Mediennutzung bei Jugendlichen: Wie sich junge Menschen für digitale Unterhaltung begeistern
Junge Menschen geben der digitalen Unterhaltung den Vorzug. Streaming-Dienste wie Netflix haben das klassische Fernsehen ersetzt. Womit neue Medien hervorstechen, sind zum einen der sofortige Zugriff und die Interaktion – über Likes, Kommentare oder einen Live-Chat. Zum anderen liefern Algorithmen immer genau das, was gefällt – statt den Sendeplan im TV vorgesetzt zu bekommen.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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Für die junge Generation ist das Smartphone das wichtigste Gerät für digitale Unterhaltung. Instagram Reels und TikTok fügen sich am Handy perfekt in den Alltag ein. Morgens im Bus, nachmittags im Café oder abends im Bett wird das Smartphone immer wieder hervorgeholt, um unterhalten zu werden – und über Social Media mit anderen in Kontakt zu bleiben.
Neben Videos im Internet werden Video-Streaming, Spiele-Apps und Online Casinos geschätzt. Viele Medien sind kostenfrei nutzbar. Portale wie AutomatenSpieleX ermöglichen Zugriff auf Video-Slots, am Desktop-Rechner ebenso wie auf mobilen Endgeräten.
Mediennutzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Junge Menschen nutzen das Smartphone zu 95 % täglich. Im Rahmen seiner JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest 2025 insgesamt 1.200 Menschen zwischen zwölf und 19 Jahren befragt. 56 % verwenden das Handy täglich für Videos im Internet, Video-Streaming-Dienste werden zu 28 % mobil gestartet. 42 % nehmen sich jeden Tag Zeit für digitale Spiele. Rund ein Zehntel gibt an, täglich Podcasts oder Hörbücher zu hören. E-Books und Tageszeitungen nehmen eine untergeordnete Rolle beim Medienkonsum ein.
In jedem Fall haben sich die Bildschirmzeiten vervielfacht: 18- bis 19-Jährige kommen auf etwa viereinhalb Stunden. Obwohl die Bildschirmzeit als zu lang eingeschätzt wird, haben Jugendliche Schwierigkeiten, sich vom Display zu lösen. 30 % sind morgens müde, weil sie abends am Handy aktiv waren.
Im Bereich Social Media dominieren bei jungen Menschen Instant-Messenger-Dienste wie WhatsApp (96 %) und Snapchat (56 %). Plattformen wie Instagram (65 %) und TikTok (53 %) werden stärker frequentiert als Facebook (9 %), Twitter (6 %) oder Telegram (5 %). Zwischen den Geschlechtern sind erhebliche Unterschiede festzustellen. Männliche Befragte halten sich zu 18 % bei Twitch auf, Mädchen zu 4 %. Umgekehrt besuchen 36 % der weiblichen Befragten Pinterest, während die Jungen hier mit 5 % zurückstehen.
Digitale Medien: Gaming, Streaming, Social Media und Kurzvideos
Dass digitale Medien den Alltag junger Menschen dominieren, hängt mit sozialen Bedürfnissen zusammen. Spiele wie Minecraft und Roblox sind vor allem eines: Treffpunkte. Gemeinsam mit Freunden werden Bauwerke aus dem Boden gestampft oder eigene Spiele erstellt. Bei den genannten Titeln – die bei jüngeren Gamern tonangebend sind – gestalten Jugendliche oft aktiv, statt bereits erstellte Inhalte passiv zu bewundern.
Beim Streaming läuft YouTube bei zwei Dritteln der Befragten täglich oder mehrmals pro Woche. Netflix ist mit 52 % der populärste Video-Streaming-Anbieter, gefolgt von Amazon Prime Video (26 %) und Disney Plus (20 %). Öffentlich-rechtliche Mediatheken (14 %) und TV-Streaming-Dienste wie Joyn und RTL+ (9 %) sind weniger stark nachgefragt.
Soziale Medien wie WhatsApp, Instagram, Snapchat und TikTok werden von Jugendlichen häufig mehrmals täglich genutzt. Dies gilt insbesondere für Instant Messenger wie WhatsApp, über die Text- und Sprachnachrichten, Emojis und animierte GIFs ausgetauscht werden. Bei Snapchat stehen „Flammen" hoch im Kurs : Sie zeugen davon, dass unaufhörlich Nachrichten verschickt werden, ohne dass 24 Stunden lang Funkstille herrscht.
