12.07.2016, 15.01 Uhr

Fall Marco W.: Nach 247 Tagen im Gefängnis: So lebt Marco Weiss heute

Es war der 11. April 2007 der sein Leben komplett verändern sollte. Im Türkei-Urlaub wurde Marco Weiss festgenommen. Der Vorwurf: versuchte Vergewaltigung einer 13-jährigen Britin. Der Fall Marco W. wurde fast zu einer Staatsaffäre.

Insgesamt 247 Tage saß der damals 17-jährige Marco W. in U-Haft. Bild: dpa

Im April 2007 machte Marco Weiss Oster-Urlaub mit seinen Eltern an der türkischen Rivera. Dort lernt der damals 17-Jährige die 13-jährige Britin Charlotte kennen. Im Hotelzimmer kommt es zu gemeinsamen Zärtlichkeiten. Die Initiative sei von der 13-Jährigen ausgegangen, die sich als 15-Jährige ausgegeben habe. Sie spricht allerdings von sexueller Belästigung. Auch die türkische Justiz nimmt den Fall sehr ernst. Wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines Kindes wird er verhaftet. Aus einem Urlaubsflirt wurde ein Politikum.

Der Fall Marco W. führt zu Spannungen zwischen Türkei und Deutschland

Von Anfang an, hat Marco die Vorwürfe bestritten, dennoch saß er quälend lange in Untersuchungshaft. In der Türkei drohen bei Sex mit einer Minderjährigen acht bis 15 Jahre Haft.Beweise für das Vergehen gab es nicht, im Gegenteil. Ein Arzt stellte fest, dass die Britin noch Jungfrau war. Bis heute spricht Marco von einvernehmlichen Zärtlichkeiten. Erst nach 247 Tagen kehrt er nach Deutschland zurück.

In den Boulevard-Medien tauchte sein Fall nahezu täglich auf. Es kam gar zu politischen Zerwürfnissen zwischen Deutschland und der Türkei. Außenminister Frank Walter Steinmeier und Angela Merkel schalteten sich ein.

Marco Weiss heute - Einen Türkei-Urlaub schließt er nicht aus

Die Zeit im Knast war weder für die Familie noch für Marco einfach. Die Zustände waren katastrophal. Das Gefängnis war für 500 Insassen gebaut worden. 1500 Häftlinge waren es tatsächlich. "Unser Sohn war stark suizidgefährdet", erklärte Marcos Vater der "SZ". Vor allem mit Hilfe seines Buches "Meine 247 Tage im türkischen Knast" konnte Marco sein Trauma überwinden. Immer wieder begab er sich in therapeutische Behandlung. Die Ausbildung zum KfZ-Mechaniker brach er ab. "Inzwischen hat Marco einen Strich gezogen", sagt seine Mutter Martina Weiss der "SZ": "Er hat neulich gesagt, er habe keine Gefühle mehr in der Angelegenheit."

Auch der jahrelange Rechtsstreit hat nun ein Ende gefunden: Marco Weiss wurde 2014 vom obersten Gerichtshof der Türkei zu zwei Jahren, zwei Monaten und 20 Tagen auf Bewährung verurteilt. Einen erneuten Urlaub in der Türkei schließt er nicht aus.

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jko/kad/news.de

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