04.01.2010, 12.22 Uhr

Strahlungsschutz: Neue Tapete gegen Elektrosmog

Angst vor Handystrahlung und den Auswirkungen von Elektrosmog? Dagegen können spezielle Tapeten helfen. Ilmenauer Forscher haben ein neues beschichtetes Papier entwickelt, das die Strahlung nicht nur reflektiert, sondern sie förmlich aufsaugt.

Grüße per SMS, ein Video vom UMTS-Handy - nichts geht mehr ohne elektromagnetische Strahlung. Bild: ddp

Der Unterschied zur herkömmlichen Tapete ist äußerlich kaum auszumachen. Das Papier der Tapete, die hochfrequente elektromagnetische Strahlung schluckt, ist durch die Beschichtung lediglich etwas dicker. Das Ferritpulver ist rund 200 Mikrometer dick aufgetragen.

«Das Ilmenauer Papier unterscheidet sich von anderen Papieren, die vor Elektrosmog schützen sollen, durch eine besonders stabile und stärker modifizierbare Struktur der Ferrite», sagt Bernd Halbedel vom Institut für Werkstofftechnik der Technischen Universität Ilmenau. Dadurch sei die Absorptionsrate deutlich höher als bei anderen Produkten.

«Unsere Tapeten können Mikrowellen absorbieren, wie sie zum Beispiel beim Mobilfunk, bei WLAN-Techniken, beim Satelliten-Fernsehen oder beim Radar für Verkehrs- und Luftüberwachungen genutzt werden», erklärt Halbedel.

Elektrosmog in thermische Energie umwandeln

Um diesen Schutz zu erreichen, wird Papier mit nanometerwinzigen Pigmenten aus speziell bearbeitetem modifiziertem Hexaferrit beschichtet. Dieses spezielle Eisenoxidpulver wird mit Glaskristallisationstechnik hergestellt. Es kann die Strahlen absorbieren und damit die Intensität der elektromagnetischen Wellen reduzieren. Die Energie wandelt sich in kaum spürbare thermische Energie um.

Mit der Tapete, für die die Ilmenauer Forscher das Europa-Patent angemeldet haben, kann man Wohn- und Industriebauten auskleiden sowie Gehäuse von Geräten und Anlagen beschichten, um ihren Störpegel zu verringern. Denkbar ist auch, mit der Ferrithaut Elektrokabel besser abzuschirmen. Für das Spezialpapier erhielten die Ilmenauer Forscher gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner von der Papiertechnischen Stiftung München eine Goldmedaille auf der diesjährigen Erfindermesse IENA.

Forscher hoffen auf ökologischen Hausbau

Bei der Suche nach einem Unternehmen, das das Patent kauft, die Tapete herstellt und verkauft, hat das aber nicht geholfen. Die Forscher hoffen vor allem auf den ökologischen Hausbau. Das Bewusstsein der Menschen, sich vor Elektrosmog schützen zu müssen, wachse, sagt der Werkstoffwissenschaftler. Schließlich hat eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums bereits 2002 ergeben, dass zwei Drittel der Bevölkerung einen Zusammenhang von Mobilfunk und Risiken für die Gesundheit für möglich halten.

Halbedels Optimismus basiert auf der großen Resonanz, als erste Meldungen über die neue Tapete an die Öffentlichkeit drangen. Bei Halbedel riefen vor allem Menschen an, die ihre gesundheitlichen Probleme auf elektromagnetische Felder zurückführen und bislang keine Hilfe fanden. Unbestreitbar ist, dass Menschen mehr denn je elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt sind. In diesem Jahr gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mehr als 100 Millionen Handyanschlüsse in Deutschland. Die Zahl der UMTS-Anschlüsse, die mobiles Internet ermöglichen , stieg Schätzungen zufolge von 2008 bis 2009 um 43 Prozent auf 23 Millionen.

Strahlenrisiken sind nicht auszuschließen

Die Wissenschaft streitet sich noch immer darüber, was diese Strahlung tatsächlich im menschlichen Organismus bewirken kann. Das Bundesamt für Strahlenschutz konnte in einer Studie von 2008 mögliche Risiken nicht ausschließen.

Nach Ansicht des Umweltinstitutes München enthalten empirische und experimentelle Studien ernstzunehmende Hinweise auf erhöhte Risiken für Leukämie und Hirntumore. Die Strahlen sollen unter anderem Hirnströme verändern, die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger machen, Stresshormone ausschütten sowie das Immunsystem schwächen.

Nach einer niederländischen Studie von 2003 leiden sensible Menschen in Wohnungen, die in der Nähe von Mobilfunksendemasten liegen, signifikant unter Schwindel, Unwohlsein, Nervosität, Brustschmerzen, Atemnot sowie Konzentrationsproblemen.

car/kab/news/ap

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