Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus - 09.11.2011, 16.29 Uhr

Frauen als Mörder: Clever, grausam, kaltblütig

Sie sind selten, morden aber kaltblütiger: Wenn Frauen zu Killern werden, passt das in kein Rollenbild. Dabei sind sie sogar gefährlicher als Männer. Denn viele Frauen planen ihre Tat ganz genau - und werden seltener entdeckt.

Frauen haben andere Mordmotive als Männer. Bild: dapd

Beate Z. stellt die Polizei vor ein Rätsel. Inwiefern war sie am Mord an einer Polizeibeamtin in Heilbronn beteiligt? Gehört sie wirklich der militanten rechten Szene an? Und wieso sprengte sie das Haus in die Luft, in dem sie mit Uwe M. und Uwe B. drei Jahre lang lebte?

Wenn eine Frau in solch einen Kriminalfall verwickelt ist, dann ist die erste Reaktion: Erstaunen. Eine Frau als Täterin? Eine Frau als kaltblütig handelnder Mensch? Diese Vorstellung passt nicht in das gängige Rollenbild von Frauen. Die Emanzipation hat den weiblichen Teil der Gesellschaft zwar von der Küche auch ins Büro transportiert. Aber nicht an die Waffe. 

Dabei kommen immer wieder Fälle an die Öffentlichkeit, in denen Frauen ihre Kinder umgebracht haben. 20 bis 35 Frauen töten jedes Jahr ihre Kinder - meist kurz nach der Geburt. Manchmal aber auch erst später, wenn die Kinder älter sind. In den 1980er Jahren gab es den Fall Monika Böttcher. 1986 soll die damals 28-Jährige ihre zwei Töchter Melanie (7) und Karola (5) ermordet haben. Ein neuer Mann in ihrem Leben, eine neue Perspektive: Erst wurde sie schuldig gesprochen, dann wieder frei-, um schließlich in dritter Instanz nochmals für schuldig befunden zu werden. 2006 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Der Fall sorgte für großes mediales Interesse. Die Vorstellung, eine Mutter habe ihre Töchter grausam ermordet, um Platz für einen neuen Mann in ihrem Leben zu machen, überstieg die Vorstellungskraft vieler Bürger. 

FOTOS: Kriminalgeschichte Frauen, die zu Killern wurden

Frauen sind kaltblütiger - und gehen mit Plan an die Tat

Statistisch gesehen werden nur zehn bis 15 Prozent von Gewalttaten von Frauen begangen. In den häufigsten Fällen ist es der Partner, der getötet wird. Vorangegangen sind der Tat meist Demütigungen, Verletzungen, ein langjähriges Martyrium - dann, wenn nicht nur der physische Schmerz zu groß wird.

Aber nicht immer ist das der Grund, oftmals steckt auch eine große Verlustangst hinter den Taten. Im August 2010 tötete im ostfriesischen Aurich eine 18-Jährige ihren Freund. Aus Angst, er könnte sie verlassen, kaufte sie ein großes Küchenmesser und deponierte es in ihrem Kinderzimmer. An einem Sonnabendmorgen schrieb sie in einem Internetnetzwerk noch auf seine Profilseite, dass sie ihn liebe. Am Abend stach sie mehrfach mit dem Messer auf ihn ein.

Die Beispiele zeigen: Es gibt meist eine Verbindung. Weibliche Serienmörder ohne eine wirkliche Beziehung zum Opfer sind selten. Deshalb sind die Frauen, die ohne Beziehung morden, umso erschreckender. Lange galt sogar die Annahme, dass Frauen gar nicht morden könnten, heute wissen Experten: sie können.

Sie sind dabei kaltblütiger und geplanter, hat der amerikanische Soziologe Michael D. Kelleher herausgefunden. Ihnen ist die Tat schwerer nachzuweisen, weil Frauen versuchen, Fehler schon im Vorfeld zu vermeiden - aufgrund mangelnder Kraft müssen sie sich diese Gedanken aber auch machen. Und um einen männlichen Serienmörder zu finden, braucht die Polizei im Schnitt vier Jahre - für einen weiblichen Serienmörder acht Jahre.

«Ich habe es einfach nicht mehr ertragen»

Bei Maria Velten dauerte es noch länger. Erst 20 Jahre nach ihrem ersten Mord konnte sie gefasst werden. 1983 kam sie vor Gericht, ihr wurde zur Last gelegt, fünf Menschen mit einem Pflanzenschutzmittel getötet zu haben, das sie in Blaubeerpudding einrührte: ihren Vater, eine Tante, zwei Ehemänner und einen Lebensgefährten. Nie war einer Behörde aufgefallen, dass es um Mariechen, wie sie von Freunden genannt wurde, tödlich zuging - bis Maria Velten ihrer Schwiegertochter im Streit drohte, sie umzubringen. Die junge Frau bekam Angst - und ging zur Polizei. Als Maria Velten - das Blaubeer-Mariechen wurde der Fall später verfilmt.

Die Ankündigung, sie nach einem Streit zu töten, passt auch in das Bild, das Psychologen von Mörderinnen haben: «Während Männer morden, um zu beherrschen und zu vernichten, töten Frauen, um sich nicht beherrschen und vernichten zu lassen», sagt der Kriminalistiker Stephan Harbort.

Frauen, die töten, haben keine Lösungsstrategien, haben Wissenschaftler herausgefunden. Sie wissen nicht, wie sie im Alltag mit Problemen umgehen können - und schaffen diese Probleme gleich ganz aus der Welt. Durch Mord. «Ich habe es einfach nicht mehr ertragen» ist deshalb auch das häufigste Motiv von Frauen. Männer sagen so etwas nicht.

Eine Frau missbraucht und tötet ihre eigene Schwester, eine Mutter ermordet ihre vier Kinder, damit der Ehemann sie nicht verlässt: Sehen Sie unserer Bilderstrecke Frauen, die zu Mörderinnen wurden.

jag/news.de

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