Unternehmen und NS-Zeit: Kühne+Nagel plant unabhängige Untersuchung zur NS-Zeit
Welche Rolle hat Kühne+Nagel in der Maschinerie des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg gespielt? Und warum wurden diese Fragen nicht längst geklärt?
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Der Verwaltungsrat von Kühne+Nagel will sich mit der Rolle des Logistikkonzerns während des Nationalsozialismus befassen. Das bestätigt ein Sprecher des Unternehmens. Der im August gestorbene langjährige Mehrheitsaktionär Klaus-Michael Kühne hatte sich zeitlebens dagegen gewehrt.
Wann genau das Thema in Angriff genommen wird, ist noch nicht entschieden. Der Sprecher sagt lediglich: "Der Verwaltungsrat der Kühne+Nagel International AG wird sicher innert nützlicher Zeit mit dem Thema befassen."
Dem Vernehmen nach geht es um eine unabhängige Untersuchung, die in den nächsten Monaten in Angriff genommen werden soll. Die Spedition wurde 1890 in Bremen gegründet und verlegte ihren Firmensitz Ende der 1960er Jahre in die Schweiz.
Bislang hatte das Unternehmen immer gesagt, die Firmenarchive seien im Zweiten Weltkrieg durch die Zerstörung der Bürohäuser in Bremen und Hamburg weitgehend verloren gegangen. 2015 hieß es in einer Stellungnahme, Kühne+Nagel sei wie andere in die Kriegswirtschaft Nazi-Deutschlands "eingebunden" gewesen und habe "in dunklen und schwierigen Zeiten seine Existenz behaupten" müssen. Eingeräumt wurde, dass das Unternehmen in Transporte von beschlagnahmten Gütern Verfolgter involviert war.
"Kühne Nagel ist sich der schändlichen Vorkommnisse während der Zeit des Dritten Reiches bewusst und bedauert sehr, dass es seine Tätigkeit zum Teil im Auftrag des Nazi-Regimes ausgeübt hat", hieß es weiter. Allerdings müssten die Verhältnisse in der Diktatur berücksichtigt werden.
Das Unternehmen hatte auch einen jüdischen Mitgesellschafter, Adolf Maass. Der verließ das Unternehmen 1933. Unter welchen Umständen ist unklar. Kühnes Vater Alfred und dessen Bruder führten die Firma allein weiter. Maass wurde später deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Klaus-Michael Kühne hat seinen Vater stets verteidigt. Er sei kein Nazi gewesen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de