Bahn: Angeschlagene Bahn: Schnieder sorgt sich um Demokratie

Die vier Gegner der Deutschen Bahn? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es ist einer der harmlosen Witze über das Unternehmen. Aus Sicht des zuständigen Ministers ist die Lage viel ernster.

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Aktuelle Nachrichten zum Thema Bahnverkehr lesen Sie hier auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / ON-Photography

Das Wetter oder die Deutsche Bahn. Es gibt wohl nur wenige Themen, über die man schneller ins Gespräch kommt - und meistens, weil man sich ärgert. Ewige Verspätungen oder der Zug fällt gleich aus, natürlich die veränderte Wagenreihung oder plötzliche Gleiswechsel wenige Minuten vor Abfahrt. Oder das Bordbistro ist geschlossen, die Toiletten verstopft. Kurz gesagt: Oft genug gilt die Bahn als Lachnummer, der Ton zwischen Zynismus und Resignation.

Diese Haltung löst bei Verkehrsminister Patrick Schnieder große Sorgen aus. Er warnt, der Zustand des bundeseigenen Konzerns sei eine Gefahr für die Demokratie. "Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung", sagte der CDU-Politiker der Funke Mediengruppe auf eine entsprechende Frage. "Wir dürfen nicht einreißen lassen, dass die Menschen glauben, der Staat bekommt Probleme wie marode Brücken oder notorisch verspätete Züge nicht in den Griff. Wir müssen zeigen, dass wir handlungsfähig sind."

Bahnchefin Palla: Realistischer Ton, klare Kante - reicht das?

Wer klagt, dass früher alles besser war und die Bahn pünktlich, verweist auch auf um Jahre verzögerte Großprojekte wie den Hauptstadtflughafen BER, die Elbphilharmonie in Hamburg oder den Stuttgarter Bahnhof S21. Als Beleg, dass die deutsche Ingenieurskunst, lange weltweit führend, im Niedergang sei. Doch die größte Dauerbaustelle bleibt die Bahn.

Mit der neuen DB-Chefin Evelyn Palla, seit Oktober 2025 im Amt, sei bereits ein deutlich realistischerer Ton in den Bahntower eingezogen, loben Beobachter. Die Managerin findet deutliche Worte für die Entwicklung der vergangenen Jahre, sie will keine unerfüllbaren Erwartungen schüren. Die Pünktlichkeit solle dieses Jahr bei 60 Prozent liegen, kündigte Palla an und warnte, die Modernisierung des maroden Schienennetzes - Voraussetzung, um überhaupt wieder in die Nähe eines weitgehend pünktlichen Betriebs zu kommen - werde zehn Jahre dauern.

Welche schnellen Maßnahmen helfen sollen

Vor wenigen Tagen stellte eine "Taskforce" ein Maßnahmenbündel vor, das verstopfte zentrale Knotenpunkte entlasten und schnell Fortschritte im Schienenverkehr ermöglichen soll. Nicht nur bei der Deutschen Bahn, auch bei anderen Anbietern und im Warenverkehr. Genannt wurden unter anderem "Jokergleise" - also Gleise in Bahnhöfen, die freigehalten werden, um auf Störungen flexibler reagieren zu können - oder "Flex-Abfahrten": Züge sollen künftig leicht vor der offiziell angegebenen Zeit abgefertigt werden, beispielsweise eine Minute, um pünktlicher loszufahren.

Es sollen erste Schritte sein. "Die Maßnahmen werden in den kommenden Monaten umgesetzt und Anfang 2027 überprüft", kündigt Schnieder an - und bremst sofort: "Die Pünktlichkeit wird sich nicht um fünf, sechs oder sieben Prozentpunkte steigern." Investitionen in die Infrastruktur bräuchten eben ihre Zeit. Zudem ist die Bahn stark defizitär, 2025 machte sie 2,3 Milliarden Euro Verlust. Palla will sparen, streicht zahlreiche Führungspostionen und verkleinert demonstrativ den Vorstand.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Tarek Al-Wazir fordert, die Bahn müsse vom Bund noch stärker unterstützt werden. "Bahnchefin Palla hat den richtigen Kurs eingeschlagen, braucht dafür aber deutlich mehr Rückhalt aus der Bundesregierung", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es ist nicht zu erklären, dass das Sondervermögen nicht komplett zusätzlich für Investitionen genutzt wird. Das muss sich ändern."

Schnieder wirbt für die Schiene

Minister Schnieder wirbt bereits für die Schiene. Zwar lehnt er Forderungen nach einer Rückkehr des 9-Euro-Tickets für den Nahverkehr ab, wie ihn etwa die Grünen wegen der explodierenden Spritpreise fordern. Doch macht er sich stark für das Deutschlandticket, das derzeit 63 Euro im Monat kostet und "immer noch weitaus günstiger als reguläre Monatskarten" sei. "Für weite Teile unseres Landes kann ich nur empfehlen, auf das Deutschlandticket umzusteigen – gerade in der jetzigen Situation", sagte der Minister im Funke-Gespräch.

Klar ist: Die Bahn als Dauerthema bleibt Schnieder und der Gesellschaft erhalten - auch, falls die größten Arbeiten tatsächlich bis 2036 abgeschlossen sein sollten. "Dann haben wir die wichtigsten Strecken auf Vordermann gebracht", sagt Schnieder. "Aber niemand sollte der Illusion erliegen, dass man dann Jahrzehnte nichts mehr machen muss. Es ist wie bei der Straße. Man muss ständig ausbessern."

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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