Polizei-News Rheingau-Taunus-Kreis, 08.01.26: Bevölkerungsschutz beim Stromausfall: Was leisten Aggregate bei Steckdosenproblemen?
Die Polizei informiert über ein aktuelles Vergehen in Rheingau-Taunus-Kreis. Alle bekannten Details zum Fall.
Erstellt von Team Datenjournalismus - Uhr
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Der großflächige Stromausfall in Berlin zeigt deutlich, dass auch in Deutschland längere Stromausfälle möglich sind. Ergänzend dazu kam es gestern Abend auch im Rheingau-Taunus-Kreis zu einem mehr als dreistündigen Stromausfall in Taunusstein, ausgelöst durch einen Defekt an einem Erdkabel. Diese Ereignisse machen klar: Stromausfälle können jederzeit auftreten.
Der Rheingau-Taunus-Kreis nimmt diese aktuellen Ereignisse zum Anlass, die Realität eines solchen Szenarios offen zu benennen. "Ein großflächiger oder länger andauernder Stromausfall ist kein Randereignis. Er betrifft alles gleichzeitig", sagt Landrat Sandro Zehner. "Und deshalb sagen wir klar: Wir kommen nicht mit dem Aggregat zu jeder Steckdose. Nicht, weil wir nicht wollen. Sondern weil es faktisch nicht möglich ist."
Ein länger andauernder Stromausfall stellt den Katastrophenschutz vor eine extreme organisatorische, personelle und finanzielle Herausforderung. Bereits die Sicherstellung der eigenen Arbeitsfähigkeit von Leitstelle, Einsatzkräften und Führungsstrukturen erfordert erhebliche Ressourcen, Technik und Fachpersonal.
"Schon dieser Grundbetrieb ist kein Selbstläufer", erklärt Kreisbrandinspektor Christian Rossel. "Er bindet Material, Personal und Logistik in einem Umfang, den sich viele nicht vorstellen. Das ist keine Vorstufe für weitere Leistungen. Das ist bereits die Grenze dessen, was realistisch machbar ist."
Immer wieder entsteht der Eindruck, ein längerer Stromausfall lasse sich durch den Einsatz einiger Notstromaggregate überbrücken. Diese Vorstellung ist falsch. Eine realistische Schätzung zeigt die Dimensionen: Allein die Notstromversorgung von rund 15.000 Haushalten würde Investitionen von etwa 65 Millionen Euro erfordern. Hinzu kämen jährlich mehr als 2 Millionen Euro für Wartung, Lagerung, Personal und Einsatzbereitschaft. Treibstoffkosten im Ereignisfall sind dabei noch nicht enthalten. "Das zeigt sehr deutlich: Es geht nicht darum, einige Aggregate zu beschaffen und zu verteilen", so Rossel. "Es würde dutzende Einspeisepunkte, tiefgreifende Umbauten im Stromnetz, dauerhaftes Fachpersonal und eine funktionierende Treibstofflogistik unter Krisenbedingungen erfordern. Das ist technisch, organisatorisch und finanziell nicht leistbar."
Bei einem länger andauernden Stromausfall tragen private Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen eine Eigenverantwortung für die Aufrechterhaltung ihres Betriebs. Dazu gehört insbesondere die Vorsorge für den Ausfall der Stromversorgung. Diese Verantwortung kann nicht zentral durch den Katastrophenschutz übernommen werden. Der Rheingau-Taunus-Kreis versteht dies ausdrücklich als gemeinsame Aufgabe. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Berlin und des Stromausfalls in Taunusstein wird der Kreis nun gezielt besonders sensible Akteure, darunter Pflegeeinrichtungen und vergleichbare Institutionen, anschreiben und auf ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Beratungsstellen hinweisen.
"Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Vorbereitung", betont Rossel. "Nur wenn alle Beteiligten ihre Rolle kennen und wahrnehmen, bleibt das Gesamtsystem handlungsfähig." Gleiches gilt für Privathaushalte. In einer flächigen Strommangellage kann der Staat keine individuelle Strom- oder Wärmeversorgung für zehntausende Menschen sicherstellen. "Notunterkünfte sind keine Lösung für einen länger andauernden Stromausfall", erklärt Rossel. "Sie sind weder zahlenmäßig noch technisch dafür ausgelegt, ganze Regionen zu versorgen. Allein Energiebedarf, Platz und Personal machen das unmöglich."
Die Einrichtung und der Betrieb zentraler Informations- und Versorgungspunkte stellen bereits eine außergewöhnliche Herausforderung dar und decken nur einen Bruchteil dessen ab, was eine moderne Gesellschaft im Alltag benötigt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellt seit Jahren umfangreiche Informationen zur persönlichen Vorsorge bereit. Diese Empfehlungen sind kein theoretischer Ratgeber, sondern ein zentraler Baustein für das Funktionieren des Gesamtsystems.
"Ein Stromausfall dieser Größenordnung ist nur gemeinsam zu bewältigen", betont Landrat Sandro Zehner. "Staat, Einrichtungen, Unternehmen und Bevölkerung müssen jeweils ihren Teil beitragen. Ohne Eigenvorsorge funktioniert es nicht. Und ohne ehrliche Kommunikation auch nicht."
Dem Rheingau-Taunus-Kreis ist bewusst, dass sich viele Menschen eine umfassendere staatliche Absicherung wünschen. Auch die Einsatzkräfte würden sich wünschen, mehr leisten zu können. Gleichzeitig müssen die realen Grenzen offen benannt werden. "Wir tun alles, was möglich ist", sagt Zehner. "Aber wir müssen auch sagen, was nicht möglich ist. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung gegenüber der Bevölkerung."
Der Rheingau-Taunus-Kreis ruft Medien und Bevölkerung dazu auf, die Dimensionen eines großflächigen Stromausfalls realistisch einzuordnen und die eigene Vorsorge ernst zu nehmen. Nur als gemeinsame Aufgabe kann eine solche Lage bewältigt werden.
Ausführliche Informationen zur Vorsorge bei einem Stromausfall mit Checklisten stellt das BBK online bereit: https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung- Vorsorge/Vorsorge/Stromausfall/stromausfall_node.html
+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung des Feuerwehr, Katastrophenschutz vom 08.01.2026 gegen 13:00 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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