Fernsehen: "Friesenjunkies" - neue Serie von den "Discounter"-Machern

Mit "Die Friesenjunkies" wagen sich Emil und Oskar Belton, die Macher von "Die Discounter", an neue Themen. Die Zwillinge haben eine Serie gedreht, die tiefer geht als ihre bisherigen Arbeiten.

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Suchtklinik statt Sansibar: In ihrer neuen tragikomischen Serie "Die Friesenjunkies" erzählen die Regisseure Emil und Oskar Belton ("Die Discounter") von Abhängigkeit, Selbstfindung und Freundschaft. Schauplatz ist diesmal eine fiktive Entzugsklinik auf Sylt, in der ein hochkarätiges Ensemble - wie beispielsweise Martin Brambach, Nicole Heesters, Peter Kurth, Pheline Roggan und Sylvie Meis - gegen seine Dämonen kämpft. Von Freitag an kann die Serie in der ARD-Mediathek abgerufen werden. Am 13. und 14. November zeigt das Erste die insgesamt acht Folgen.

"Weil ihre Seele fünf Sterne verdient"

"Wir freuen uns, Sie hier zu sehen, aber wir möchten Sie so schnell nicht wiedersehen. Das ist unser Prinzip. Isebek - weil Ihre Seele fünf Sterne verdient", tönt es im Werbespot der imaginären Entzugsklinik "Isebek" auf Sylt. Statt Schampus und Wellness gibt es für die neun sehr verschiedenen Patienten der "Gruppe D" Gesprächstherapie, Urinkontrollen und den ein oder anderen Billardabend im Aufenthaltsraum. Da spielen Reichtum oder Alter keine Rolle mehr.

"Sucht kennt keine Altersunterschiede oder Klassen. In der Klinik kommen alle zusammen. Und jeder kennt jemanden, der süchtig ist, egal ob jemand auf der Straße lebt oder ob jemand in einer riesigen Villa lebt", sagt Regisseur und Drehbuchautor Oskar Belton der Deutschen Presse-Agentur.

Status sei in "Isebek" egal, ergänzt sein Zwillingsbruder Emil Belton, ebenfalls Regisseur und Drehbuchautor der Serie. Es spiele keine Rolle, ob man Chef eines Konzerns sei oder gerade Abi gemacht habe und das Geld für den Klinikaufenthalt von der Familie oder der Krankenkasse habe, so der Regisseur weiter.

Auf diese Weise strandet auch Falko (Shadi Eck) in der Klinik, der sein Cannabisproblem loswerden möchte. Schnell lernt der notorische Lügner die Dynamik unter seinen egozentrischen Mitpatienten und Mitpatientinnen kennen. Über acht Folgen entfaltet sich eine bitterkomische Geschichte über das Gesehen-Werden, das Bezwingen von Ängsten, das Knüpfen von überraschenden Freundschaften und das Anbahnen zarter Liebe in einer Schicksalsgemeinschaft.

Prominenter Cast

Falko trifft in der Klinik auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Der alkoholabhängige Lebemann Buggi, fantastisch gespielt von Martin Brambach, sucht Gesellschaft. Die Zwillinge Josef und Otto (Oskar und Emil Belton) sorgen als Störenfriede für dauerhafte Aufregung. Die erfolgreiche Madison (Sylvie Meis) kämpft gegen ihre Medikamentenabhängigkeit. Außerdem versuchen die draufgängerische Holly (Lera Abova), die ein Geheimnis hütet, der reiche Erbe Cyrus (Arman Kashani), die alternde Mode-Ikone Gabi (Nicole Heesters) und der selbstverliebte Schauspieler Roland (Stephan Luca), von ihren Süchten loszukommen.

Doch nicht nur die Patientinnen und Patienten in der Klinik kämpfen mit ihren Dämonen und Süchten. Auch das Personal um Dr. Mangerius (Peter Kurth), Tiefenpsychologin Beiersdorf (Pheline Roggan) und die neu eingestellte Verhaltenstherapeutin Jannika (Marie Lina Smyrek) versucht, die Klinik mit ihren ganz eigenen Methoden am Laufen zu halten - und offenbart dabei so manchen Makel. Währenddessen sorgt sich Klinikleiterin Kowalke (Marie-Lou Sellem) um die Bettenauslastung in "Isebek" und wittert Konkurrenz von einer neuen Klinik in der Nachbarschaft.

