Super-El-Niño befürchtet: Experten warnen vor Klima-Monster - das sind die Folgen für Deutschland
Ein brodelnder Pazifik, steigende Temperaturen und alarmierende Prognosen: Klimaforscher warnen vor einem möglichen Super-El-Niño – mit dramatischen Folgen für das Wetter und spürbaren Konsequenzen bis in deutsche Supermärkte.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Super-El-Niño möglich: NOAA sieht 62 Prozent Wahrscheinlichkeit für El Niño bis Sommer 2026
- Extreme Wettergefahr: Dürren, Fluten und Rekordhitze weltweit drohen
- Preisschock droht: Lebensmittel könnten auch in Deutschland deutlich teurer werden
Im Pazifik zeichnet sich ein bedrohliches Klimaszenario ab: Bis Ende 2026 könnte sich dort ein außergewöhnlich intensiver Super-El-Niño entwickeln. Die US-Wetterbehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen zwischen Juni und August 2026 auf 62 Prozent.
Was steckt hinter dem Wetter-Phänomen "El Niño"?
El Nino ist ein natürliches, ozeanographisch-meteorologisches System des äquatorialen Pazifiks, was durchüberdurchschnittlich wärmere Meeresoberflächentemperaturen gekennzeichnet ist. Typische El-Nino-Muster während des Winters und des Frühlings umfassen unterdurchschnittliche Niederschläge und überdurchschnittlich warme Temperaturen. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von durchschnittlich vier Jahren auf.
Super-El-Niño droht 2026: Klimamodelle schlagen Alarm
Aktuelle Daten des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) verstärken diese Warnung. Nur drei Jahre nach dem letzten starken El-Niño-Ereignis mehren sich die Anzeichen für eine Wiederkehr des aufheizenden Klimaphänomens. Laut dem NOAA-Lagebericht vom 16. März 2026 ist die vorherige La-Niña-Phase zwar noch aktiv, doch die Ablösung hat bereits eingesetzt. Seit Jahresbeginn steigen die Meeresoberflächentemperaturen im östlichen Pazifik rapide an. "Der Höhepunkt wird ab November, spätestens im Januar 2027 erwartet. Darauf deuten schon jetzt die allermeisten Klimamodelle hin", prognostiziert Klimatologe Dr. Karsten Brandt gegenüber der "Bild".
Was einen Super-El-Niño so gefährlich macht
Ein Super-El-Niño unterscheidet sich von gewöhnlichen El-Niño-Ereignissen durch seine extreme Intensität. "Die Erwärmung der Meeresoberfläche im zentralen und östlichen Pazifik fällt besonders stark aus – meist mehr als zwei Grad über dem Durchschnitt", erklärt Meteorologe Dominik Jung gegenüber "Bild". Solche Extremereignisse treten statistisch nur alle 10 bis 15 Jahre auf.
Unter der Wasseroberfläche des westlichen Pazifiks hat sich bereits ein massiver Pool überdurchschnittlich warmer Wassermassen in 100 bis 250 Metern Tiefe angesammelt. "Diese sogenannte Kelvinwelle breitet sich nach Osten aus und wird dann als Wärmeanomalie zutage treten", sagt Meteorologe Andrej Flis von "Severe Weather Europe". Zusätzlich registrieren Wissenschaftler verstärkt ostwärts wehende Winde – entgegen der normalen Passatwindrichtung. Diese Anomalien gelten als weiteres Warnsignal für einen bevorstehenden El Niño. Die NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Super-El-Niño ab Oktober 2026 derzeit auf 13 Prozent.
Dürre, Fluten und Taifune: Weltweite Wetterextreme drohen
Die Auswirkungen eines Super-El-Niño würden sich rund um den Globus bemerkbar machen. Australien, Indonesien, Teile Ostafrikas und die Karibik müssten mit schweren Dürreperioden rechnen. Peru und Ecuador hingegen könnten von heftigen Regenfällen heimgesucht werden. Im Westen der USA droht ein extrem heißer Sommer mit erhöhtem Dürrerisiko. Ab Mitte 2026 rechnen Experten mit vermehrten Taifunen über den Philippinen, China und Japan. Auch der indische Monsun könnte beeinträchtigt werden – mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen auf dem gesamten Subkontinent. Besonders alarmierend: 2027 könnte das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Klimatologe Tido Semmler vom irischen Wetterdienst begründet dies damit, dass "die Erdatmosphäre Zeit braucht, um auf El Niño zu reagieren". Der Copernicus-Chef Carlo Buontempo hatte bereits im Januar gewarnt, dass schon 2026 ein neues Rekordjahr werden könnte.
Europa bleibt vom Super-El-Niño nicht verschont
Obwohl El Niño seinen Ursprung im Pazifik hat, beeinflusst das Klimaphänomen über veränderte Luftdruckmuster auch das europäische Wetter. Historische Vergleichsjahre zeigen laut "Severe Weather Europe", dass Sommer in Westeuropa während solcher Phasen tendenziell normal bis leicht kühler ausfallen. In Zentraleuropa und weiter nördlich herrschen dagegen häufig überdurchschnittliche Temperaturen. Für den Winter 2026/27, wenn El Niño typischerweise seinen Höhepunkt erreicht, zeichnet sich ein Trend zu kälteren Temperaturen in Nordeuropa ab. Diese Kältewellen könnten sich zeitweise auch auf westliche und zentrale Teile des Kontinents ausbreiten.
Deutschland wird von direkten Wetterkapriolen allerdings verschont bleiben. "Europa ist davon abgekoppelt. Mit dem Atlantik kochen wir unser eigenes Wettersüppchen", sagt Karsten Brandt gegenüber "Bild". Die Intensität der Auswirkungen hängt entscheidend davon ab, wie stark der El Niño tatsächlich ausfällt.
Deutsche Verbraucher müssen mit höheren Preisen rechnen
Während Deutschland von den extremen Wetterereignissen verschont bleibt, werden die Folgen des Super-El-Niño dennoch spürbar sein – im Geldbeutel. Weltweit erschwerte Ernten und erwartete Einbußen dürften spätestens ab Herbst 2026 die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Besonders betroffen sind Produkte, die aus den vom El Niño betroffenen Regionen stammen. Kaffee aus Brasilien könnte durch extreme Hitze beeinträchtigt werden, ebenso wie Weizen, Haselnüsse, Schokolade und Apfelsinen. Die globalen Lieferketten für diese Grundnahrungsmittel und Genussmittel reagieren empfindlich auf Ernteausfälle in den Anbaugebieten. Die Kombination aus Dürren in Südostasien und Australien sowie Überschwemmungen in Südamerika könnte die landwirtschaftliche Produktion weltweit erheblich belasten. Für deutsche Haushalte bedeutet dies: Die Auswirkungen des pazifischen Klimaphänomens werden sich beim Einkauf bemerkbar machen.
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