Trotz Zugverspätungen und Ausfällen: So viel Abfindung kassiert die geschasste Chefetage der Deutschen Bahn

Während Millionen Fahrgäste täglich mit Verspätungen und Zugausfällen kämpfen, zahlt die Deutsche Bahn vier geschassten Vorständen Abfindungen in zweistelliger Millionenhöhe - unter anderem an eine Finanzchefin, die nach nur drei Monaten gefeuert wurde.

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Während Millionen Fahrgäste täglich mit Verspätungen und maroden Gleisen kämpfen, kassieren vier entlassene Bahn-Vorstände satte 11,3 Millionen Euro Abfindung – darunter auch Ex-Chef Richard Lutz. (Foto) Suche
Während Millionen Fahrgäste täglich mit Verspätungen und maroden Gleisen kämpfen, kassieren vier entlassene Bahn-Vorstände satte 11,3 Millionen Euro Abfindung – darunter auch Ex-Chef Richard Lutz. Bild: picture alliance/dpa | Carsten Koall
  • Millionen-Skandal bei der Deutschen Bahn - trotz Zugverspätungen und Ausfällen
  • Entlassene Vorstandsmitglieder kassieren Abfindungen in zweistelliger Millionenhöhe
  • Deutsche Bahn schweigt zu Abfindungszahlungen - warum fließen Millionen trotz DB-Sparkurs?

Wer sich für die Deutsche Bahn als Fortbewegungsmittel entscheidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mit verspäteten Zugverbindungen, dem maroden Schienennetz, Verzögerungen und Umleitungen aufgrund von Dauerbaustellen und außerplanmäßigen Zugausfällen konfrontiert. Doch während Bahnkundinnen und -kunden trotz der weiter bestehenden Probleme im Bahnverkehr stattliche Preise für ihre Tickets berappen müssen, kassiert die Chefetage des Konzerns fürstlich ab - auch und gerade nach Entlassungen, wie aktuell in der "Bild" zu lesen ist.

Deutsche Bahn in der Krise - gefeuerte Vorstandsmitglieder kassieren trotzdem Millionen

Zuletzt mussten mehrere Mitglieder des Bahn-Vorstandes ihre Posten räumen - um den Abschied zu versüßen, gab es dem Bericht zufolge allerdings üppige Abfindungszahlungen, die in Summe einen zweistelligen Millionenbetrag umfassen. Vier im vergangenen Jahr entlassene Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn bekamen demnach Abfindungen in Höhe von insgesamt 11,3 Millionen Euro - und das, obwohl sich der Staatskonzern in einer schweren Krise befindet.

Bericht enthüllt: 11,3 Millionen Euro Abfindung für vier gefeuerte Bahn-Vorstände

Unpünktliche Züge, ein heruntergewirtschaftetes Schienennetz und massive finanzielle Verluste prägen das Bild des Unternehmens. Während Fahrgäste täglich mit Verspätungen und Ausfällen kämpfen, verlassen die ehemaligen Führungskräfte den Konzern mit Millionenbeträgen. Ein Bahnsprecher wollte sich zu den Personalangelegenheiten nicht äußern und verwies auf den Geschäftsbericht 2025, der Ende März veröffentlicht werden soll.

Ehemaliger Bahnchef Richard Lutz kassiert Rekordsumme

Den höchsten Betrag erhält demnach der frühere Vorstandsvorsitzende Richard Lutz. Der 61-Jährige musste im Herbst 2025 nach Jahren an der Spitze des kriselnden Konzerns seinen Posten räumen und bekommt dafür 3,4 Millionen Euro. Daniela Gerd tom Markotten, ehemals zuständig für den Digitalbereich der Deutschen Bahn, kassiert dem Bericht zufolge 2,9 Millionen Euro. Ihr gesamtes Ressort wurde im Zuge von Sparmaßnahmen aufgelöst. Die frühere Cargo-Chefin Sigrid Nikutta, unter deren Führung die Güterverkehrssparte hohe Verluste einfuhr, bekommt rund 2,5 Millionen Euro. Dieselbe Summe fließt an Berthold Huber, den ehemaligen Infrastruktur-Vorstand, dem es nicht gelang, die Sanierung des Schienennetzes voranzubringen.

Woher nimmt die Deutsche Bahn Millionen-Abfindungen trotz Sparkurs?

Die hohen Abfindungssummen haben einen rechtlichen Hintergrund: Die Verträge der geschassten Manager waren teilweise noch bis 2027 gültig. Bei vorzeitiger Auflösung steht den Betroffenen gesetzlich eine Entschädigung zu, die bis zu zwei Jahresgehälter umfassen kann.

Für die Steuerzahler ist das besonders bitter. Die neue Konzernchefin Evelyn Palla hat einen strikten Sparkurs angekündigt und will jedes dritte Büro im Management streichen. Gleichzeitig belasten die Millionenzahlungen an die ehemaligen Führungskräfte die ohnehin angespannte Bilanz des Staatskonzerns erheblich.

Karin Dohm nach nur drei Monaten gefeuert - trotzdem gibt's eine satte Abfindung

Der wohl ungewöhnlichste Fall betrifft Karin Dohm. Die Finanzchefin übernahm ihren Posten bei der Deutschen Bahn erst im Januar 2026, musste jedoch bereits im März wieder gehen. Der Grund: Das Verhältnis zum restlichen Vorstand war nach nur drei Monaten "völlig zerrüttet". Obwohl ihre Amtszeit extrem kurz ausfiel, dürfte auch sie eine erhebliche Entschädigung erhalten. Branchenkenner gehen davon aus, dass ihr eine hohe Abfindung zusteht, da ihr Vertrag ursprünglich auf mehrere Jahre angelegt war. Damit könnte Dohm zum absurdesten Abfindungsfall in der Geschichte der Deutschen Bahn werden.

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