Friedrich Merz immer unbeliebter: Umfrage-Experte erklärt 3 alarmierende Gründe für den Bundeskanzler-Abstieg
Friedrich Merz ist nach seinem ersten Jahr als Bundeskanzler in den Umfragen ins Bodenlose gestürzt. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Von news.de-Redakteurin Claudia Löwe
12.05.2026 15.11
- Friedrich Merz stürzt in Umfragen ins Bodenlose
- Bundeskanzler rauscht von über 40 Prozent auf unter 15 Prozent Zustimmung - in nur einem Jahr
- Forsa-Chef erklärt, welche Fehler Friedrich Merz ins verderben stürzten
Am Abend des 12. Mai 2026 kommen die Spitzen von Union und SPD erneut im Koalitionsausschuss zusammen, um über Entlastungen angesichts der hohen Energiepreise, über den Haushalt und den weiteren Reform-Fahrplan zu beraten. Es ist die erste Sitzung des zentralen Steuerungsgremiums der Koalition seit dem berüchtigten Treffen vor einem Monat in der Villa Borsig, das als Kristallisationspunkt der aktuellen Krise des Regierungsbündnisses gilt. Damals wollten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Co. endlich ihre großen Sozial- und Steuerreformen in die Spur bringen. Nach zwei Tagen teils lautstarkem Ringen in der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen Amts, blieben die Ergebnisse im Vergleich zu den Erwartungen der Öffentlichkeit aber mau.
Schwarz-rot trifft sich erneut im Koalitionsausschuss - wann kommen nach den Luftnummern endlich Ergebnisse?
Den zuletzt beschlossenen Tankrabatt musste Bundeskanzler Merz inzwischen als praktisch gescheitert abhaken, auch die geplante Entlastungsprämie von steuerfreien 1.000 Euro für Arbeitnehmer entpuppte sich nach der Ablehnung durch den Bundesrat als Luftnummer. Kann Schwarz-rot beim neuen Anlauf im Koalitionsausschuss die Wogen glätten und praktikable Konzepte entwerfen, die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger entlasten? Als denkbar gelten Maßnahmen wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale, eine Senkung der Stromsteuer für alle oder Direktzahlungen.
AfD überholt Union und SPD in Wahlumfragen - Friedrich Merz stürzt ins Bodenlose
Im Koalitionsausschuss wird zudem am Bundeshaushalt geschraubt werden müssen, der noch Milliardenlücken aufweist. Nicht zuletzt steht auch das große Ganze auf der Agenda, denn: Seit den für die SPD ganz und für die CDU halb verpatzten Landtagswahlen im März läuft es gar nicht mehr für die Koalition. Die AfD zieht den Regierungsparteien in den Umfragen davon, der Bundeskanzler kommt auf historisch schlechte Beliebtheitswerte und ob er mit seinem Vizekanzler Klingbeil wirklich noch als Achse der Stabilität in der Koalition taugt, wird bezweifelt.
Meinungsforscher entsetzt: Tiefer Fall von Bundeskanzler Merz hat historische Dimension
Die auffällig miserablen Umfragewerte, die Friedrich Merz zuletzt einstecken musste, hat nun Dr. Peter Matuschek, seines Zeichens Geschäftsführer der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, im Podcast-Gespräch mit Paul Ronzheimer von der "Bild" eingeordnet. Dass die schwarz-rote Bundesregierung im Allgemeinen und Bundeskanzler Friedrich Merz im Speziellen nach nur einem Jahr im Amt eine derartige Umfrage-Bauchlandung hinlegt, überrascht selbst altgediente Meinungsforscher wie Dr. Peter Matuschek, der sein Erstaunen mit den Worten "Das haben wir so bisher noch nicht gesehen" zusammenfasst.
Schwarz-rot verliert Wähler-Vertrauen in nur einem Jahr - nur 13 Prozent loben Merz' Arbeit als Bundeskanzler
Den Experten verblüfft vor allem, dass die Bundesbevölkerung in rekordverdächtig kurzer Zeit das Vertrauen in die schwarz-rote Bundesregierung verloren habe. Dr. Peter Matuschek zufolge seien auch frühere Regierungen von sinkenden Umfragewerten betroffen gewesen, bei Friedrich Merz und seinem Kabinett sei die Lage jedoch besonders düster. Als Forsa zuletzt Anfang Mai in der Bevölkerung nachfragte, konnten CDU und CSU nur magere 22 Prozent Zustimmung verbuchen, für die Sozialdemokraten reichte es lediglich für 12 Prozent, während die rechtsextreme AfD 27 Prozent und damit den Spitzenplatz einnahm. 87 Prozent der Befragten gaben an, mit der Arbeit der schwarz-roten-Regierung unzufrieden zu sein, nur 13 Prozent konnten Friedrich Merz' Kurs lobende Worte aussprechen, während 85 Prozent der Befragten mit dem Bundeskanzler unzufrieden sind.
Friedrich Merz "nicht sympathisch, nicht vertrauenswürdig" - in den Umfragen geht's steil bergab
Für Dr. Peter Matuschek ein historischer Tiefstwert, wie er im Gespräch mit Paul Ronzheimer sagte: "Es gab Ups and Downs bei früheren Amtsinhabern. (...) Das Problem bei Merz ist natürlich, dass er schon vielen Leuten bekannt war. Wenn wir seine Beliebtheitswerte von 2000 anschauen, als er der Fraktionsvorsitzender im Bundestag war, da hatte er im Grunde ja schon die die Kinderkrankheiten, die er heute auch noch mit sich rumträgt. Das haben wir auch im Wahlkampf gesehen. Er wirkt auf viele nicht sympathisch, nicht vertrauenswürdig."
Umfrage-Experte erklärt Friedrich Merz' drei folgenschwerste Fehler
Und weiter: "Dass jemand unter 15 Prozent Zufriedenheit bekommen hat, das haben wir so bisher noch nicht gesehen." Friedrich Merz' Abstieg binnen eines Jahres von über 40 Prozent auf unter 15 Prozent sei an mehreren Punkten festzumachen, so der Forsa-Chef:
- "Wenn wir die Leute fragen, die mit [Friedrich Merz] unzufrieden sind, was stört euch denn an seiner Amtsführung, dann kommen eigentlich drei Punkte."
- "Das erste ist, dass er vollmundige Ankündigungen macht und daraus nichts folgt. Also diese ständigen Ankündigungen, der Herbst der Reformen, 'wir drehen die Stimmung der Wirtschaft'."
- "Das andere ist, dass er seine Wahlversprechen zum Teil nicht gehalten hat."
- "Und das Dritte ist, dass er keine Führungsstärke hat. Das ist der dritte Kritikpunkt, der häufig genannt wird, also keine einheitliche Linie. Er führt nicht, er führt auch die Regierung nicht zusammen. Ist ja eine ähnliche Kakophonie wie unter der unter der Ampelregierung und das schadet ihm natürlich massiv und damit auch der ganzen Regierung."
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