Polizei-News Giessen, 12.06.26: WETTERAUKREIS - Zeuge erkennt Lovescam und schaltet Polizei ein - weitere Zahlungen an Betrüger verhindert!

Die Polizei informiert über einen aktuellen Fall von Betrug in Giessen. Alle bekannten Details zum Fall.

Erstellt von - Uhr

Die Polizei berichtet über einen aktuellen Fall (Symbolbild). (Foto) Suche
Die Polizei berichtet über einen aktuellen Fall (Symbolbild). Bild: picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck

Wetteraukreis: Zeuge erkennt Lovescam und schaltet Polizei ein - weitere Zahlungen an Betrüger verhindert!

Von Zeit zu Zeit erhält die Polizei Mitteilung über Sachverhalte, die oftmals mit vermeintlich harmlosen Anfragen in sozialen Netzwerken beginnen und nicht selten nach anfänglichen Träumereien ein böses Erwachen nach sich ziehen. Am Ende steht neben großer Scham auch ein immenser finanzieller Schaden. Der Ablauf ist dabei immer ähnlich, teilweise sogar gleich:

Eine Person, die vorgibt einsam zu sein, ist auf der Suche nach Kontakt, nettem Austausch, einem Seelenverwandten oder gar der großen Liebe. Dazu schildert die Person ihre schwierige Lage, die das Gefühl der Einsamkeit vergrößere - zum Beispiel als Arzt in einem Krisengebiet, als Angehöriger der US-Streitkräfte in einer Region, in der Krieg geführt wird oder als alleiniger Erbe eines größeren Vermögens oder gar einer Goldmine, der derzeit einen nahen Verwandten pflegen müsse. Verlagert sich die Kommunikation schließlich auf andere Messengerdienste, wie beispielsweise WhatsApp oder Telegram, nähert sich die neue Bekanntschaft emotional weiter an. Das Gegenüber gaukelt nun vor, dass deutlich stärkere Gefühle als zunächst angenommen vorhanden seien. Im Glauben, die große Liebe gefunden zu haben, werden gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet. Dass es sich bei dem Gegenüber, dem man noch nie begegnet ist, um einen Betrüger handelt, erkennen die Opfer nicht. Es können durchaus mehrere Wochen ins Land ziehen, in denen die Gauner ihre Legende weiter aufbauen, um das Vertrauen zu stärken. Immer wieder werden dabei die baldige Zusammenkunft und das gemeinsame Leben in Deutschland in Aussicht gestellt. Dann allerdings ergeben sich scheinbar plötzlich immer neue Hindernisse, die ein Treffen verhindern - oftmals verbunden mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Die Hoffnung, endlich mit dem neugewonnenen Seelenverwandten zusammenzukommen, verleitet die Opfer dazu, die immer wiederkehrenden Bitten oder gar Forderungen nach finanziellen Unterstützungen zu erfüllen. Natürlich werde das Geld so bald wie möglich zurückgezahlt. Teilweise nehmen Opfer sogar Kredite auf - in der festen Überzeugung, einem lieben Menschen, mit dem man bald seine Zukunft teilen wird, zu helfen.

Diese perfide Betrugsmasche macht sich dabei zum einen die Einsamkeit von Menschen sowie deren Bedürfnis nach Nähe und Vertrautheit zu Nutze und knöpft auf der anderen Seite den Opfern solange Geld ab, wie diese sich von dem Handeln der Betrüger täuschen lassen. Kannte man ein ähnliches Vorgehen früher unter dem Oberbegriff "Heiratsschwindler" mit Zeitungsannoncen, so spricht man heute in diesen Fällen vom "Lovescam". Die Möglichkeiten, die die einfache Kommunikation über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen im Internet bietet, erleichtern den Betrügern dabei ihr Vorgehen erheblich. Das Ziel der Täter ist dabei immer gleich: Möglichst hohe Gewinne einfahren. In erster Linie geht es um die Überweisung von Bargeld. In manchen Fällen "begnügten" sich die Betrüger aber auch mit Wertgegenständen oder Geschenkkarten, die an Supermarktkassen oder in Tankstellen erworben werden können. Diese Karten dienen zumeist als Gutscheinkarte für Streamingportale, Versandhäuser, Online-Händler oder Spielekonsolenhersteller. Die Betrüger veranlassen ihr Opfer, solche Karten im Geschäft zu kaufen und die entsprechenden Codes der Gutscheinkarten zu übermitteln. Sodann werden diese eingelöst. Der Schaden muss dabei nicht geringer ausfallen, als wenn direkt Geld überwiesen wird. Auch hier treiben die Gauner ihr Spiel, bis das Opfer die Tat durchschaut - oder andere aufmerksam werden. So geschehen Ende Mai in einer Tankstelle in Ranstadt.

Dem Betreiber der Tankstelle fiel eine Frau auf, die mehrere Geschenkkarten in einem Gesamtwert von fast 1.000 EUR kaufen wollte. Da die Frau in der Woche zuvor bereits mehrere solcher Karten erworben hatte, regte sich bei dem Tankstellenbetreiber der Verdacht, dass die Frau Opfer von Betrügern geworden sein könnte. Der Mann verständigte die Büdinger Polizei. Diese nahm sofort die Ermittlungen auf, machte die Frau aus dem östlichen Wetteraukreis ausfindig und suchte sie an ihrer Anschrift auf. Eine Streife stellte fest, dass die Frau tatsächlich mit Betrügern in Kontakt steht, die die Übersendung der Codes forderten. Als die Beamten bei der Frau eintrafen, hatte diese bereits den ersten Code im Wert von 100 EUR übersandt. Die Übersendung der weiteren Gutscheincodes im Wert von 850 EUR konnten die Polizisten verhindern. Sie stellten die Gutscheinkarten sicher. Über die Tankstelle konnte im Nachgang eine Rückerstattung der nicht eingelösten Gutscheine veranlasst werden. Wie oft es zuvor bereits zum Kauf und zur Übermittlung von Gutscheinkarten beziehungsweise Codes kam, bedarf weiterer Ermittlungen.

Nicht immer fallen solche Taten auf und nicht immer kann im letzten Moment Schlimmeres verhindert werden. In diesem Fall war es der Aufmerksamkeit des Tankstellenbetreibers und seiner Mitteilung bei der Polizei zu verdanken, dass schnell reagiert werden konnte. Um zu überprüfen, ob es sich bei der neuen Online-Bekanntschaft möglicherweise um einen Betrüger handelt, kann es hilfreich sein deren Namen mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine einzugeben. Falls ein Bild mitgeschickt wurde, kann man über die umgekehrte Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten. Weitere Informationen zum Thema "Lovescam" finden Sie unter www.polizei-beratung.de - "Themen & Tipps" - "Betrug" - "Scamming". Die Polizei empfiehlt außerdem, im Verwandten- und Bekanntenkreis solche Betrugsmaschen zu thematisieren und zu sensibilisieren. Bleiben Sie wachsam und prüfen Sie kritisch. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Vertrauenspersonen, die aus einem anderen Blickwinkel auf die Sache schauen, oder wenden Sie sich an die Polizei, um nicht Opfer von dreisten Betrügern zu werden.

+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung des Polizeipräsidium Mittelhessen vom 12.06.2026 gegen 15:53 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Gießen - Aktuelle Meldungen aus der Region:

/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.