Dresden: Nosferatu-Spinne auch in Sachsen zu Hause

Spinnen lösen bei vielen Menschen Ängste aus. Dabei sind diese Tiere sehr nützlich. Denn sie halten die Populationen von Fliegen, Stechmücken, Motten oder Blattläusen im Gleichgewicht.

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Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Tryfonov

Die Nosferatu-Spinne gehört inzwischen auch in Sachsen zur heimischen Fauna. Beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) sind für das vergangene Jahr 24 Sichtungen an fünf Orten aktenkundig. Bundesweit gibt es laut NABU jedes Jahr zwischen 3.000 und 5.000 Meldungen mit Foto. In diesem Frühjahr seien besonders viele Beobachtungen hinzugekommen - mehr als 2.500 Aufnahmen gingen von Januar bis Mai ein.

Naturschutzbund erwartet "gutes Nosferatu-Jahr"

"Wenn das so weitergeht, wird 2026 wieder ein gutes Nosferatu-Jahr. Wir freuen uns, wenn weiter jeder Fund gemeldet wird, am besten mit Foto. So können wir die weitere Entwicklung der Bestände und die Lebensweise der neuen Art gut nachvollziehen", sagte NABU-Experte Alexander Wirth.

"Die Art ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz keine invasive Art, deshalb gibt es keine rechtliche Grundlage für ein gezieltes staatliches Monitoring", begründet das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Unsicherheiten zum genauen Bestand.

Schwerpunkt im Dresdner und Leipziger Raum und Ost-West-Gefälle

"Die Fundpunkte liegen verstreut nahezu in ganz Sachsen mit Schwerpunkten im Dresdner und Leipziger Raum. Im Vergleich zu den westlichen Bundesländern oder Berlin werde die Art in Sachsen wesentlich seltener beobachtet. Momentan lässt sich in den Vorkommensdaten der Spinne in Deutschland ein West-Ost-Gefälle erkennen, wobei der Westen wesentlich intensiver besiedelt ist", betont Landesamt-Sprecher Falk Hofer.

Nach Angaben der Experten vom Landesamt kam diese Spinne ursprünglich im Mittelmeerraum vor. In den vergangenen drei Jahrzehnten habe sich aber erheblich nach Norden ausgebreitet. Selbst auf den Inseln Rügen und Usedom gab es wiederholt Sichtungen. Laut Landesamt erfolgte die "Einwanderung" sehr wahrscheinlich zunächst über den Transport von Gütern. Der Erstnachweis in Deutschland stamme 2005 aus Freiburg.

Klimawandel begünstigt Ausbreitung der Nosferatu-Spinne

"Durch den Klimawandel kann sich die Art nördlich der Alpen leichter weiter ausbreiten, wobei sie hierbei überwiegend an Gebäude gebunden bleibt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass die Nosferatu-Spinnen in den nächsten Jahren auch in Sachsen häufiger auftritt", sagte Hofer.

Der Körper der Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) wird etwa ein bis zwei Zentimeter lang. Die Beinspannweite könne bis zu fünf Zentimeter betragen, beschreibt der NABU das Tier. "Der Name leitet sich von der charakteristischen Zeichnung auf dem Vorderkörper ab, die viele kreative Betrachter an die Fratze des Vampirs aus dem gleichnamigen Kinofilm Nosferatu erinnert", schrieb das Karlsruher Naturkundemuseum im April.

Ein Biss ist für Menschen in der Regel ungefährlich

Durch ihr Gift, einen robusten Körperbau und ihre Geschicklichkeit bei der Jagd wird die überwiegend nachtaktive Spinne den Angaben zufolge auch mit recht großer Beute fertig. Sie gehöre zudem zu den wenigen Arten, die mit ihren Giftklauen die menschliche Haut durchdringen können, heißt es. Der Biss sei in der Regel aber ungefährlich.

Sachsen ist reich an Spinnenarten

Für Sachsen wurde die bisher einzige Rote Liste für Weberknechte und Webspinnen für Sachsen wurde 1996 erstellt. In dieser Roten Liste wurden 27 Arten der Weberknechte und 615 Arten der Webspinnen bewertet. Von diesen Arten waren 37 Prozent gefährdet oder ausgestorben beziehungsweise verschollen. In Deutschland waren im Jahr 2015 insgesamt 971 einheimische Arten und 21 "gebietsfremde" Arten bekannt, die eingeschleppt wurden.

Von der Entomofaunistischen Gesellschaft mit Sitz in Dresden gibt es eine Checkliste der Spinnen in Sachsen von Mitte der 90er Jahre, die 2008 ergänzt wurde. Dort sind 650 Arten in 37 Spinnenfamilien verzeichnet. Die Staatliche Betriebsgesellschaft Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) schätzt, dass bis heute mit etwa 670 Arten für Sachsen zu rechnen ist, einige davon neu zugewandert.

Wegen fortschreitender Veränderungen bei der Landnutzung und des Klimas gehen die Experten davon aus, dass sich der Bestand vieler Arten verändert hat. Ähnlich wie bei den Insekten hat auch für Spinnen die intensive Land- und Forstwirtschaft mit einer übermäßigen Anreicherung von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor Folgen. Eingriffe in den natürlichen Wasserhaushalt oder die Zerschneidung von Habitaten gefährden diese Tiere, hieß es.

In Sachsen werden durch das Landesamt und die Betriebsgesellschaft Umwelt und Landwirtschaft im Rahmen eines Insektenmonitorings neben Laufkäfern auch Spinnen auf je sechs ausgewählten Acker- und Grünlandstandorten untersucht. Dabei sollen auch Erkenntnisse zu natürlichen Schwankungen von Spinnenpopulationen gewonnen werden. Spinnen selbst gehören nicht zu den Insekten, sondern zur Klasse der Spinnentiere.

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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