Von news.de-Redakteur Jan Grundmann - 15.09.2010, 11.20 Uhr

Skurrile Notfälle : Wenn die Billardkugel im Po verschwindet

Notfall-Sanitäter Jörg Nießen schreibt in seinem Buch über schwarzhumorige Retter in skurrilen Einsätzen. Etwa das Sexspiel mit Billardkugeln eines homosexuellen Paares, das im Krankenhaus endet. News.de kennt die schrägsten Episoden.

«Ich habe zwei Billardkugeln im Arsch, die Drei und die Vier!» Die erste Episode in Jörg Nießens Buch Schauen Sie sich mal diese Sauerei an entspricht nicht dem gängigen Modell einer gemütlichen Runde Billard. Vielmehr dienten die Kugeln «zwei sehr sympathischen schwulen Mitbürgern» als Dehnungswerkzeug für ihre analen Spielereien. Früher hätten sie schon andere Kullern im Dunkel des Dickdarms vergessen. Jetzt seien sie auf Pool-Billard umgestiegen, weil die Kugeln Nummern tragen. Lesen Sie hier Auszüge dieser Episode.

 

«Ich möchte die Herren als Profis bezeichnen, was die Wahl der Sex-Gegenstände anbelangt», sagt Jörg Nießen im news.de-Interview. Der Rettungssanitäter aus Nordrhein-Westfalen, geboren 1975, hat in seinem Büchlein 20 skurrile und schwarzhumorige Episoden seiner längjährigen Erfahrung im Rettungs-Business gesammelt. «Die Herren hatten die Hoffnung, dass wir ihr Problem vor Ort lösen können. Aber im Rettungswagen stößt man medizinisch irgendwann an seine Grenzen. Wir konnten die Herren nur ins Krankenhaus begleiten. Da musste man sicherlich operativ ran.»

Hypochonder und andere skurrile Stadt-Seelen

Jörg Nießen verspricht, dass alle Episoden einen wahren Hintergrund haben – auch wenn sie an einigen Stellen etwas geschönt sind. «Die Schweigepflicht gilt.» Er wolle keinen Dampf über seine Arbeit ablassen, er wolle auch keinen Rettungsdienst kritisieren, sagt Nießen. Sondern unterhaltsame Episoden aus dem Rettungsbusiness darbieten – schließlich wächst die Zahl derer, die den Notruf wählen. Statistisch gesehen transportiert der Rettungsdienst in Großstädten die gesamte Stadtbevölkerung innerhalb von zehn Jahren einmal ins Krankenhaus.

Manchmal allerdings kommen Einsätze bei Hypochondern dazwischen. Oder bei einem Herrn, der den Rettungsdienst ruft, weil ihm der Arzt strikte Bettruhe verordnet hat. Bedauerlicherweise ist ihm die Zeitung auf den Boden gefallen – die müssen jetzt die Sanitäter aufheben. «Klar, es gibt einen kleinen Prozentsatz von Einsätzen, die mich am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen», sagt er. Und es gebe unnötige Einsätze. Aber die Leute rufen laut Nießen den Rettungsdienst, weil sie sich in einer Ausnahmesituation befinden, mit der sie nicht klarkommen.

Einige der mit etwas fiktiver Würze versehenen wahren Geschichten sind allein deshalb skurril, weil die Angehörigen weitaus zynischer agieren als die Retter. Etwa Ulla. Ihr auf der Straße verstorbener Franz hat die Pin-Nummer des Handys mit ins Grab genommen. Aber Ulla gibt nicht auf, fragt die Retter wieder und wieder, ob er nicht vielleicht in seinem letzten Röcheln die Zahlenfolge erwähnt habe. Ulla ruft auch später auf der Wache an, weil der Franz so ein wertvolles Brustwarzen-Piercing getragen habe, echtes Silber, jede Menge Karat. Man müsse dem Totengräber ja nix schenken, und deshalb könnten die Hinterbliebene und die Retter doch Halbe-Halbe beim Silber machen.

Schnüffeln am Kuhfladen löst Rettungseinsatz aus

Nicht in Silber, aber dennoch äußert farbenfroh leuchtet die Welt eines Hotelgastes, zu dem Jörg Nießen samt Co-Retter gerufen wird. Der Gast hat Kuhfladen inhaliert und begrüßt die Sanitäter beim Eintreten als Außenteam vom Raumschiff Enterprise. «Frische Kuhscheiße enthält Methan, also Kohlenwasserstoffverbindungen, die ordentlich berauschen», erklärt Nießen. «Ich war in der Fortbildung später selbst erstaunt. Aber die Rauschwirkung soll ähnlich sein, als wenn man kifft.» Lesen Sie hier Auszüge dieser Episode.

Natürlich hat Nießen nur die witzigsten und skurrilsten Einsätze für sein Buch herausgesucht. Schließlich sei der Großteil seiner Arbeit humoristisch nicht auszuschlachten – und oft genug tragisch. «Wichtig ist für meine psychische Hygiene, dass ich mir klarmache: Ich bin nicht verantwortlich für die Situation, in die ich komme.» Seine Lebensgefährtin hat ihn auf die Idee gebracht, die skurrilen Episoden aufzuschreiben. Und weil das so gut ankommt, plant er bereits die Fortsetzung. Weitere Original-Auszüge aus dem Buch «Schauen Sie sich diese Sauerei an» lesen Sie hier.

 

Titel: Schauen Sie sich mal diese Sauerei an. 20 wahre Geschichten vom Lebenretten.
Autor: Jörg Nießen
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seitenzahl: 212
Preis: 9,95 Euro
Erscheinungstermin: 15. September 2010

iwi/reu/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser