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Von news.de-Redakteur Jan Grundmann - 05.04.2013, 10.12 Uhr

Obama, Hitler, Papst: Die mächtige Angst vor vergiftetem Essen

Mächtige Menschen können auch Feinde haben, die ihnen ans Leben wollen. Um der Gefahr eines Todes beim Essen zu entgehen, beschäftigen sie einen Vorkoster. US-Präsident Barack Obama etwa schwört auf das scheinbare Relikt vergangener Zeiten.

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Vor einigen Jahren plauderte der Kellner des kleinen Bistros «La Fontaine de Mars» in Paris Details über den prominenten Gast des Vorabends aus. Barack Obama dinnierte nach einem Treffen mit Frankreichs Ex-Präsidenten Sarkozy mit seiner Familie noch im Bistro – doch der französischen Küche misstraute Obama offenbar. Er brachte einen Vorkoster mit ins Lokal, der die Speisen vorab probieren musste.

Für die Köche sei es zunächst etwas unangenehm gewesen, berichtete Kellner Gabriel de Carvalho. Doch der Vorkoster sei ein «angenehmer und entspannter Mensch» gewesen. Das ist bemerkenswert, riskiert der Tester doch bei jedem Bissen sein Leben. Offiziell bestätigt das Weiße Haus zwar nicht, dass Obama immer einen Vorkoster beschäftigt, doch die Indizien reichen weiter.

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So musste Obama kürzlich den Hauptgang auslassen, als er mit republikanischen Senatsmitgliedern tafelte. «Er schaute sehnsüchtig auf die Teller, aber er konnte es nicht essen», plauderte ein Senatsmitglied aus. Der Grund: Obamas Vorkoster war bei der Runde nicht dabei. Auch von früheren US-Präsidenten werden Geschichten über ihre Nahrungstester kolportiert.

Hitler hatte 15 Vorkosterinnen

Denn ob Gift im Granatapfeldessert oder Formaldehyd im Fasanenfilet – gerade beim Essen lauert für die Mächtigen eine große Todesgefahr. Und weil sie selten zu Hause speisen, ist ein Vorkoster dabei. Ob Angela Merkel ebenfalls einen Vorkoster beschäftigt, etwa wenn sie auf Staatsbesuch in Griechenland oder Zypern ist?

Richtige Paranoia vor einem Gifttod hatte offenbar Diktator Adolf Hitler. Er beschäftigte 15 Vorkosterinnen, wenn er sich in der Wolfsschanze aufhielt. Eine von ihnen hat nun in einem Interview auf Spiegel Online ausgepackt: die 95-jährige Margot Wölk. Mit jedem Bissen hatte sie Todesangst.

In einem Barackenraum unweit der Küche schaffte das Dienstpersonal die Platten mit Gemüse, Nudeln, Soße, Früchten herbei. «Fleisch gab es nie, Hitler war Vegetarier», erinnert sich Margot laut Spiegel Online. «Das Essen war gut, sogar sehr gut. Aber genießen konnten wir es nicht.» Schließlich gab es Gerüchte, dass die Allierten den Führer vergiften wollten.

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Gift-Alarm im Papst-Wein

Auch im Vatikan wurde der Vorkoster lange eingesetzt – bei Papstliturgien etwa bis in die 1950er-Jahre. Wein und Wasser hätten schließlich vergiftet sein können. Als Papst Benedikt XVI. vor zwei Jahren auf Deutschland-Tournee war, verzichtete er aber offenbar auf einen Vorkoster. «Ich bin überzeugt, dass es ihm schmecken wird», so verneinte Michael Barz, Küchenchef des Freiburger Priesterseminars, vorab im Reutlinger General-Anzeiger die Frage nach dem Vorkoster. Nach allem, was wir wissen, ist Benedikt die badische Küche damals auch bekommen.

Eigentlich stammt die Tradition der Vorkoster aus längst vergangenen Zeiten, als das Gift in einer einzigen Mahlzeit ausreichte, um jemanden zu töten. Doch wenn heute etwa Blei eingesetzt wird, fällt kein Vorkoster vom Stuhl. Es würde einige Tischgänge brauchen, damit die Blei-Konzentration im Körper des Opfers eine tödliche Dosis erreicht.

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mar/news.de

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