Fernsehen: "23 000 Leben": Netflix zeigt bewegendes Rettungsdrama

Eine Gruppe junger Menschen rettet Tausende Geflüchtete im Mittelmeer – der Netflix-Film "23 000 Leben" erzählt ihre Geschichte. Was macht das Drama so besonders?

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23.000 Menschen - viele davon wären wohl gestorben auf der Flucht übers Mittelmeer. Doch eine idealistische Gruppe junger Leute rettet sie von ihren Schlauchbooten. Ein Film über diese aufwühlende Geschichte läuft jetzt bei Netflix (Streamingstart 17. Juli), prominent besetzt mit Mala Emde, Frederick Lau und "Dark"-Star Louis Hofmann. Was man von "23 000 Leben" zu erwarten hat und warum sich das Einschalten lohnt.

Was erzählt der Film?

Im Sommer 2015 verfolgen einige Freunde zunehmend entsetzt die Nachrichten über Geflüchtete, die auf dem Weg nach Europa Schiffbruch erleiden und sterben. "Können wir Menschen einfach so ertrinken lassen, können wir wegsehen?", fragt der Student Lukas. Gegen alle Widerstände kaufen sie ein Rettungsschiff, sanieren es und stechen in See. Geld ist das geringste Problem. Am schlimmsten sind Bürokratie, aggressive Küstenwachen sowie politische und juristische Hindernisse, die dafür sorgen, dass die idealistischen Helferinnen und Helfer plötzlich als Straftäter gelten.

Wer spielt mit?

Louis Hofmann, bekannt aus der Mystery-Serie "Dark", treibt als Lukas die Rettungsmission hartnäckig voran. Unterstützt wird er von seiner Freundin Kitty (Mala Emde - "Köln 75") und ihrer Mitbewohnerin Nina (Katharina Stark - "Der Staatsfeind"). Frederick Lau ("Crooks") ist als erfahrener Sören dabei, der schon bei Missionen von Sea-Watch im Einsatz war. Gastauftritte haben unter anderem Corinna Harfouch, Katja Riemann und Frank Plasberg.

Regisseur Markus Goller hat auch Leute vor die Kamera geholt, die tatsächlich so eine Reise übers Mittelmeer durchgemacht haben. "Natürlich ist da sehr viel Trauma, extrem viel emotionale Belastung", sagt er. Doch gerade diese Rohheit der Emotionen macht den Film authentisch.

Was ist die reale Geschichte?

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Im Sommer 2015 gründeten Studierende in Berlin den Verein Jugend Rettet. Am 27. Juli 2016 brach eine hochmotivierte Crew ins Mittelmeer auf, unterstützt von vielen Freiwilligen zu Hause. Bei insgesamt 16 Einsätzen retteten sie nach eigenen Angaben mehr als 23.000 Menschen das Leben.

Am 2. August 2017 beschlagnahmten italienische Behörden aber die "Iuventa" und brachten die Crew vor Gericht wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Erst im April 2024 stellte ein Gericht auf Sizilien das Verfahren ein.

Für Sascha Girke, damals Einsatzleiter, das einzig Richtige: Man habe nicht gegen Regeln oder Gesetzte verstoßen, "da wurde irgendwas erfunden, um uns festzusetzen", wirft er vor. "Wenn eine Regel falsch ist, dann muss man gegen sie verstoßen. Es gibt viele historische Beispiele, wo Leute, die das getan haben, zu Recht heute wertgeschätzt werden dafür. Und dasselbe gilt für die Fluchthilfe über das Mittelmeer."

Lohnt sich der Film?

Das Ensemble spielt großartig und zeigt, was man mit Idealismus erreichen kann - etwa Tausende Menschen retten. Auch Widersprüche in der Gesellschaft werden offenbar: Leute, die für Menschenwürde und Nächstenliebe eintreten, sprechen ein großes "Aber", wenn es um Geflüchtete geht und blenden aus, dass schiere Verzweiflung Menschen zur Flucht übers Meer treibt. Oder wie Lukas im Film sagt: "Wenn die zu uns an Bord kommen, fragen die nicht nach Sozialleistungen, die fragen, gibt es eine Möglichkeit, meiner Mutter zu schreiben, dass ich am Leben bin?".

Der Film erzählt die Dynamik unter den Freiwilligen. Und er zeigt, wie belastend es werden kann, etwa wenn eine Migrantin an Bord trotz aller Bemühungen stirbt oder wenn das Schiff vor der Küste Libyens plötzlich beschossen wird.

Wie emotional ist der Film?

Louis Hofmann steht hinter der Botschaft des Films. "Da kommen nicht Zahlen übers Mittelmeer. Da gibt es zu jedem Menschen, der auf diese Flucht geht, eine Geschichte und einen Beweggrund und eine Not", sagt er der dpa. Schade nur, dass "23 000 Leben" bei den Schicksalen an der Oberfläche bleibt. Dafür fühlt man mit den Rettungsteams, erlebt ihre Emotionen, wenn sie verzweifelte und entkräftete Menschen ins Schiff holen. Und ihre Verzweiflung, dass viele ihre Arbeit verhindern wollen, auch wenn dann vielen Menschen sterben.

Was sagt das reale "Iuventa"-Team?

Der damalige "Iuventa"-Kapitän Benedikt Funke sieht den Film als Chance: "Die Berichterstattung schaut eigentlich nicht mehr aufs Mittelmeer". Dabei kämen durchschnittlich immer noch mindestens acht Menschen pro Tag ums Leben. Dass am Ende zu sehen ist, wie der Richter das Gerichtsverfahren gegen die Crew einstellt, freut ihn: "Er hat gesagt, dass aufgrund der Zustände in den libyschen Lagern eigentlich jede Handlung, die den Menschen hilft, dort wegzukommen, eigentlich eine notwendige Handlung ist".

Der Film erzähle aber nicht alles, etwa die Kriminalisierung von Menschen, die die Boote steuerten, so Funke. "Die werden dann ohne die Aufmerksamkeit und ohne die Ressourcen, die die Iuventa Crew in ihrem Gerichtsprozess zur Verfügung hatte, teilweise in Eilverfahren für Jahrzehnte ins Gefängnis gesteckt."

Was hat die realen Retter angetrieben?

Funke und Girke wollen trotz aller Widerstände aktiv bleiben, etwa in der Fluchthilfe oder der Seenotrettung. Girke erklärt: "Ich möchte mein Leben gar nicht anders verbringen. Ich wüsste nicht, wie ich in dieser Welt sein kann, ohne zu handeln."

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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