde wieder aufgeht, gibt es jedes Mal Applaus von allen Anwesenden. Manche Bräute tragen bunte Kleider, bei den Herren sind teils Jeans oder mitten in der Hitzewelle auch kurze Hosen angesagt. Wieder andere kommen traditionell in weißem Brautkleid und Anzug. Einige sind Anfang 30, manche sind mit ihren Kindern vor Ort, andere – wie Müller-Fuhrländer und Friedrich – haben ihre Enkel dabei.

Ein Kreis schließt sich

Standesamtlich verheiratet sind die beiden bereits seit 2020. Doch der kirchliche Segen fehlte ihnen einfach. "Gerade in schwierigen Zeiten haben wir erlebt, wie wichtig unser Glaube für uns ist. Deshalb bedeutet uns diese kirchliche Trauung so viel", sagt Müller-Fuhrländer.

Vor 22 Jahren begann ihre gemeinsame Geschichte. Unweit von der Schlosskirche entfernt trafen sie sich damals zu ihrem ersten Date in einem kleinen Café. "Deshalb verbindet uns dieser Ort bis heute mit etwas ganz Besonderem", erzählt die Braut.

"Hätte ich damals nicht gedacht"

Für ihren Mann war ihr Kennenlernen ein entscheidender Wendepunkt: "Als alleinerziehender Vater von vier Kindern hätte ich damals nicht gedacht, noch einmal eine Partnerin fürs Leben zu finden. Umso dankbarer bin ich, dass wir uns gefunden haben", sagt der 70-Jährige. Kennengelernt hatten sie sich über eine christliche Partnerplattform im Internet.

"Am Anfang haben wir uns Zeit gelassen. Jeder hatte seine Familie, seine Aufgaben und seinen Lebensmittelpunkt", sagt Friedrich. "Erst als die Kinder ihren eigenen Weg gingen, wurde auch unser gemeinsamer Weg möglich."

Die kirchliche Trauung sollte eigentlich schon vor Jahren stattfinden. Doch die Corona-Pandemie machte die Pläne zunichte. Mehrfach wurde neu angesetzt, immer wieder verschoben. Schließlich legte das Paar das Vorhaben erst einmal auf Eis.

Kleine Hochzeit, große Ehe

Für das Paar geht es nicht um die große Feier oder die angesagten Hochzeit-Trends. "Heute stehen für mich nicht mehr das Kleid, die Dekoration oder all die äußeren Dinge im Mittelpunkt", sagt die 63-Jährige. "Mit unserer Geschichte möchten wir anderen Paaren Mut machen. Man braucht keine jahrelange Planung und keine perfekte Hochzeit, damit ein Trautag etwas Besonderes wird."

Ihr Mann ergänzt: "Man kann eine kleine Hochzeit haben und eine große Ehe führen. Entscheidend ist, wie man miteinander lebt und wie man sich immer wieder neu füreinander entscheidet."

"Keine Garantie"

Dabei verschweigen die beiden nicht, dass auch ihre Beziehung Herausforderungen erlebt hat – und wohl wieder erleben wird. "Eine christliche Ehe ist keine Garantie dafür, dass alles immer leicht ist. Auch wir mussten Krisen bewältigen und uns immer wieder neu aufeinander einstellen", sagt Friedrich. Der Glaube gebe ihnen Halt.

Für Müller-Fuhrländer liegt gerade darin der Kern ihrer Ehe. "Ehe bedeutet für mich Verlässlichkeit, Zusammenhalt und ein gemeinsames Fundament." In den vergangenen Jahren hätten sie nicht nur schöne, sondern auch schwierige Zeiten erlebt. "Gerade deshalb ist unsere Beziehung gewachsen und für mich heute wertvoller denn je", schließt sie.

Alternative zur Tradition

Getraut wurden die beiden von Pfarrer Maic Zimmermann. "Nicht jedes Paar hat Zeit, Geld, Nerv, Lust, Möglichkeit, das Bedürfnis für eine traditionelle Trauung in der Kirche – mit anschließendem großem Familienfest", sagt Zimmermann. Die Aktion biete dafür eine Alternative, "individuell, offen, bunt – so wie´s für die Menschen in ihrer Lebensphase gerade gut und passend ist".

Christiane Müller-Fuhrländer und Christoph Friedrich werden nach dem Auszug aus der Kirche umgeben von Seifenblasen von ihrer Familie beglückwünscht – ihrem "Team", wie Pfarrer Zimmermann in der Messe sagte. Gemeinsam werden sie den Tag, an dem sie sich ihren großen Wunsch erfüllten, im Restaurant ausklingen lassen.

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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