Berufswunsch Psychologen

Dass es in "Isebek" nicht reibungslos läuft, ist bei Emil und Oskar Belton vorprogrammiert. Die 27-jährigen Zwillinge schrieben das Drehbuch, führten Regie, spielten Hauptrollen und schnitten die Serie. Den Durchbruch hatten sie mit der Impro-Comedyserie "Die Discounter", die in einem fiktiven Supermarkt in Hamburg spielt. 2024 gewann die dritte Staffel der Prime-Video-Serie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Comedy-Serie".

"Wären wir keine Regisseure geworden, wären wir wahrscheinlich Psychologen geworden. Psychiater nicht, für das Medizinstudium hätte das Abi nicht gereicht", sagt Oskar Belton. Die Brüder wollten sich auch deshalb eingehender mit Sucht als Symptom von psychischen Erkrankungen auseinandersetzen.

Es war ihnen wichtig, vor dem Schreiben intensiv zum Thema Abhängigkeit zu recherchieren. Emil Belton beschreibt es als eine "Verantwortung für einen Kosmos". Dafür haben sie sich mit Psychologinnen, Psychiatern und Betroffenen ausgetauscht. Beide betonen, man müsse als Drehbuchautor seine Figuren ernst nehmen und nicht einfach irgendwas schreiben.

Bleibende Erinnerungen

Trotz des schweren Themas hatte der gesamte Cast viel Spaß während der Dreharbeiten. Einige der improvisierten Szenen nahmen ein unerwartetes Ende. "Wir haben uns in einer Szene echte "Friesenjunkies"-Tattoos stechen lassen auf unseren Hintern. Und dann hat Oskar das "i" vergessen. Nicht aus Joke, sondern er hat wirklich einfach das "i" vergessen", erzählt Emil Belton.

Stolz ziehen die Brüder während des Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur ihre Hemden hoch und halten das Werk mit großem Gelächter in die Kamera. In der beschriebenen Szene finden Falko, Otto und Josef eine Tattoo-Maschine. Sie suchen nach einem geeigneten Motiv, irgendwas mit "Friesen" soll es sein. Aus Friesenjungs wird kurzerhand "Friesenjunkies". Und natürlich performt auch der echte "Friesenjung" Otto Waalkes in einem Cameo-Auftritt seinen gleichnamigen Hit in der Serie.

Doch damit nicht genug. Auch Arman Kashani stifteten die Zwillinge an, sich ein "Friesenjunkies"-Tattoo von Martin Brambach stechen zu lassen. Natürlich alles on tape in den Rollen als Cyrus und Buggi.

"Man kann sich vorstellen, dass Martin Brambach wahrscheinlich noch nie in seinem Leben ein Tattoo gestochen hat. Und dann hat er angefangen. Und wir haben nicht "Cut" gesagt und Arman hat sich nicht getraut, selbst "Cut" zu sagen, weil wir es so lustig fanden", erzählt Emil Belton. Auf Arman Kashanis Oberarm prangt jetzt ein riesiger Schriftzug. Aber er trage es mit Stolz, versicherten die Zwillinge.

Filme machen statt "Scheiße bauen"

Die Brüder würden sich gegenseitig immer hochpushen in ihren Ideen. Diese Dynamik spiegelt sich auch in den "Geschwistern Fürchterlich", den Serien-Zwillingen Otto und Josef wider, die die Gruppe zu draufgängerischen und dummen Aktionen verleiten. Als Jugendliche hätten Emil und Oskar Belton deshalb auch ziemlich viel Scheiße gebaut. "Das haben wir jetzt umgewandelt in Filme machen", sagt Oskar Belton.

Beim Drehbuchschreiben und Regieführen hätten sie keine Konflikte und "immer die gleiche Vision", betonen beide. Das liege an der besonderen Verbindung zwischen ihnen. "Oskar kenne ich, seitdem ich minus eins bin. Deswegen weiß ich, warum er so ist, und deswegen kann ich auch nicht sauer auf ihn sein", erklärt Emil Belton.

Melancholischer als "Die Discounter"

Mit "Die Friesenjunkies" legen Emil und Oskar Belton eine tiefgründigere Dramedy-Serie vor. Die Erzählweise in "Die Friesenjunkies" ist nicht mehr so unbedarft wie in "Die Discounter". Die Brüder greifen aber auch in ihrer neuen Serie wieder auf die tagebuchähnlichen Interviews mit einzelnen Figuren zurück. Aufgrund der schweren Thematik geht es noch stärker darum, in menschliches Handeln und Gefühle einen nachgelagerten Lacher zu integrieren. Es sei eben nicht ganz der "Brainrot-Humor", sagen die Zwillinge. Die Serie sei melancholischer. "Es geht auf und ab. Und es ist auch eine Serie über Scheitern und über Hoffnung", fasst es Oskar Belton zusammen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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