Experten schlagen Alarm: Bundesamt warnt vor Organschäden durch E-Zigaretten
Sogenannte "Cooling Agents" sorgen in E-Zigaretten für ein angenehmes Gefühl im Rachen. Was viele nicht wissen: Die Kühlstoffe können sich fatal auswirken, wie eine Warnung des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) zeigt.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- BfR warnt: Kühlstoffe in E-Zigaretten sind alle extrem schädlich
- So könnte angenehmer Eukalyptus-Geschmack mehrere Organe schädigen
- Ein Verbot für bestimmte Inhaltsstoffe befindet sich bereits in Planung
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Experten schlagen Alarm: Sogenannte "Cooling Agents" in E-Zigaretten-Liquids können langfristig erhebliche Organschäden auslösen. Dem Bericht des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) zufolge gilt dies für sämtliche bisher untersuchten Kühlstoffe. Nutzer verbrauchen im Schnitt etwa fünf Milliliter Liquid pro Tag - allein diese Menge kann zu schweren gesundheitlichen Konsequenzen führen.
Was steckt hinter den Kühlstoffen in E-Zigaretten?
Bei den "Cooling Agents" handelt es sich um verschiedene chemische Verbindungen, die den E-Liquids für ein erfrischendes Gefühl in Mund und Rachen zugesetzt werden. Viele dieser Substanzen sind geschmacks- und geruchsneutral, während andere wie Menthol einen charakteristischen Eigengeschmack mitbringen.
Das BfR hat insgesamt neun dieser Stoffe genauer unter die Lupe genommen, darunter neben Menthol auch Menthylacetat und Eucalyptol. Die meisten Kühlstoffe werden synthetisch hergestellt - wobei die Dosierung in den verschiedenen Produkten nicht immer gleich ist. Das führt teils dazu, dass Konzentrationen sehr hoch sein können. Hinzu kommt, dass viele Hersteller für ihre Liquids nicht nur einen, sondern mehrere Kühlstoffe nutzen. Das BfR kennt Mischungen mit bis zu acht verschiedenen Kühlstoffen.
Schon geringe Mengen können Organe angreifen
Für die Risikobewertung zog das BfR hauptsächlich Tierstudien heran, da öffentlich zugängliche Daten zur Wirkung beim Einatmen praktisch nicht existieren. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Bei drei Substanzen (WS-12, Frescolat MGA und Menthyllactat) lassen sich gesundheitliche Schäden bereits bei einem täglichen Konsum von nur einem Milliliter nicht ausschließen.
Verbindliche Grenzwerte für Kühlstoffe gibt es bislang nicht. Das BfR orientierte sich daher am sogenannten NOAEL-Wert, der die höchste Dosis ohne nachweisbare Schäden in Versuchen angibt. In den Tierexperimenten zeigten sich vor allem Beeinträchtigungen von Leber und Niere, welche Schäden an Menschen hervorgerufen werden könnten, bleibt allerdings unklar.
Die tatsächliche Belastung könnte sogar höher ausfallen als in den Einzelbewertungen ermittelt. "In der realen Anwendung könnte die Gesamt-Exposition gegenüber Kühlstoffen jedoch höher ausfallen, da viele E-Liquids Mischungen mehrerer Kühlstoffe enthalten", betonen die Experten.
Ministerium plant Verbot von 13 Inhaltsstoffen
Das Bundesernährungsministerium reagiert auf die Warnungen und hat eine Änderung der Tabakerzeugnisverordnung eingeleitet. Künftig sollen 13 Aroma- und Kühlstoffe in E-Zigaretten nicht mehr erlaubt sein, wie das "Deutsche Ärzteblatt" berichtet. Auch Menthol steht auf der Verbotsliste - bei herkömmlichen Zigaretten ist der Stoff EU-weit bereits seit 2020 untersagt.
Das Ministerium begründet den Schritt mit dem Einstiegseffekt der Kühlstoffe: Das Kältegefühl überdecke den Geschmack und erleichtere so den Beginn des Rauchens. Besonders der Schutz von Kindern und Jugendlichen steht dabei im Vordergrund. Der Verordnungsentwurf befindet sich derzeit in der Regierungsabstimmung, anschließend können Länder und Verbände Stellung nehmen.
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sfx/bua/news.de/stg
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