Polizei-News Lüneburg, 03.09.26: Polizei diskutiert mit Schülern über Recht, Verantwortung und Demokratie
Ein Vergehen wurde aktuell von der Polizei in Lüneburg gemeldet. Alle bekannten Details zum Fall.
Erstellt von Team Datenjournalismus - Uhr
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Was ist gerecht? Und woran erkennen wir, dass etwas ungerecht ist? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler bei einer besonderen "Gerechtigkeitswerkstatt". Die Workshops fanden am 31. August und 1. September 2026 in der Eichenschule Scheeßel sowie am 2. September 2026 in der Lieth-Schule in Bad Fallingbostel statt.
Gemeinsam mit Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten der Polizeidirektion Lüneburg setzten sich die Neunt- und Zehntklässler intensiv mit Gerechtigkeit, Menschenrechten, Demokratie und der Verantwortung staatlichen Handelns auseinander. Anlass war die vom Justizministerium ausgerufene landesweite "Woche der Gerechtigkeit".
Die Werkstatt führte die Jugendlichen durch drei Zeitzonen: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. In jeder Phase ging es darum, Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, eigene Entscheidungen zu treffen und die Frage zu stellen: Was ist gerecht und wo beginnt absolute Ungerechtigkeit?
Die Polizeidirektion Lüneburg entwickelte die Gerechtigkeitswerkstatt gemeinsam mit der Forschungsstelle für Polizei- und Demokratiegeschichte der Polizeiakademie Niedersachsen, unterstützt vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg.
Ein Fall aus dem Alltag
Zum Einstieg erhielten die Schülerinnen und Schüler einen gespielten Notruf. Der Marktleiter eines Supermarktes meldete der Polizei, dass sich ein obdachloser Mensch vor seinem Geschäft aufhielt und bat darum, diesen wegzuschicken. Nun waren die Jugendlichen gefragt: Sie schlüpften selbst in die Rolle der Polizei und berieten in Kleingruppen, wie sie mit der Situation umgehen würden. Welche Rechte hat der betroffene Mensch? Welche Interessen hat der Marktleiter? Und welche Möglichkeiten hat die Polizei, um rechtmäßig und gleichzeitig menschlich zu handeln? Aus einem zunächst alltäglich erscheinenden Fall entwickelte sich schnell eine Diskussion über Menschenwürde, Grundrechte und die Grenzen staatlichen Handelns.
Was passiert, wenn Recht und Gerechtigkeit nicht mehr schützen
Anschließend ging es in die Vergangenheit. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 und insbesondere mit der Ausgrenzung von Menschen, die damals unter anderem als sogenannte "Asoziale" stigmatisiert wurden.Ein Quiz und die fachlichen Informationen von Dr. Peter Ridder, Leiter der Forschungsstelle der Polizei, verdeutlichten, wie staatliche Willkür und die systematische Ausgrenzung von Menschen möglich wurden, wenn demokratische und rechtsstaatliche Grenzen außer Kraft gesetzt werden.
Zum Abschluss wurde der Fall aus der Gegenwart erneut aufgegriffen. Die Jugendlichen sollten sich vorstellen, sie wären Polizistinnen und Polizisten im Nationalsozialismus. Wie hätte die Polizei damals gehandelt? Welche Folgen hätte die damalige Rechtslage für den obdachlosen Menschen gehabt? Der Perspektivwechsel machte einen entscheidenden Unterschied sichtbar: Heute sind polizeiliches Handeln und staatliche Macht an Recht, Grundgesetz und Menschenrechte gebunden. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zeigte eindrücklich, wie wichtig diese rechtsstaatlichen Grenzen für den Schutz jedes einzelnen Menschen sind.
Gedanken für die Zukunft
Zum Abschluss richteten die Schülerinnen und Schüler den Blick nach vorn. Welche Werte sind ihnen wichtig? Wie soll unsere Gesellschaft künftig miteinander umgehen? Und was brauchen wir für ein gerechtes Zusammenleben? Auf zahlreichen Karten hielten die Jugendlichen ihre persönlichen Wünsche, Werte und Hoffnungen fest. Daraus entstand ein gemeinsames Mosaik, das die unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit sichtbar macht. Dieses Mosaik soll nun an das niedersächsische Justizministerium geschickt werden. Damit möchten die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken und Wünsche zur "Woche der Gerechtigkeit" einbringen.
Gerechtigkeit geht uns alle an
"Die Gerechtigkeitswerkstatt verdeutlicht, wie wichtig es ist, junge Menschen zum Nachdenken über Recht, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung anzuregen", sagt Kathrin Schuol, Polizeipräsidentin der Polizeidirektion Lüneburg. "Die Diskussionen haben gezeigt, dass junge Menschen sehr konkrete Vorstellungen davon haben, was Gerechtigkeit für sie bedeutet und wie sie sich ein gutes gesellschaftliches Miteinander vorstellen."
Ein Schüler fasste diesen Wunsch treffend zusammen: "Ich wünsche mir einen fairen Staat in einer gerechten Welt, der moralische Werte wahrt und für ein gesundes Miteinander sorgt."
Wie eine gerechte Gesellschaft aussehen soll, darauf gibt es viele Antworten. Die Gerechtigkeitswerkstatt hat gezeigt, wie wichtig es ist, darüber miteinander ins Gespräch zu kommen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung der Polizeidirektion Lüneburg vom 03.09.2026 gegen 10:17 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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