Essen: Thyssenkrupp will Stahlsparte doch behalten - vorerst

Zuletzt gab es kaum Fortschritte in den Übernahmegesprächen mit dem indischen Konzern Jindal. Und die Rahmenbedingungen beim Stahl haben sich zuletzt verbessert.

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Aktuelle Nachrichten aus und über Essen hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / Tupungato

Der Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Stahlsparte doch nicht mehr an den indischen Konkurrenten Jindal verkaufen. Die beiden Unternehmen haben einer Mitteilung zufolge entschieden, die seit September vergangenen Jahres laufenden Gespräche auf Eis zu legen. Die Neuaufstellung des Segments solle aus eigener Kraft konsequent vorangetrieben werden, um den Stahlbereich erfolgreich und profitabel aufzustellen, hieß es in Essen. Mittelfristig will sich Thyssenkrupp aber weiter vom Stahlgeschäft trennen.

Gründe für die Entscheidung, nicht mehr mit dem indischen Unternehmen über die Stahlsparte zu verhandeln, sind zum einen die besseren Rahmenbedingungen für Stahlhersteller in Europa und zum anderen die Fortschritte bei der Sanierung der Sparte.

"Die Europäische Union hat die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen", hieß es in der Mitteilung vom Samstag. Zudem wolle die EU die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter stärken.

Sparte soll für die Selbstständigkeit fit gemacht werden

"Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft", sagte Thyssenkrupp-Chef Miguel López laut Mitteilung. "Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr."

Vor diesem Hintergrund bleibe mittelfristig eine Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe mit einer eventuellen Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG das erklärte Ziel. Jindal sei während der gesamten Gespräche ein konstruktiver und engagierter Partner gewesen. "Wir haben jedoch gemeinsam beschlossen, die Verhandlungen vorerst auszusetzen."

Die IG Metall warnte vor einer "Hängepartie". Es müsse einen klaren Schnitt und ein Ende der Gespräche mit Jindal Steel International ohne Hintertür geben, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Kerner, laut Mitteilung. Man teile die Analyse zu den Zukunftsaussichten: Mit der Neuaufstellung des Stahlbereichs auf Grundlage des mit der IG Metall vereinbarten Sanierungstarifvertrags entstehe ein wirtschaftlich stabiles Unternehmen.

Thyssenkrupp und Jindal Steel hatten Mitte September bekannt gemacht, dass der familiengeführte indische Konzern die Stahlsparte kaufen will und bereits ein unverbindliches Angebot abgegeben hat. Das für Firmenübernahmen und -verkäufe zuständige Vorstandsmitglied Volkmar Dinstuhl hatte bei der Vorlage der Jahreszahlen im Dezember gesagt, dass das Angebot auf eine mehrheitliche Übernahme abziele. Knackpunkt in den Verhandlungen sollen milliardenschwere Pensionsverpflichtungen der Sparte gewesen sein.

Unternehmen unter dem Dach einer Finanzholding

Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte zuletzt bei der Hauptversammlung Ende Januar für den Umbau des Traditionskonzerns geworben. "Lange Zeit wurde Thyssenkrupp als integrierter Industriekonzern geführt", sagte López vor den Aktionären. Strategische Entscheidungen seien in der Zentrale in Essen getroffen worden. "In Zukunft wird die Thyssenkrupp AG eine Finanzholding sein – eine Beteiligungsgesellschaft, die grundsätzlich Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach vereint."

Die Segmente werde man Schritt für Schritt in die Eigenständigkeit führen. Dies bedeute mehr Flexibilität, mehr Geschwindigkeit und einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. "Damit heben wir Werte, die bislang im Unternehmen verborgen waren", so López. Zum Stahlbereich hieß es damals lediglich: "Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch."

Die Umsetzung der "Aces 2030" genannten neuen Strategie hat bereits begonnen. Die Marinesparte TKMS etwa brachte Thyssenkrupp im vergangenen Herbst an die Börse. Das Unternehmen ist mittlerweile wie die Muttergesellschaft im Börsensegment MDAX gelistet.

Thyssenkrupp hat gut 93.000 Beschäftigte

Thyssenkrupp ist in fünf Segmenten tätig: Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grüne Technologien. Ende September 2025 beschäftigte das Unternehmen gut 93.000 Menschen. Die angeschlagene Stahlsparte ist Deutschlands größter Stahlhersteller. Ende September waren hier noch rund 26.000 Menschen beschäftigt. Ein harter Sanierungskurs soll die Sparte wieder wettbewerbsfähig machen. Er sieht den Abbau und die Auslagerung von Tausenden Stellen vor.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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