TV: Ermittelt mit den Ohren: "Blind Sherlock"
Ein brutales Drogenkartell hält Rotterdam in der Zange. Die Polizei scheint machtlos. Eine Sondereinheit wird gebildet. Ein Ermittler hat eine ganz besondere Gabe.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Roman Mertens bewirbt sich um einen Job bei der Polizei. Mit Stock und Hund kommt er zum Bewerbungsgespräch und ist schon 0 zu 3 im Rückstand. "Es würde nicht funktionieren, praktisch gesehen", sagt eine Beamtin herablassend. "Sie finden sicher einen anderen Job, der besser zu Ihnen passt." So wird Roman abserviert bei der Rotterdamer Polizei. Knallhart. Und warum? Roman ist blind.
Doch dann vergeht den Kommissaren das mitleidige Lachen. Roman hat nämlich etwas, was sonst keiner hat: ein perfektes Gehör. Er hört das, was viele andere noch nicht einmal sehen können. Roman Mertens (Bart Kelchtermans) ist der "Blind Sherlock" in der neuen belgischen Krimiserie im ZDF (ab 17. April zu streamen; am 26. April, 3. und 10. Mai jeweils um 22.15 Uhr in Doppelfolgen), die in den Niederlanden spielt.
Roman tritt seinen Job an bei der neuen Abhöreinheit der Rotterdamer Kripo und er wird hineingezogen in den spannenden Kampf gegen ein mächtiges Drogenkartell. Er muss versuchen, aus abgehörten Telefonaten und Gesprächen Details zu filtern, die die Kommissare weiter bringen. Doch sehr schnell gerät er selbst ins Fadenkreuz der brutalen Bande.
Ein echtes Vorbild
Die Rolle hat ein reales Vorbild. Der belgische Sacha Van Loo war Inspiration für die Serie. Er hatte jahrelang bei der belgischen Polizei als blinder Ermittler gearbeitet. Gerade weil er nicht sehen konnte, war sein Gehör sehr geschärft.
Für den Autor Kristof Hoefkens war gerade die Behinderung des Ermittlers der faszinierende Ausgangspunkt.: "Was wäre, wenn jemand, der normalerweise an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, sich als derjenige entpuppt, den die Gesellschaft braucht, um gerettet zu werden?"
Visuelle Effekte
Gerade die Sehbehinderung des Protagonisten gibt dieser sonst sehr klassischen Polizeiserie eine spannende Dimension. Durch sein hochsensibles Gehör kann sich Roman in eine Szene hineinhören, als würde er sie direkt miterleben. Er zerlegt eine Geräuschkulisse bis ins kleinste Fragment. Das wird spektakulär auch visuell umgesetzt.
Roman wird zum Ohren-Zeugen: Er hört etwa die Tonhöhe von Computertasten oder eine Automarke.
Aber Roman muss selbst auch lebensgefährliche Einsätze überstehen. Bis zum explosiven Showdown auf einem Boot. Das alles spielt sich ab vor der rauen und spektakulären Kulisse der niederländischen Hafenmetropole Rotterdam, jahrelang die Drehscheibe des internationalen Kokainschmuggels.
Hauptdarsteller selbst blind
Der Flame Bart Kelchtermans (30) spielt den blinden Ermittler sehr glaubwürdig. Und das liegt auch daran, dass er selbst fast blind ist. Vor etwa fünf Jahren starben aus ungeklärter Ursache plötzlich seine Sehnerven ab. Kelchtermans musste sein Leben völlig neu einrichten. "Ich habe gelernt, dass ein Mensch stärker ist als er denkt", sagte er in einem Interview. Durch Zufall kam er zum TV.
Ein Freund hatte ihm erzählt, dass ein sehbehinderter Darsteller für eine TV-Serie gesucht werde. Und so geschah es, dass er sich - wie Roman - bewarb, ohne Erfahrungen als Schauspieler.
"Die Rolle wurde für mich zum Teil der Aufarbeitung meiner Behinderung", sagte er. Jetzt will er "ein Vorbild sein für andere blinde oder sehbehinderte Menschen – insbesondere für diejenigen, die gerade erleben müssen, wie sie nach und nach ihr Augenlicht verlieren."
Ob es eine zweite Staffel von "Blind Sherlock" geben wird, ist unklar. Kelchtermans leidet nämlich an einer lebensgefährlichen Autoimmunkrankheit und muss sich in diesem Sommer einer schweren Behandlung unterziehen. "Die Überlebenschance ist etwa fifty-fifty", sagte er.
Liebesbeziehung retten
Seine Sehbehinderung hilft Kelchtermans bei der Rolle. Parallel zu seinen Abenteuern bei der Kripo will Roman auch seine Liebesbeziehung retten und seine schwangere Freundin zurückgewinnen. Die Ängste und Zweifel des angehenden Vaters spielt Kelchtermans sehr glaubwürdig. Nur in Dialogszenen wirkt er bisweilen hölzern und man merkt, dass es seine erste Rolle ist.
Zur Seite steht ihm ein großes Aufgebot niederländischer Stars. So tritt etwa Frank Lammers als Kommissar Nico auf. Lammers, in seiner Heimat vor allem als fieser Drogenboss Ferry Bouman aus der Serie "Undercover" bekannt, macht nun Jagd auf den mysteriösen Chef des Drogenkartells.
Dass der Hauptdarsteller kein Profi ist und sehbehindert, war ein "doppeltes Risiko", wie Lammers in einem TV-Interview formulierte. "Als Schauspieler gibt man ja ständig Signale, stumme Zeichen." Blicke oder Gesten aber sehe Kelchtermans ja nicht. "Wir haben viel miteinander geredet, Schauspielerei besteht zu 80 Prozent aus gutem Zuhören", sagte Lammers. Und genau das könne auch Kelchtermans besonders gut.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "TV":
- TV-Programm heute Abend: Das sind die Primetime-Highlights im Fernsehen
- TV-News: "Größter Stunt meines Lebens": Marie Mouroum ist Mutter
- TV: Senta Berger über Mario Adorf: "Sein Tod schmerzt sehr"
- GZSZ-Spoiler: Fan-Liebling erschossen - dieser Serientod verändert alles
- "Euphoria"-Recap : Hitserie kehrt zurück - doch Fans erkennen ihre Lieblingsserie kaum wieder
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.