TV-News: Darum ist "The Pitt" die wohl beste Krankenhausserie

Die Arbeit in der Notaufnahme hat es in sich. In der US-Krankenhausserie "The Pitt" geraten Ärzte und Pfleger an ihre Grenzen – und manchmal auch aneinander. Was macht den Streaminghit so besonders?

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Ständige Notfälle, aufwendige Behandlungen und ein Rennen gegen die Zeit. Was im Krankenhaus passiert, bietet seit Jahrzehnten immer wieder spannende Storys für Film und Fernsehen: Egal ob mit Humor in "Scrubs", als Charakterdrama in "Grey's Anatomy" oder etwas sanfter in der ARD-Reihe "In aller Freundschaft".

Doch dass das Genre längst noch nicht auserzählt ist, zeigt die Streamingserie "The Pitt", deren Premiere in den USA im vergangenen Jahr einen Hype auslöste. Dieser hält zur zweiten Staffel weiter an, deren Finale ab Donnerstag (16.4.; HBO Max) auch in Deutschland verfügbar ist.

"The Pitt" kommt etwas wie die einstige Thrillerserie "24" mit Kiefer Sutherland daher: Jede Folge stellt eine Stunde der Tagschicht einer Notaufnahme in der US-Stadt Pittsburgh dar, angeführt vom erfahrenen Belegarzt Michael "Robby" Robinavich (Noah Wyle). Als Führungskraft ist er unumstritten und für die vielen Nachwuchsärzte nicht nur eine wichtige Hilfe, sondern auch eine Art Vaterfigur.

Doch trotz des großen Respekts verläuft die Arbeit mit ihm nicht immer ohne Konflikte ab. Denn Robby, ein Arbeitstier ohne Kompromisse, machen die oft traumatischen Erfahrungen psychisch immer mehr zu schaffen – wie in der ersten Staffel etwa an Flashbacks aus der Corona-Pandemie zu erkennen ist.

Spiritueller Nachfolger von "ER" mit George Clooney

Nicht aus Zufall erinnert "The Pitt" an die Serie "Emergency Room – Die Notaufnahme", kurz "ER", die in Deutschland einst auf ProSieben lief. Auch in dieser spielte Wyle die Hauptrolle, damals an der Seite von niemand Geringerem als George Clooney, dem damit sein großer Durchbruch gelang.

Anfangs war statt "The Pitt" sogar eine Neuauflage der von 1995 bis 2009 gelaufenen Serie geplant – doch da man sich mit den Erben von "ER"-Schöpfer Michael Crichton ("Jurassic Park") nicht einig wurde, konzipierte ein Team um Wyle kurzerhand ein ähnliches Konzept. Aus Sicht der Erben so ähnlich, dass diese deswegen Klage einreichten.

Mit "The Pitt" landeten deren Schöpfer einen Volltreffer. Bei den Emmy Awards wurde die Serie 2025 gleich fünfmal ausgezeichnet, Wyle räumte gar bei allen der fünf wichtigsten Fernsehpreise der USA als bester Hauptdarsteller ab. Trotzdem war die Serie in Deutschland erst ein Jahr später zu sehen: In den USA lief sie schon 2025 auf dem Streamingdienst HBO Max, der erst in diesem Januar in Deutschland startete – und "The Pitt" wenig überraschend als eines der Kronjuwelen präsentierte.

Viele Charaktere, noch mehr Notfälle

Obwohl der von Wyle gespielte Vorgesetzte im Zentrum der Handlung steht: Genauso wichtig sind die anderen Ärzte, Praktikanten und Krankenpfleger, die mit ihren eigenen Erfahrungen und Herausforderungen zu kämpfen haben.

Etwa die junge, hochbegabte Victoria Javadi (Shabana Azeez), die mit den hohen Erwartungen ihrer Eltern umgehen muss, die selbst Chirurgen im Krankenhaus sind. Die eher zurückhaltende Jungdoktorin Mel King – gespielt von Taylor Dearden, der Tochter von Bryan Cranston – die sich um ihre autistische Schwester kümmert. Oder der selbstbewussten, trotzigen Trinity Santos (Isa Briones), die sich mit Robbys rechter Hand, Dr. Frank Langdon (Patrick Ball), anlegt – was nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Fast beeindruckend ist, wie "The Pitt" den schwierigen Spagat meistert, neben dem hektischen Notaufnahmen-Alltag auch den vielen Charakteren Raum zu geben. Gerade ihr humorvolles Zusammenspiel ist es, was dem Zuschauer auch mal ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Denn die ständigen Notfälle sind nichts für schwache Nerven: "The Pitt" stellt Verletzungen und Behandlungen mit extremen Details dar. Die Kamera ist dabei fast durchgehend auf das Geschehen gerichtet, selbst wenn dieses nur schwer zu verdauen ist.

TV-Drama überzeugt sogar echte Ärzte

Anders als bei vielen vergleichbaren Serien gelingt das offenbar sogar überraschend realistisch, wie tatsächliche Ärzte und Pfleger gegenüber US-Medien schilderten. Etwa in der "New York Times" zeigten sich einige beeindruckt davon, wie die Serie etwa schwierige Entscheidungen abbildet – und auch den ständigen Personaldruck, der in vielen Notaufnahmen bei Patienten für Unmut sorgt. Wobei es beim Realismus auch Ausnahmen gibt: Etwa bei Herzdruckmassagen oder der extrem hohen Zahl an Notfällen, die es abseits der TV-Bildschirme kaum geben dürfte.

Am Ende darf man aber nicht vergessen, dass "The Pitt" immer noch eine Serie mit erfundenen Handlungen ist. An brenzligen Themen wird dabei fast nichts ausgelassen: von skeptischen Patienten, die lieber Pseudomedizin vertrauen, über Schießereien und Cyberangriffe bis hin zu aggressiv vorgehenden Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE, die plötzlich in der Notaufnahme auftauchen.

Und all das innerhalb von nur zwei, jeweils 15 Stunden langen Schichten, die es in den beiden Staffeln zu sehen gibt. Auch wenn Zuschauer dabei manchmal genauso wenig Zeit zum Durchatmen bekommen wie die TV-Ärzte: für die Spannung und Action von "The Pitt" ist es das durchaus wert.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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