Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach - 23.01.2010, 11.47 Uhr

Nageldesigner: «Er macht das besser als manche Frau»

Er ist der Blickfang im Sonnenstudio. Vielleicht auch wegen seiner braunen Haut, aber vor allem weil man von draußen durch große Fenster sieht, wie Damen Manuel Reichel die Hände reichen. Der 31-Jährige ist Nageldesigner.

Manuel Reichel weiß was Frauen wollen. Bild: news.de

«Ich wollte immer Frisör werden», sagt der Leipziger. «Da gab es für mich keine Diskussion.» In seinem Ausbildungssalon war das Nageldesignstudio gleich angeschlossen. Wie so ein Kunstnagel hält, die Anatomie des Naturnagels oder die Nagelgele – das alles habe ihn fasziniert. In einer Weiterbildung habe er sich zum Nageldesigner ausbilden lassen. «Nägel sind mein Steckenpferd geworden», sagt der 31-Jährige während er seiner Kundin nicht die Haare, sondern die Keratinplatten auf den Fingerkuppen schön macht. Er feilt, wischt Nagelstaub weg, pinselt.

Mit Vorurteilen gegen den Mann im angeblichen Frauenberuf habe er nicht zu kämpfen. Manuel Reichel ist einer von drei männlichen Nageldesignern in Leipzig, einer von wenigen Hundert in Deutschland. Terri Malon, Geschäftsführerin des Bundes Deutscher Nail Designer, beziffert die Anzahl der Nagelstudios auf 39.000. In jedem gebe es durchschnittlich 1,2 Beschäftigte und dann sind da noch die Heimarbeiterinnen. Sie spricht allerdings von keiner bindenden Statistik, da Nageldesigner kein geschützter Beruf sei. Zwei Prozent aller Nageldesigner seien männlich. Weibliche gebe es zu Hauf.

FOTOS: Nageldesign Mann im Frauenberuf

Hoffen auf den Mann

«In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat die Branche aber auch Wachstumspotenzial durch Männer», sagt Terri Malon. «Für Männer ist Nageldesign eigentlich eine Marktlücke.» Durch das eingeprägte Geschlechterverhalten würden sich Frauen eher von einem Mann sagen lassen, «Mein Gott, sehen deine Finger schlampig aus» als von einer Frau, ist Malon überzeugt.

Schon in der Berufsschulklasse sei Manuel Reichel der einzige Mann unter 30 angehenden Frisörinnen gewesen. Der Hahn im Korb zu sein, habe ihn nie gestört und auch von Vorurteilen will er nichts wissen. «Die Leute haben sich daran gewöhnt», sagt er. «In dem kleinen Ort im Erzgebirge aus dem ich komme, hieß es auch immer ‹Da kommt der Frisör.› So kennt man mich.»

Acht Jahre hat er hauptsächlich Haare geschnitten, ein Frauen- aber immer mehr auch Männerberuf. Seit 1999 ist er selbstständiger Nageldesigner und zählt auf seine Stammkundschaft. «Wenn ich, bevor die Woche beginnt, schon zwanzig Termine im Kalender stehen habe, bin ich beruhigt», sagt Reichel. Für Laufkundschaft ist da kaum noch Platz. Eine Woche im Voraus müsste man sich schon bei ihm anmelden. Gefüllt ist sein Kalender mit Frauennamen. Männer, die sich die Nägel maniküren lassen, seien die Ausnahme. «Ich habe auch nur einen Kunden, der sich sogar die Nägel modellieren lässt.»

Ilona Staron ist eine von Reichels Kunden. Sie kommt seit sechs Jahren alle drei bis vier Wochen zum Nageldesigner ihrer Vertrauens. Sie arbeite in einer Cafeteria und hantiere immer viel mit Wasser, deshalb seien ihre Nägel rissig geworden. Französische Maniküre mit sehr weißen Nagelspitzen und eine Gelschicht sollen sie davor schützen. Noch nie habe sie eine Frau an ihre Nägel gelassen. Aber Manuel Reichel. «Ich bin sehr zufrieden hier», sagt Ilona Staron. Eine andere junge Kundin bemerkt: «Er macht das besser als manche Frau.»

Zu seinem prominenten Platz im Sonnenstudio ist er gekommen, weil er hier selbst Kunde ist. Vorher habe er seine Kundschaft zuhause empfangen. Immer mehr Angestellte des Solariums seien dabei gewesen. Mittlerweile modelliert er auch die Nägel der Studioleiterin Jana Hermann. Und sie ist begeistert: «Es ist zur Sucht geworden.»

seh/news.de

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