Kurzvideos – TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts – enden spätestens nach wenigen Minuten. Nach kurzer Zeit weiß der Algorithmus, welche Short-Form-Inhalte gefallen – und zeigt mehr ähnliche Videos an. „Short-Form" Inhalte führen zur Ausschüttung von Dopamin und vertreiben die Langeweile. Auch lassen sich Kurzvideos passiv genießen. Das Ansehen kann jederzeit gestoppt werden, ohne dass sich etwa ein Cliffhanger gedanklich festsetzen könnte.
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Online Casinos als Unterhaltungsform
Dass Online Casinos herkömmlichen Spielbanken den Rang abgelaufen haben, sollte niemanden überraschen. Spielbanken haben Öffnungszeiten, Anfahrtswege und Kleiderordnungen. Online ist der Zugang barrierefrei, erfordert lediglich einen Desktop-Rechner oder ein mobiles Endgerät. Während ein Abend in der Spielbank kostspielig sein kann, akzeptieren Spieleseiten Einsätze ab 0,01 €. Dies erleichtert, den Einstieg zu finden – und kommt Spielern entgegen, deren Budget für Online-Glücksspiel knapp bemessen ist.
Gamifizierung in Online Casinos
Casino-Plattformen orientieren sich an Videospielen, um Spieler langfristig zu binden. Häufig hat ein Casino ein Treueprogramm: Einsätze bringen Erfahrungspunkte mit sich, die das Level wie in einem Rollenspiel oder Action-Adventure steigern. Level-Ups bergen Vorteile, etwa Cashback, Freispiele oder Zugang zu exklusiven Turnieren. Zur Gamifizierung gehören tägliche oder wöchentliche Missionen: Wer diese erfüllt, sichert sich weitere Belohnungen.
Neben dem Kontostand ist mitunter ein Münzbeutel zu sehen. Einsätze und Einzahlungen steigern das Münzsaldo. In einem Casino-Shop werden die Münzen in Boni umgetauscht. Manche Spielstätten haben Lootboxen, die zufällige Prämien enthalten. Was Lootboxen so reizvoll macht, ist ein Jackpot, der üblicherweise eine Gewinnwahrscheinlichkeit unter 1 % aufweist. Glücksräder in Casinos funktionieren genauso wie Lootboxen. Einige Spieleseiten haben Jackpots oder Preisgeld-Drops, vergleichbar mit einzigartigen Gegenständen, die ein Boss in Videospielen wie Diablo am Ende eines Dungeons fallen lässt.
Das audiovisuelle Feedback moderner Slots ist an Videospiele angelehnt. Dies ist jedoch keine Einbahnstraße. Luca Galante – Entwickler des Rogue-likes Vampire Survivors – war früher in der Glücksspielbranche tätig. Öffnet der Spieler in Vampire Survivors eine Truhe, entströmt der Inhalt mit übertriebenen Animationen. Auch im Casino werden hohe Auszahlungen – etwa nach einem Freispiel-Feature – lange zelebriert, während Münzen herabregnen und Schriftzüge vom Gewinnmultiplikator künden.
Menschliche Psychologie: Auf den Reiz folgt die Belohnung
Spielmechaniken sind darauf ausgelegt, das mesolimbische System – das Belohnungszentrum – anzusprechen. Zum Beispiel haben Software-Entwickler herausgefunden, dass knapp verpasste Gewinne vom Gehirn auf ähnliche Weise verarbeitet werden wie eine tatsächliche Auszahlung. Deshalb drehen sich die Walzen an einem Spielautomaten langsamer, wenn nur noch ein Symbol zum Gewinnbild fehlt.
Unregelmäßige Gewinne konditionieren das Spielverhalten stärker als wiederholte Auszahlungen. Denn: Menschen suchen oft nach Mustern. Wer daran gewöhnt ist, an einem Video-Slot Durststrecken zu erleiden, glaubt zu wissen, dass der nächste Gewinn kurz bevorsteht. Paradoxerweise hat der ausbleibende Gewinn zur Folge, dass weitergespielt wird. Deshalb sind Spielautomaten mit hoher Volatilität beliebter als niedrig-volatile Slots mit weniger Risiko.
Risiken und Regulierung in Deutschland
In Deutschland reguliert der Glücksspielstaatsvertrag 2021, was Online Casinos dürfen. Demnach sind Spielautomaten, Online-Poker und Sportwetten erlaubt, während Blackjack, Roulette und Jackpots verboten sind. Casino-Seiten benötigen für den Spielbetrieb eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Gemäß GlüStV müssen Betreiber zahllose Vorgaben erfüllen, die dem Spielerschutz dienen. Ziel ist es, den Schwarzmarkt zurückzudrängen und das Glücksspiel in kontrollierte Bahnen zu lenken.
