Tino Chrupalla bloßgestellt: Markus Lanz zerlegt AfD-Chef live im Fernsehen
AfD-Chef Tino Chrupalla kritisiert Trump bei Markus Lanz und weicht bei Parteiskandal aus Bild: picture alliance/dpa | Silas Stein
Von news.de-Redakteurin Mia Lada-Klein
13.03.2026 05.04
- Tino Chrupalla kritisiert militärisches Vorgehen im Iran-Konflikt
- AfD-Chef zeigt sich deutlich enttäuscht von Donald Trump
- Diskussion über Vetternwirtschaft und mögliche Scheinbeschäftigungen in der AfD
In der aktuellen Ausgabe der "Talkshow Markus Lanz" stand AfD-Chef Tino Chrupalla im Mittelpunkt der Diskussion. Moderator Markus Lanz konfrontierte den Politiker sowohl mit außenpolitischen Differenzen innerhalb der Partei als auch mit Vorwürfen rund um mögliche Vetternwirtschaft. Besonders deutlich äußerte sich Chrupalla aber über den Kurs von Donald Trump.
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Tino Chrupalla äußert Kritik an militärischem Vorgehen im Iran-Konflikt
Zu Beginn der Sendung vom 11. März 2026 ging es um die Haltung der AfD zur aktuellen Eskalation im Konflikt mit dem Iran. Lanz wollte wissen, wie Chrupalla zu gezielten Tötungen politischer Führungsfiguren steht. Der AfD-Politiker machte deutlich, dass er solche Maßnahmen grundsätzlich kritisch sieht. Seiner Einschätzung nach sei es auch problematisch, wenn ein Staatsoberhaupt auf diese Weise getötet werde, unabhängig davon, wie man dessen Politik bewerte. Zudem sprach Chrupalla von einem möglichen Verstoß gegen das Völkerrecht und stellte infrage, welche strategischen Ziele mit einem solchen Vorgehen verfolgt würden. Aus seiner Sicht müsse ein politischer Wandel im Iran aus der Bevölkerung selbst heraus entstehen. Auf die zugespitzte Nachfrage von Lanz, ob Angriffe auf zivile Einrichtungen Kriegsverbrechen darstellen könnten, antwortete Chrupalla deutlich. Würden etwa Schulen getroffen, sei das seiner Meinung nach klar als Kriegsverbrechen zu bewerten.
Uneinigkeit innerhalb der AfD wird sichtbar
Im Gespräch kam auch zur Sprache, ob diese Position innerhalb der AfD einheitlich vertreten wird. Chrupalla vermied eine eindeutige Antwort und erklärte, er könne nicht beurteilen, wie alle Mitglieder der Partei darüber denken. Lanz zeigte sich irritiert und betonte, eine Partei müsse in außenpolitischen Fragen eine klare Linie haben. Der AfD-Chef entgegnete, die Bundestagsfraktion habe eine gemeinsame Haltung, räumte jedoch ein, dass es in verschiedenen Themenbereichen unterschiedliche Mehrheitsmeinungen geben könne. Der ebenfalls im ZDF-Studio anwesende Journalist Frederik Schindler wies darauf hin, dass sich die Position der AfD im Laufe der Jahre verändert habe. Früher habe sich die Partei deutlich stärker an der Seite Israels positioniert und gleichzeitig eine stark islamkritische Linie verfolgt.
Tino Chrupalla übt deutliche Kritik an Donald Trump
Trotz seiner grundsätzlichen Unterstützung für das israelische Volk betonte Chrupalla, dass auch die israelische Regierung kritisiert werden müsse. Freundschaft bedeute nicht, politische Entscheidungen unkommentiert hinzunehmen. Besonders überraschend fiel seine Einschätzung aber zu US-Präsidenten Donald Trump aus. Chrupalla erklärte, viele US-Bürger seien kriegsmüde und wollten keine weiteren militärischen Konflikte. Aus diesem Grund müsse Trump seine außenpolitischen Entscheidungen gegenüber den eigenen Wählern erklären.
Tino Chrupalla sagte, dass heute sogar Stimmen von einem "Kriegspräsidenten" sprechen. Er zeigte sich maßlos enttäuscht von Donald Trump, insbesondere wegen dessen Wahlversprechen und Ankündigungen. Im Wahlkampf habe Trump Kamala Harris vorgeworfen, sie würde einen Dritten Weltkrieg beginnen. Nun stehe man jedoch an der Schwelle dessen, dass möglicherweise unter Trump selbst ein solcher Konflikt ausgelöst werde. Diese Wortbrüche nehme er ihm übel und auch viele Amerikaner täten das. Laut Chrupalla lehnten die US-Bürger einen Krieg gegen den Iran sogar noch deutlicher ab als die Deutschen.
Vorwürfe zu familiären Beschäftigungen sorgen für Druck
Im zweiten Teil der Sendung rückte ein weiterer Streitpunkt in den Fokus: mögliche Verflechtungen innerhalb der AfD-Fraktion bei der Beschäftigung von Angehörigen. Mehrere Fälle gegenseitiger Anstellungen von Familienmitgliedern stehen derzeit in der Kritik. Chrupalla verteidigte die bestehenden Arbeitsverhältnisse und betonte, dass alle Verträge rechtlich zulässig seien.
Weitere Enthüllungen angekündigt
Journalist Frederik Schindler widersprach und erklärte, dass noch weitere Fälle bekannt werden könnten. Zudem stünden in einigen Situationen mögliche Scheinbeschäftigungen im Raum. Sollten sich solche Vorwürfe bestätigen, wären sie tatsächlich illegal. Chrupalla reagierte darauf zurückhaltend und betonte, dass entsprechende Anschuldigungen erst bewiesen werden müssten. Gleichzeitig machte er klar, dass interne Probleme seiner Partei nicht öffentlich ausgetragen werden sollten. Solche Angelegenheiten würden innerhalb der Partei geklärt.
AfD-Chef Tino Chrupalla verspricht Aufklärung
Zum Ende der Diskussion wollte Moderator Lanz wissen, ob die AfD die Vorwürfe umfassend untersuchen werde. Chrupalla versicherte, dass Glaubwürdigkeit für seine Partei entscheidend sei. Daher werde man die Angelegenheit aufklären. Wie genau diese Untersuchung aussehen soll, ließ der AfD-Chef allerdings offen.
Die komplette "Markus Lanz"-Sendung vom 11.03.2026 finden Sie in der ZDF-Mediathek zum Abruf.
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