28.03.2017, 14.41 Uhr

Rocker-Prozess in Köln: Zuschauer feiern Hells-Angels-Boss

Am Kölner Landgericht startete am Montag ein Gerichtsprozess gegen acht Mitglieder einer Rockerbande. Die Vorwürfe reichen von Erpressung bis zu versuchtem Mord. Das Publikum feierte die Angeklagten.

In Köln ist ein Mammutprozess gegen acht Mitglieder einer Rockerbande gestartet. Bild: picture alliance / Arne Dedert/dpa

Unter einem riesigen Sicherheitsaufgebot startete am Montag der Prozess gegen den Rocker-Boss des Kölner Hells-Angels-Chapter "C-Town". Serkan A. und sieben weitere Angeklagte müssen sich wegen Erpressung, Körperverletzung, Drogenhandel und versuchten Mord verantworten.

Frenetischer Applaus für die Täter

Der Prozessauftakt glich einem langersehnten Wiedersehen, die muskelbepackten Männer wurden frenetisch von ihren Anhängern im Zuschauerraum gefeiert, so schreibt der "Focus". Sprechchöre und lautes Klatschen begleitete die Rocker zu ihren Plätzen auf der Anklagebank. Die Klageschrift hingegen war keinesfalls zum Feiern. Über 300 Seiten mussten von der Staatsanwältin vorgelesen werden.

Das Revier der Rockerbande war das linksrheinische Köln, dass "C-Town" selbst mit Schusswaffen zu verteidigen wusste. Konkurrierende Geschäfte und Kneipen wurden regelmäßig angegriffen. Auch Schutzgeldzahlungen waren das Tagesgeschäft. Im November wurde dann als Racheakt auf einen Einbruch in eine Shisha-Bar eine Bar überfallen und mit scharfer Munition das Feuer eröffnet. Ein Mann starb, der vermeintliche Täter, Bruder des Hauptangeklagten, floh in die Türkei.

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Zehn Schüsse auf rivalisierende Gruppe

Im Sommer 2015 soll es zu einem versuchten Mord an zwei Brüdern gekommen sein. Die Opfer wollten ebenfalls in den Drogenhandel einsteigen. Eine Gruppe von über 20 "C-Town"-Rockern soll daraufhin den Kiosk, der von der Familie des Brüderpaares betrieben wird, überfallen haben, schreibt der "Focus" weiter. Daraufhin sollen die Brüder brutal verprügelt und sogar zehnmal auf sie geschossen worden sein. Sie erlitten lebensgefährliche Verletzungen.

Serkan A. und seine Kumpanen schweigen vor Gericht zu den schweren Anklagevorwürfen. Die Staatsanwaltschaft Köln habe bereits nahegelegt, dass bei einer Verurteilung eine Sicherungsverwahrung für den Hauptangeklagten im Raum steht. Der Prozess ist mit 61 Tagen angesetzt, in der Zeit sollen bis jetzt knapp 150 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört werden.

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koj/loc/news.de

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