22.01.2009, 19.26 Uhr

Tierschützer warnen: Frösche sind vom Aussterben bedroht

Dass Frösche weltweit vom Aussterben bedroht sind, hat mit der Zerstörung ihrer Lebensräume und mit einer tödlichen Pilzerkrankung zu tun. Die Amphibien landen aber auch schlichtweg in Massen in Kochtöpfen.

Forscher warnen vor dem Aussterben der Frösche: Jedes Jahr landen bis zu einer Milliarde weltweit in Kochtöpfen. Bild: dpa

Bis zu einer Milliarde Frösche werden weltweit im Jahr verspeist, berichtet der australische Frosch-Forscher Corey Bradshaw von der Adelaide-Universität. Er stellte eine Studie über den alarmierend gewachsenen Froschschenkel-Konsum vor, die er mit Forschern aus Kanada, Singapur und den USA zusammengestellt hat.

«In den meisten Teilen der Welt ist die Lage der Frösche schon prekär», sagt Bradshaw. Hauptproblem sei die Reduzierung ihres Lebensraums. «Und wir essen bis zu einer Milliarde Frösche im Jahr - das hilft auch nicht gerade.» Früher seien Froschschenkel eine Saison-Delikatesse gewesen - heute verlangten Feinschmecker das Gericht zu jeder Jahreszeit. Frösche spielten aber eine entscheidende Rolle in allen Ökosystemen, unter anderem als Insektenvertilger. Bradshaw schlug vor, mehr Frösche zum Verzehr wie Fische in Farmen zu ziehen.

Wissenschaftler rätseln schon länger, warum die Zahl der Amphibien so rasch abnimmt. Klimaveränderungen und die Zerstörung natürlicher Lebensräume (Feuchtbiotope) werden dafür verantwortlich gemacht. Schuld könnte aber auch ausgerechnet ein Artgenosse sein - der Krallenfrosch -, der einen gefährlichen Pilz eingeschleppt hat.

Der Chytridpilz befällt die Haut der Amphibien, verstopft die Poren, so dass die Frösche, die über ihre Haut atmen, ersticken. Chytridiomykose heißt diese Pilzerkrankung. «Innerhalb von vier Monaten hat dieser Pilz in Panama die meisten der 64 Froscharten infiziert oder ausgerottet», berichtete die amerikanische Biologin Karen Lips kürzlich. «Arten, die wir kaum je gesehen hatten, fielen aus den Bäumen oder trieben in Wasserläufen an der Oberfläche und verendeten an der Infektion.»

Auch in Deutschland konnte der Pilz schon bei Salamandern und Erdkröten nachgewiesen werden. Die größte Aufgabe für Wissenschaftler und Artenschützer ist es nun, den Pilz möglichst auszurotten oder für die Tiere ungefährlich zu machen. Eine Möglichkeit ist, Tiere mit einer Resistenz gegen den Pilz gezielt zu züchten. Aber dazu fehlt den Forschern das Geld.

Nun fühlen sich nicht alle Menschen den Fröschen verbunden. Der berühmte schwedische Naturforscher Linné war von Fröschen angewidert: «Diese widerlichen, ekelerregenden Tiere sind verabscheuungswürdig wegen ihres kalten Körpers, der grimmigen Erscheinung, des berechnenden Auges und des anstößigen Geruchs.»

Dabei vergaß der Naturfreund vielleicht, dass diese Tiere eine wichtige Rolle im Ökosystem spielt. Denn Frösche fressen Insekten wie Mücken und Moskitos, die andere Tiere nicht anrühren. Fehlt dieses Glied in der Nahrungskette, gerät das natürliche Gleichgewicht aus der Balance: Es drohen Insektenplagen.

car

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