Polizei-News Rosenheim, 12.08.26: Drei Jahre neun Monate Haft wegen Zwangsarbeit und Ausbeutung in Altötting

Das Zollamt meldet einen aktuellen Fall in Rosenheim von heute (Mi), dem 12.08.26. Was ist heute passiert?

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Der Zoll meldet einen aktuellen Fall (Symbolbild). (Foto) Suche
Der Zoll meldet einen aktuellen Fall (Symbolbild). Bild: picture alliance / dpa / Sina Schuldt

und die Staatsanwaltschaft Traunstein deckten in einem Tatzeitraum von knapp zwei Jahren einen Schaden für die Sozialkassen in Höhe von rund 200.000 Euro auf. Der 36-jährige Schwager des Haupttäters wurde wegen Beihilfe zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zehn Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.Die Traunsteiner Zöllnerinnen und Zöllner kamen dem türkischstämmigen Unternehmer auf die Spur, nachdem sie im Rahmen einer Baustellenprüfung Ungereimtheiten festgestellt hatten. Das daraufhin im Auftrag der Staatsanwaltschaft Traunstein eingeleitete Ermittlungsverfahren führte zur Anklage des 43-Jährigen insbesondere wegen Ausbeutung von Arbeitskräften. Der Haupttäter hatte die persönliche Zwangslage beziehungsweise Hilflosigkeit der ausländischen Arbeitnehmer ausgenutzt und meldete die Arbeitskräfte nicht zur Sozialversicherung an, leistete nur geringe Lohnzahlungen unter dem vorgegebenen Mindestlohn und ließ sie bis zu 14 Stunden täglich an sieben Tagen pro Woche arbeiten. Obwohl ihnen für die bereitgestellten Arbeiterunterkünfte vergleichsweise hohe Mieten vom Lohn abgezogen wurden, mussten die Menschen teilweise zu zweit auf einer Matratze schlafen. Dazu kam, dass die Zöllnerinnen und Zöllner die Unterkünfte in einem vermüllten Zustand mit Ungeziefer- und Schimmelbefall vorgefunden hatten.Der Verurteilte führte einen aufwändigen Lebensstil mit Luxuskarrossen und zahlreichen Immobilien. Im Mai 2025 erwirkte die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen ihn einen Haftbefehl, den der ZOLL vollzog, indem er den Verurteilten in seinem Wohnhaus verhaftete. Seitdem befand er sich in Untersuchungshaft.Wie es überhaupt so weit kommen konnte, stellte sich im Zuge der umfangreichen Ermittlungen heraus. Insgesamt hatte der Haupttäter von 2017 bis 2024 acht Unternehmen geführt. Drei davon befanden sich im Landkreis Altötting und Taufkirchen. Diese befassten sich unter anderem mit Produktions-, Lager- und Kommissionierungstätigkeiten, Installationsaufträgen und vor allem Obstverpackungstätigkeiten. Zur Ablenkung der Behörden hatte der 43-Jährige drei Scheinfirmen mit Sitz in Bulgarien angemeldet. Diese dienten nur dem Zweck, die illegalen Beschäftigungsverhältnisse zu verschleiern, indem Arbeitsnehmerentsendungen innerhalb der Europäischen Union vorgetäuscht wurden. Stattdessen warb der Haupttäter die rund 70 georgischen und ukrainischen Arbeitskräfte illegal über eine Vermittlungsagentur in Georgien an. Sein Schwager unterstützte ihn dabei, Frauen als Obst- und Gemüsesortiererinnen und Männer vorwiegend als Bauarbeiter mit gefälschten EU-Pässen nach Deutschland zu schleusen. Die Arbeitskräfte waren in Deutschland ohne gültige Arbeitserlaubnis tätig.

Das Landgericht Traunstein berücksichtigte die Geständnisse des Haupttäters und seines Schwagers strafmildernd bei der Urteilsfindung. Zur Schadensbegleichung sicherten die Staatsanwaltschaft Traunstein und der ZOLL im Rahmen des Ermittlungsverfahrens Vermögenswerte des Haupttäters in Höhe von 180.000 Euro. Die von der Ausbeutung betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter wurden aus ihrer Zwangslage befreit und sind mittlerweile überwiegend in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

"Wie sich hier zeigt, entwickeln sich Zwangsarbeit und Menschenhandel zur Ausbeutung von Arbeitskräften zunehmend zu einem ernstzunehmenden und wachsenden Problem in der heutigen Arbeitswelt. Betroffen sind oft Personen, die dafür aufgrund ihrer persönlichen Umstände anfällig sind. Wie in diesem Fall werden sie häufig aus dem Ausland angeworben.", so Marion Dirscherl, Pressesprecherin des Hauptzollamts Rosenheim. "Wir setzen uns dafür ein, gegen diese oft prekären und menschenunwürdigen Beschäftigungsverhältnisse vorzugehen. Der ZOLL baut diesbezüglich seine Kräfte kontinuierlich weiter aus."

Zusatzinformation:

Menschenhandel, Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit sind schwere Straftaten. Betroffene arbeiten häufig unter schlechten Bedingungen, erhalten keinen oder zu wenig Lohn oder werden unter Druck gesetzt und ausgenutzt. Oft kennen sie ihre Rechte nicht oder haben Angst, Hilfe in Anspruch zu nehmen.Der Zoll geht im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Menschenhandel im Zusammenhang mit Beschäftigung vor.Menschenhandel außerhalb des Zusammenhangs mit der Ausübung einer Beschäftigung sowie Fälle sexueller Ausbeutung fallen in den Zuständigkeitsbereich der Polizei.Mehr Informationen des ZOLLs zu diesem Thema finden sich unter https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Arbeit/Menschenhandel-Arbeitsausbeutung-Zwangsarbeit/menschenhandel-arbeitsausbeutung-zwangsarbeit_node.html

+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung des Hauptzollamt Rosenheim vom 12.08.2026 gegen 10:53 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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