Bahn: Investor-Streit: Bus-Chaos zwischen Hamburg und Berlin

Der Ersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin steckt in der Krise. Grund ist ein Streit zwischen der Betreibergesellschaft und einem Investor. Ecovista-Chef Bader hofft auf baldige Besserung.

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Beim Ersatzverkehr entlang der Bahnstrecke Hamburg-Berlin spielt sich derzeit ein kleiner Wirtschaftskrimi ab - und die Fahrgäste sind die Leidtragenden. Marode Busse, Fahrzeugausfälle und keine digitalen Fahrgastinfos: Die Qualität des Angebots hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verschlechtert. Grund ist ein Streit zwischen der Betreibergesellschaft Ecovista und einem Investor.

Ecovista-Chef Michael Bader will die Qualität laut eigener Aussage möglichst schnell wieder bessern. Zugleich dämpft er die Erwartungen der Deutschen Bahn und der Fahrgäste. "Wir werden die Busflotte verbessern, so dass sie immer mehr dem vertraglichen Standard entspricht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Realistischerweise werden die Busse aber nicht den Standard einer komplett neuen Flotte erreichen."

200 Busse über Nacht ausgetauscht

Ecovista betreibt seit August im Auftrag der Deutschen Bahn den Ersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin, weil die Bahnstrecke umfassend saniert wird und deshalb gesperrt ist. Dafür setzte Bader bisher rund 200 neue Busse ein, die er eigenen Angaben zufolge bei einem Investor geleast hatte. Wegen zu hoher Leasingraten habe er den Vertrag zu Ende Februar gekündigt.

Quasi über Nacht tauschte Ecovista deshalb die neuen Fahrzeuge durch Gebrauchtbusse aus, die das Unternehmen auf dem freien Markt organisiert hatte. Doch den mit der Bahn vertraglich vereinbarten Qualitätsstandards entsprechen sie nicht. Bader bringt seither den bundeseigenen Konzern, die Fahrgäste und die Politik gegen sich auf.

Aufrüstung der Flotte läuft

Das Unternehmen sei dabei, die Ersatzflotte wieder aufzurüsten. Marode Fahrzeuge, über die sich Fahrgäste vollkommen zu Recht beschwert hätten, seien aus der Flotte entfernt worden, betonte Bader. Die digitalen Echtzeit-Daten funktionierten inzwischen wieder. Ab dem Wochenende sollen Fahrgäste die Daten auch in der Bahn-App DB Navigator sehen können. In den nächsten Tagen und Wochen würden alle Busse wieder mit USB-Steckdosen und Wlan ausgestattet sein.

Die Busausfälle seien bereits deutlich reduziert worden, betonte Bader. Am Donnerstag waren es ihm zufolge etwa 20 Ausfälle bei 1.230 Fahrten am Tag. "Wir waren vorher besser", räumte er ein. "Aber wir sind auf dem Weg."

Lohnzahlungen um einige Tage verzögert

Die Krise traf auch die Mitarbeiter von Ecovista. In einem internen Schreiben an die Beschäftigten von Ende Februar, über das zuerst der "Nordkurier" berichtet hatte und das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, kündigte Bader Verzögerungen bei den Lohnzahlungen um einige Tage an.

Die Deutsche Bahn hat Ecovista bereits abgemahnt und pocht auf die Einhaltung der Standards. "Sollten nicht wieder umgehend vertragskonforme Fahrzeuge im Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin eingesetzt werden, wird die DB InfraGO zusammen mit den zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen die umgehende Beauftragung anderer Schienenersatzverkehrsanbieter erwägen", teilte die Bahn jüngst mit.

"Die Situation beim Schienenersatzverkehr ist für die Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen unzumutbar", heißt es wiederum von der verkehrspolitischen Sprecherin im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Jutta Wegner. "Wenn Busse in einem Zustand unterwegs sind, der eher an Schrottplätze als an den öffentlichen Nahverkehr erinnert, dann ist das ein massives Versagen des Auftragnehmers."

Ecovista klagt gegen Investor

Bader hat derweil Klage gegen den Investor wegen Wuchers angekündigt. Die für die neuen Busse auferlegte Leasingrate liege um ein Mehrfaches über dem marktüblichen Niveau, betont er. Die Fahrzeuge befinden sich demnach weiter in den Depots von Ecovista. Sie gelten als Sicherheit für den anstehenden Rechtsstreit. "Das Ziel ist, dass wir im Grunde die Zusammenarbeit mit dem Investor komplett beenden."

Bader betont, dass sich die Qualität des Ersatzverkehrs bald wieder bessern werde. "Die Busse werden konform gemacht. Es geht ums Weitermachen." Ob das die Deutsche Bahn und ihre Fahrgäste zufriedenstellen wird, bleibt abzuwarten. Der Ecovista-Chef sagte, er stehe trotz der derzeitigen Probleme weiterhin bereit, den Ersatzverkehr auch bei längerer Bauzeit auf der Strecke zu betreiben. Die Bahn hatte kürzlich angekündigt, dass infolge des Frosts im Januar und Februar die Sperrung noch über den April hinaus bestehen bleibt.

"Ich bleibe dabei, dass wir Menschen befördern. Das tun wir zuverlässig und auch sicher", sagte Bader. "Das Unternehmen ist in der Lage, über den 30. April hinaus den Ersatzverkehr zu bedienen."

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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