Zum Schutz der Spieler muss bei der Anmeldung in Online Casinos ein Einzahlungslimit eingerichtet werden, das 1.000 € im Monat nicht überschreiten darf. LUGAS – das „länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem" – stellt sicher, dass Einzahlungslimits eingehalten werden. Betreiber sind verpflichtet, im Casino einen Panik-Button zu platzieren, der das Konto für 24 Stunden schließt. Einsätze an Slots sind auf 1 € pro Runde beschränkt. Neue Einsätze dürfen nur alle fünf Sekunden entgegengenommen werden. Dies soll impulsives Spielen unterbinden.
In Deutschland existiert ein bundesweites Sperrsystem. Wer in der OASIS („Onlineabfrage Spielerstatus") eingetragen ist, wird am Zugang zu Glücksspielen gehindert. Neben Selbstsperren sieht der GlüStV 2021 auch Fremdsperren vor. Einträge in OASIS lassen sich nach abgelaufener Sperrdauer rückgängig machen, setzen aber einen Antrag beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt voraus. Sperren über OASIS gelten nicht nur online, sondern genauso in lokalen Spielhallen und Spielbanken.
Trotz der begrüßenswerten Regulierung ist Glücksspiel mit Risiken verbunden. So entziehen sich etliche Casino-Seiten der deutschen Regulierung. Zwar haben ausländische Casinos oft zumindest eine Lizenz in Malta, Anjouan oder Curaçao. Doch diese Spielstätten sind nicht an OASIS oder LUGAS angeschlossen. Zudem besteht die Gefahr, an Betrüger zu geraten oder lange auf Auszahlungen warten zu müssen. Jugendliche sind besonders gefährdet, weil das Alter erst beim Auszahlen überprüft wird. Zum Vergleich: In Deutschland müssen Nutzer den KYC-Prozess noch vor der ersten Einzahlung abschließen. In ausländischen Casinos verlorene Einzahlungen können grundsätzlich zurückgefordert werden. Allerdings werden Urteile in der Praxis vielfach ignoriert – sie durchzusetzen, gestaltet sich schwierig.
Warum digitale Unterhaltung nicht mehr wegzudenken ist
Lineares Fernsehen und andere klassische Medien verlieren bei jungen Menschen zunehmend an Bedeutung. Zum einen hängt dies mit der ständigen Verfügbarkeit zusammen: Während der Fernseher zuhause im Wohnzimmer steht, sind Spiele-Apps und Social Media einen Handgriff entfernt. Unterwegs mit dem ÖPNV oder beim Warten ist das Smartphone ein willkommenes Hilfsmittel, Langeweile zu zerstreuen.
| Art | Verfügbarkeit | Interaktivität | Risiko |
| Gaming | Weit verbreitet | Hoch | Mittel |
| Streaming | Weit verbreitet | Niedrig | Niedrig |
| Social Media | Sehr weit verbreitet | Hoch | Mittel |
| Online Casinos | Weit verbreitet | Mittel | Hoch |
Moderne Medien erheben deutlich mehr Daten als traditionelle Unterhaltungsformen. Plattformen wie TikTok analysieren fortwährend die Watchtime: Wer sich Videos zu Ende oder mehrmals anschaut, bekommt im For-You-Bereich weitere ähnliche Inhalte eingeblendet. Dies erhöht die Verweildauer, weil uninteressante Videos irgendwann gar nicht mehr von sich reden machen. Zugleich besteht aber das Risiko, einer Filterblase anheimzufallen: Vorurteile festigen sich, Meinungen werden fälschlicherweise als unumstößliche Fakten wahrgenommen.
Unterhaltung wird seltener passiv konsumiert, sondern ist oft untrennbar mit sozialer Interaktion verknüpft. Auf Plattformen wie YouTube sind parasoziale Beziehungen an der Tagesordnung: Interaktionen mit Content Creators oder Influencern festigen das Band zwischen dem Medienschaffenden und seinen Zuschauern. Zum Teil scharen sich um einen Creator gigantische Communitys, die eigene Memes erdenken und gemeinschaftlich Spaß haben.
Short-Form-Inhalte, die bei TikTok vorherrschend sind, können die Aufmerksamkeitsspanne von jungen Menschen beeinträchtigen. Moderne Algorithmen sorgen dafür, dass unablässig nach Dopamin gedürstet wird – der Alltag ohne Reizflut wirkt dagegen trist und grau. Parasoziale Interaktionen können zu Einsamkeit führen, wenn diese als echte Freundschaften fehlinterpretiert werden.
sfx/news.de
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