TV-News: Fernsehgarten-Start in Mainz und Fußball-WM-Finale in Mexiko
Vormittags erstmals Ilona Christen in Mainz beim ZDF, abends Diego Maradona in Mexiko-Stadt bei der ARD: Das war für Millionen Deutsche das TV-Programm vor 40 Jahren, am letzten Juni-Sonntag '86.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Was von einem Tage übrig bleiben kann: Der 29. Juni 1986 hat in der deutschen Fußball- und Fernsehgeschichte Spuren hinterlassen. Die deutsche Nationalmannschaft mit Karl-Heinz Rummenigge, Rudi Völler und Co. verlor damals das WM-Finale – und im ZDF lief erstmals der "Fernsehgarten". Zusammenhang: (fast) keiner. Trotzdem interessant.
Ilona Christen, damals 35 Jahre alt, führte am Vormittag vom 29.6.86 ab 11.00 Uhr durch die erste Ausgabe des bis heute laufenden "ZDF-Fernsehgartens". Am Premierentag strahlte die Sonne. Die Show lief gut, der Sender war stolz.
Wassermelonencocktail im ersten Fernsehgarten
Zu Gast hatte Christen etwa den Vater und Bruder von Nationalspieler Lothar Matthäus und als "Party-Tipp der Woche" wurde ein Wassermelonencocktail zubereitet. Die deutsche Grand-Prix-Teilnehmerin Ingrid Peters sang acht Wochen nach ihrem achten Platz beim Eurovision Song Contest noch mal ihr Lied "Über die Brücke geh'n".
Statt der ursprünglich erwarteten etwa 400 Zuschauerinnen und Zuschauer (ausgelost durch eine Leseraktion der "Allgemeinen Zeitung" Mainz) hatten am Morgen gut doppelt so viele Menschen um Einlass aufs ZDF-Gelände gebeten.
Von da an steigerte sich die Zuschauerzahl jeden Sonntag. Auch heute kommen die Leute nicht nur aus Mainz und Umgebung, sondern aus allen Ecken Deutschlands. Die Show wird inzwischen bekanntlich seit mehr als 25 Jahren von Andrea Kiewel moderiert, Tausende sind sonntags auf dem Gelände dabei.
"Mischung aus Kultur, Sport, Mode, Musik und Freizeit"
Ein paar Tage vor der ersten Show damals hatte das ZDF seine 1,35 Millionen Mark teure Freiluftanlage am Sendezentrum in Mainz-Lerchenberg vorgestellt. Sie erinnere an ein klassisches Amphitheater, schrieb die Nachrichtenagentur dpa damals in einer Meldung.
ZDF-Intendant Dieter Stolte schwor auf das neue Format im Freien ein, das eine "Mischung aus Kultur, Sport, Mode, Musik und Freizeit" biete. Programmdirektor Alois Schardt sagte, damit komme das ZDF der Forderung nach "Fernsehen zum Anfassen" näher.
Am Ende der ersten Fernsehgarten-Saison zeigte sich das ZDF zufrieden mit der Show und vor allem auch der Moderatorin Ilona Christen. Die Idee, diese Sendung auf dem Mainzer Lerchenberg zu einer Stätte der Begegnung von Fernsehmachern und Publikum werden zu lassen, sei angenommen worden, sagte Stolte.
Nach ZDF-Angaben sahen an den zehn Sonntagen vom 29. Juni bis zum 31. August 1986 jeweils bis zu 4,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer den "Fernsehgarten". Aktuell kommt der Fernsehgarten immer noch auf gute Quoten und eine durchschnittliche Reichweite von gut anderthalb Millionen Zuschauern.
Kanzler Kohl war zum WM-Finale in Mexiko gereist
Zurück ins Jahr 1986: Am Abend des 29. Juni erlebte die Bundesrepublik ihre 2:3-WM-Final-Niederlage gegen Argentinien in Mexiko-Stadt. Die ARD übertrug, rund 27 Millionen Menschen allein in Westdeutschland sahen dabei zu. Deutschland verlor sein zweites WM-Finale in Folge (1982 gegen Italien in Madrid).
Der eigens angereiste Bundeskanzler Helmut Kohl spendete nach der Niederlage in Mexiko-Stadt am Nachmittag (MESZ circa 22 Uhr) persönlich Trost, umarmte im Aztekenstadion innig Teamchef Franz Beckenbauer, der vier Jahre später den WM-Triumph in Rom schaffen sollte.
Kohl hatte noch vor dem Spiel, das um 12 Uhr mittags Ortszeit begann, auf einen 2:1-Sieg für Deutschland getippt. Er gratulierte danach natürlich trotzdem jedem einzelnen deutschen Spieler zu seinen Leistungen.
Eine Woche vorher war die "Hand Gottes" im Spiel
DFB-Chef Hermann Neuberger strahlte über das ganze Gesicht – nach einem 0:2-Rückstand hatte die deutsche Mannschaft Zähigkeit gezeigt: Kampf um jeden Preis – auch wenn es noch so aussichtslos schien. Am Ende triumphierte dennoch Argentinien mit seinem Kapitän Diego Maradona.
Maradona wurde auch als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet, obwohl er sich eine Woche vor dem Finale im Spiel gegen England den Skandal eines Handspiels bei einem Tor geleistet hatte. Die "Hand Gottes" sei im Spiel gewesen, formulierte der 25-Jährige dreist. Er hatte am 22. Juni nach dem Spiel vor Kameras gesagt: "Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes." Erst gut 20 Jahre später zeigte Maradona Reue.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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