Politik

Wladimir Putin in der Klemme: Schwerer Schlag für Putins Kriegskasse - Propagandist poltert gegen Nato-Staat

Wladimir Putins Entscheidung, Benzin-Exporte infolge der anhaltenden Angriffe auf den Öl- und Gashafen Ust-Luga zu stoppen, beutelt die russische Kriegskasse schwer. Bild: picture alliance/dpa/Sputnik | Aleksey Nikolskyi

  • Artikel teilen:
  • Ust-Luga unter Beschuss: Ukraine nimmt Wladimir Putins Ölhafen ins Visier
  • Angst vor Drittem Weltkrieg wächst nach Propagandisten-Gepolter in russischem Staatsfernsehen
  • Russischer Militärexperte beschuldigt Großbritannien als Drahtzieher von Ölhafen-Angriffen

In Wladimir Putins seit mehr als vier Jahren tobendem Angriffskrieg gegen die Ukraine beschränken sich die ukrainischen Streitkräfte nicht mehr darauf, sich gegen die russischen Attacken zur Wehr zu setzen. Immer wieder ist von gezielten Angriffen von ukrainischer Seite gegen kriegswichtige Einrichtungen und kritische Infrastruktur zu lesen - zuletzt wurde wiederholt der russische Öl- und Gashafen Ust-Luga an der Ostsee bei St. Petersburg von ukrainischen Langstreckendrohnen angegriffen.

Ukraine-Krieg aktuell: Wiederholte Luftangriffe auf Wladimir Putins Öl- und Gashafen Ust-Luga

Über den Hafen Ust-Luga verschifft Russland Öl und Flüssigerdgas. Wegen der hohen Energiepreise aufgrund des Iran-Krieges könnte Wladimir Putin aktuell mit dem Export zusätzlich Geld für seine Kriegskasse verdienen. Die ukrainische Armee hat jedoch in mehreren Nächten Ust-Luga, den Ölhafen Primorsk und die Großraffinerie Kirischi attackiert, um die Energieausfuhren zu stören. Die russische Flugabwehr konnte nicht verhindern, dass Tanklager in Brand geschossen und technische Anlagen beschädigt wurden - ein Debakel für Wladimir Putin, das auch seine Propagandisten toben lässt.

Putin-Propagandist erhebt schwere Vorwürfe nach Drohnenbeschuss von Ostsee-Ölhafen

Im russischen Staatsfernsehen wurden im Bezug auf die ukrainischen Angriffe schwere Vorwürfe gegen Großbritannien erhoben. Wie der britische "Daily Express" schreibt, behauptet der russische Militärexperte und Pro-Putin-Propagandist Wladislaw Schurygin, dass Großbritannien bei den ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Ölhäfen in der Ostsee im Hintergrund die Fäden ziehe. Der Chefredakteur von "Schurnalistskaja Prawda"polterte drauflos: "Wir müssen verstehen, dass wir es mit einer echten Spezialoperation zu tun haben, genau im Londoner Stil, der klassischen Art." Und weiter: "Es liegt auf der Hand, dass die Ukraine selbst niemals die Entscheidung getroffen hätte, in den Nato-Luftraum einzudringen, um russische Ölhäfen in der Region St. Petersburg anzugreifen. Sie wissen nur zu gut, wie das enden würde. Der Hauptakteur, sowohl in den baltischen Ländern als auch besonders in der Ukraine, ist London", behauptete der Putin-treue Journalist.

Für Schurygins Anschuldigungen gibt es jedoch keinerlei Belege. Wahrscheinlicher ist, dass ukrainische Drohnen durch russische elektronische Kriegsführung vom Kurs abkamen und dabei in den Luftraum der Nato-Mitgliedsländer Finnland und Estland gerieten.

Ust-Luga unter Beschuss: Putins Ölhafen von Ukraine-Drohnen ins Visier genommen

Ust-Luga unter Beschuss: Der russische Öl- und Gashafen an der Ostsee ist binnen weniger Tage mehrmals zum Ziel ukrainischer Drohnenangriffe geworden. Bild: picture alliance/dpa | Igor Russak

Der Ölhafen Ust-Luga am südöstlichen Ufer des Finnischen Meerbusens wurde zuletzt mehrfach von ukrainischen Drohnen getroffen. Es handelt sich bereits um den sechsten Angriff innerhalb von neun Tagen. Die Attacken verursachten massive Störungen am Hauptflughafen von St. Petersburg, Pulkowo, wo dutzende Flüge Verspätungen erlitten. Drohnen wurden über den Bezirken Kingisepp nahe der estnischen Grenze sowie Wyborg an der finnischen Grenze gesichtet. Ein Finnair-Flug von Helsinki nach Tartu musste wegen einer Drohnenwarnung umkehren. Zuvor war eine ukrainische Drohne mit nicht explodiertem Sprengkopf auf finnischem Territorium niedergegangen. Russland meldete den Abschuss dutzender ukrainischer Drohnen. In der Nähe von Ust-Luga wurden Schäden und Verletzte gemeldet.

Nato-Staaten verteidigen ukrainisches Recht auf Selbstverteidigung

Trotz der Vorfälle mit "umherirrenden" Drohnen fordert Finnland keinen Stopp der ukrainischen Angriffe. Außenministerin Elina Valtonen stellte klar: "Die Ukraine darf sich verteidigen. Wir stellen keine Forderungen an die Ukraine bezüglich der Ziele, die sie in Russland angreifen will."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte unterdessen Gesprächsbereitschaft. Er bot an, die Angriffe auf russische Energieanlagen einzustellen, falls Wladimir Putin seinerseits ukrainische Energieinfrastruktur verschone. "Wenn Russland bereit ist, keine ukrainischen Energieziele anzugreifen, werden wir nicht gegen deren Energiesektor zurückschlagen", erklärte Selenskyj.

Wladimir Putin stellt Sprit-Exporte ein - russische Kriegskasse empfindlich getroffen

Die anhaltenden Drohnenangriffe auf Ust-Luga und den Hafen Primorsk haben Russlands Ölexporte schwer beschädigt. Die Ausfälle treffen Putins Kriegskasse empfindlich, während gleichzeitig die Weltmarktpreise steigen. Als Reaktion auf steigende Benzinpreise im Inland ordnete der russische Vize-Premierminister Alexander Nowak einen vorübergehenden Exportstopp an. Das Energieministerium soll eine Verordnung ausarbeiten, die sämtliche Benzinausfuhren vom 1. April bis zum 31. Juli 2026 untersagt. Ziel ist die Stabilisierung der heimischen Preise und die Sicherstellung ausreichender Versorgung. Laut dem Institute for the Study of War hat Nowak zudem führende Geschäftsleute aufgefordert, die Regierung finanziell zu unterstützen. Moskau suche demnach "verzweifelt nach wirtschaftlicher Entlastung".

Weitere thematisch passende Beiträge haben wir hier für Sie zusammengefasst:

/news.de/dpa/stg

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.